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Joop Swart Masterclass: Interview mit Anna Kari

Die dänische Fotografin Anna Kari lebt und arbeitet in London. Der Focus ihrer Arbeiten liegt auf humanitäre und gesellschaftliche Themen, insbesondere das Schicksal der Gypsies.

Hallo Anna, können Sie uns sagen, wie Sie zur Fotografie kamen?
Als ich 15 Jahre war, gab es in unserem Jugendzentrum eine Dunkelkammer. Meine Bruder fotografierte schon zu diesem Zeitpunkt und er kam immer mit diesen schönen Porträts von sich nach Hause. Ich war neidisch und wollte das auch haben. Ich fing also an, in dieser Dunkelkammer meine ersten Filme zu entwickeln und Fotos zu printen.

Kurze Zeit später ging ich zur Highschool und sie brauchten dort einen Fotografen für die Schülerzeitung. Da ich schon etwas Erfahrung hatte, machte ich das. Ich meine, das war nicht sehr anspruchsvoll aber ich fing an, zu fotografieren. Unsere Schule war sehr international und einige meiner Mitschüler gingen später nach England, um dort zu studieren. Ich machte mich also auch auf die Suche und fand eine gute Schule, an der ich drei Jahre Fotografie studierte. Ich weiß auch nicht, wann genau ich die Entscheidung zur Fotografie getroffen habe. Es gab keinen bestimmten Punkt, es hat sich einfach dorthin bewegt. Ich denke, durch meine Eltern bin ich auch ein wenig vorbelastet. Meine Mutter arbeitet in der Entwicklungshilfe und mein Vater ist Journalist. Während meiner Kindheit habe ich in zwei verschiedenen afrikanischen Ländern gelebt. Ich hatte also schon früh diese Begegnungen mit anderen Kulturen, bin gereist und hatte ein engagiertes Elternhaus.
Verfolgen Sie mir ihrer Fotografie ein übergeordnetes Ziel?
Ich möchte Geschichten erzählen. Meistens haben sie einen humanitären Hintergrund und oft sind es auch leise und versteckte Themen, an die ich mich wage, keine Nachrichten-Themen. Besonders interessiert mich die Geschichte der Gypsies. Sie wurden immer unterdrückt und nie anerkannt. Auch die Leiden, die sie durch das Naziregime erfahren mussten, sind nie wirklich öffentlich geworden. Sie wurden auch nie nachträglich entschädigt, sie haben einfach keine Öffentlichkeit. Sie waren sehr offen, als ich mit ihnen sprach. Nicht am Anfang, da waren sie verschlossen, aber je länger wir sprachen, desto offener wurden sie und am Ende hatte ich das Gefühl, als ob sie nur darauf gewartet hätten, endlich sprechen zu können. Endlich loslassen, sich zu befreien von der Last.
Gibt es einen Moment oder eine Begegnung in Ihrer fotografischen Arbeit, der sie besonders berührt hat?
Der Kosovo-Krieg war ein Ereignis, das mich sehr berührte. Ich war zu der Zeit in England und ich überredete ein paar meiner Kollegen, nach Italien zu fahren. Viele Flüchtlinge kamen damals aus Albanien mit den Schiff nach Italien und wir gingen dort hin. Wir waren jung und unerfahren aber wir hatten einfach das Gefühl, dort fotografieren zu müssen. Wir haben die Fotos nie verkauft aber es war ein Anfang und von da an hat mich der Konflikt nicht mehr losgelassen. Wir gingen auch in die Flüchtlingscamps und es gab dort eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Die Camps der Gypsies waren viel primitiver und einfacher als die der Serben. Auch dort konnte man die Benachteiligung der Gypsies sehen, wie in anderen Konflikten vorher auch.
Könnten Sie sich vorstellen, etwas anderes als Fotografie zu machen?
Nein, auf keinen Fall. Ich meine, von der Fotografie zu leben, ist nich einfach. Aber ich versuche, meine Arbeiten zu streuen, in verschiedenen Medien zu veröffentlichen. Das Internet ist sehr wichtig mittlerweile. Es ist eine neue Art, seine Fotos zu zeigen. Abgesehen davon bekommt man durch das Internet ein viel schnelleres Feedback, kann sich austauschen.
Vielen Dank für das Gespräch

www.annakari.com

Dirk Claus
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