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Hintergrund: Witz hilft

Gunter Schmidt über "sexuelles Gequatsche" und die Folgen.

Warum wollen Teenager so früh reif sein?

Sie sind im Umgang mit Sexualität - zumindest auf verbaler Ebene und in ihren Kenntnissen - viel weiter als je zuvor. Wir wuchsen in einem Chaos der Unterinformation auf, die erleben ein Chaos der Überinformation. Das sexuelle Gequatsche prägt Teenager-Kulturen deutlicher als früher. Das hat auch was Gutes: Jugendliche sehen, lesen, hören un d reden viel über Sex und bekommen ein Verständnis dafür, wie Jungen und Mädchen miteinander umgehen können.

Sexualität in den Medien hat aber meist nichts mit dem echten leben zu tun.

Das ist ein Problem: Jugendliche bekommen eine Menge Drehbücher geliefert, wie Flirt, Verliebtsein, Sex auszusehen haben. Sie sind regelrecht "overscripted", und es ist für sie schwer, die vorgefertigten Schablonen einfach abzuschütteln.

Auf RTL sehen sie dann hysterische Schulmädchen, die nur noch an Sex denken.

Teenager haben ein großes Interesse an "Sex-and-Romance-Comedys". Sie kapieren genau, was da passiert, wenn im Film ein Mädchen unter dem Tisch verschwindet und der Junge plötzlich anfängt zu zucken und zu stöhnen. Wir hätten vermutlich gedacht, die kitzelt ihm die Füße. Es gibt eine scheinbare Kompetenz, die auch lautstark kommuniziert wi rd. Das Thema Sex auf eine witzige Ebene zu heben hilft den Jugendlichen, mit den eigenen Ängsten, Unsicherheiten, mit all den komplizierteren Dingen von Beziehung und Sex umzugehen.

Mit wem reden Teenager über ihre Ängste und sorgen?

Die Eltern von heute sind ja sehr verständnisvoll und fast beleidigt, wenn sie mit ihren Kindern nicht ständig über Sexualität reden können. Aber das tritt Jugendlichen zu nahe. Eher ist es der größere Bruder, die beste Freundin oder der Partner. Man sollte nicht denken, die Eltern seien der beste Ansprechpartner. Sie haben nur eine Hinterg rundfunktion.

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