Macron – Merz: Hinter den Kulissen der Macht (1/2)
Dreht die Zeitenwende die Uhr zurück?

  • von Hans Czerny
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (links) und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz müssen häufig Meinungsverschiedenheiten aushandeln – etwa in Bezug auf das Mercosur-Abkommen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (links) und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz müssen häufig Meinungsverschiedenheiten aushandeln – etwa in Bezug auf das Mercosur-Abkommen.
© ARTE F / Babel Doc
Noch vor kurzem hielten sie Händchen. Doch inzwischen scheint es bei Merz und Macron hinter den Kulissen zu knistern. Die "Zeitenwende" zeigt Folgen.

Droht die Scheidung? – Das fragte kürzlich ein französisches Politmagazin und beklagte eine zunehmende Entfremdung zwischen dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz. Zwar gaben sich beide vor den TV-Kameras als beste Freunde, ganz so wie es seit De Gaulles und Adenauers Zeiten üblich war. Mal hielten sie sogar Händchen und Merz' erster Besuch als Kanzler galt ganz selbstverständlich dem französischen Nachbarn. Doch inzwischen scheint die "Zeitenwende" die Zeiger der Uhr angehalten zu haben, wie der zweiteilige Reportagefilm von Manuel Saint-Paul (ARTE F) belegt. Beiden Politikern geht es beim Wahlvolk im eigenen Land nicht besonders gut, wirtschaftliche Interessen, insbesondere in der Rüstungspolitik schieben sich in den Vordergrund.

Schon wurde ein geplantes gemeinsames Kampfjet-Programm begraben. "Wir geschichtsbezogenen Europäer stehen zum gemeinsamen Modell", sagt Macron. Doch Merz sieht keine Notwendigkeit für gemeinsame Abfangjäger – schon vor zehn Jahren wurden sie bekanntlich geplant. Ursache des wahrscheinlichen Scheiterns sind letztlich die Haushaltsprobleme beider Länder. Dass Frankreich das gemeinsame Freihandelsabkommen zwischen der EG und südamerikanischen Staaten ablehnt, ist ein weiterer Grund für die Abkühlung des Verhältnisses zwischen beiden Ländern.

Hinter allem steht allerdings Donald Trump mit seinen willkürlich verhängten Zöllen und einer unverhohlenen Ablehnung Macrons, den er mit 200-prozentigen Zöllen auf Wein und Champagner bedroht. Während Merz da eher auf Tauchstation zu gehen scheint und die deutsch-amerikanischen Beziehungen bewahren will, ruft Macron schon mal gegen Trump zum Widerstand auf. Dennoch wollen Merz und Macron ein starkes Europa, das zwischen Trump und Putin bestehen kann, wie es Macron bereits seit 2017 propagiert. Komplizierte Zeiten ... – Der ARTE-Zweiteiler begleitet die beiden Politiker "von Paris bis Kiew und von Berlin bis Washington" – zu internationalen Gipfeltreffen ebenso wie zum Beisammensein unter vier Augen.

Macron – Merz: Hinter den Kulissen der Macht (1/2) – Di. 07.04. – ARTE: 21.45 Uhr

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