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Cannabis - stärker, schmutziger, gefährlicher: Kiffen wird immer krasser

"Früher war das Zeug besser", pflegen ältere Menschen zu warnen. Eine Studie zeigt: Cannabis wird tatsächlich immer stärker und schmutziger. US-Forscher fordern nun bessere Standards.

Von Hristio Boytchev

Cannabis sei in den letzten Jahren immer stärkerk geworden - und schmutziger, warnen Forscher.

Cannabis sei in den letzten Jahren immer stärkerk geworden - und schmutziger, warnen Forscher.

Wenn Andy LaFrate von seinem Job erzählt, muss er sich oft Witze anhören. Dabei wird er gar nicht fürs Kiffen bezahlt. Er arbeitet zwar als Cannabistester, aber das macht er nicht aus Spaß. Der promovierte Chemiker leitet eines von acht Labors in Colorado, die das Rauschmittel untersuchen dürfen. Auch das, was LaFrate in vielen Proben findet, ist nicht zum Lachen.

Ende 2012 #link;http://www.stern.de/politik/ausland/cannabis-legalisierung-in-den-usa-wie-der-staat-millionen-mit-drogen-verdient-2121506.html;legalisierten die US-Bundesstaaten Colorado und Washington den Konsum von Cannabis#. Davon profitiert die Forschung, endlich kann einfach untersucht werden, was da überhaupt geraucht wird. LaFrate analysierte bislang rund 600 Proben, seine Ergebnisse präsentierte er Anfang der Woche auf dem Kongress der American Chemical Society. Die wichtigste Erkenntnis: Der Stoff ist sehr stark geworden. In manchen Sorten machte Tetrahydrocannabinol (THC) fast ein Drittel des Gewichts aus. "Ein überwältigend hoher Anteil", sagt LaFrate. Und riskant. THC verursacht die berauschende Wirkung von Cannabis; es ist der Stoff, dem Kiffer verfallen. Vor 30 Jahren lag sein Anteil gerade mal bei fünf Prozent. Der heutige Wert ist das Ergebnis aggressiver Züchtungskunst, mit der Produzenten einander zu übertrumpfen trachten: Wer die volle Dröhnung bietet, so die marktwirtschaftliche Logik der noch jungen Branche, verdient am besten.

Ein weiteres überraschendes Ergebnis der Studie: Das Cannabidiol (CBD) nimmt drastisch ab. Gerade CBD ist es jedoch, dem medizinisch förderliche Eigenschaften zugeschrieben werden, ein gewichtiges Argument der Hanf-Lobby, die ihrer Lieblingspflanze nur Gutes zutraut. Doch oft konnte LaFrate die Substanz überhaupt nicht im Marihuana finden. Und wenn er doch mehr CBD fand, war auch das THC im gleichen Verhältnis erhöht, die Droge also insgesamt stärker. Dass Cannabisraucher trotzdem manche Sorte als beruhigend und andere als aufputschend beschreiben, ist dem Chemiker ein Rätsel.

"Erschreckend, wie schmutzig das Zeug ist"

Wie sorglos auf den neuen Haschplantagen gearbeitet wird, beweist er ebenfalls. "Es ist erschreckend, wie schmutzig das Zeug ist", sagt er. Er fand Schimmel, Fäkalbakterien und Reste von Lösungsmitteln in der Droge. Daher fordert LaFrate eine Qualitätskontrolle, ein Reinheitsgebot für das Produkt. "Das ist ein junges Gewerbe, das aus Garagen und Kellern erwachsen ist", sagt er. Viele versuchten, besseren Stoff zu produzieren, doch es gibt keine einheitlichen Regeln. "Manche züchten Marihuana allein wegen des Profits, für die Sicherheit der Kunden interessieren sie sich nicht."

Auch in Deutschland ist der Stoff sehr potent geworden. Seit 2006 hat sich der durchschnittliche THC-Gehalt fast verdoppelt, so das Fazit eines europaweiten Drogenberichts aus dem vergangenen Jahr. "Die Menschen wollen eine starke Droge", sagt Eva Hoch, Suchtpsychologin am #link;http://www.zi-mannheim.de/;Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim#. Sie vermutet im hohen Verhältnis von THC zu CBD ein erhöhtes Risiko für die Gesundheit. Die Daten in Deutschland stützen sich auf Beschlagnahmungen der Polizei.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler ist gegen #link;http://www.stern.de/politik/deutschland/cannabis-legalisierung-warum-ein-jugendrichter-dafuer-ist-2155916.html;eine Freigabe#. Sie würde Jugendlichen das falsche Signal senden. Denn die Jungen sind, das ist mittlerweile erwiesen, am stärksten gefährdet. Der Konsum von Marihuana beeinträchtigt die mentale Entwicklung. Die Legalisierung in den USA sieht Mortler deshalb kritisch. "Da erwächst eine Industrie, die nur auf knallhartes Geschäft aus ist", sagt sie. "Und wir sind für sie ein großer Markt."

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