Trotz moderner Navigation und Satellitenkommunikation erleiden jedes Jahr Tausende Menschen Schiffbruch. Der neue "Terra X"-Film "Verschollen" greift dieses Phänomen auf und erzählt mithilfe KI-generierter Inhalte, Experteninterviews und authentischer Archivaufnahmen die Schicksale von drei Männern, die ums Überleben kämpften. Auch die Betroffenen kommen zu Wort. Dabei geht die Dokumentation einer zentralen Frage nach: Wie gelingt es, unter scheinbar ausweglosen Bedingungen sowohl psychisch als auch körperlich standzuhalten?
Zu Beginn begleitet das Kamerateam Sione Filipe Totau aus Tonga zurück an einen prägenden Ort seiner Vergangenheit. In den 1960er-Jahren strandete er gemeinsam mit fünf weiteren Jugendlichen auf der abgelegenen Insel ʻAta im Südpazifik. Eigentlich hatten die Jungen vor, von Tonga nach Fidschi zu segeln – eine Strecke von rund 750 Kilometern, die sie mit einem gestohlenen Boot bewältigen wollten. Doch schon in der ersten Nacht gerieten sie in schwere See, und nach acht Tagen auf dem offenen Ozean fanden sie sich schließlich auf ʻAta wieder. Was auf den ersten Blick wie ein tropisches Paradies wirkt, entpuppte sich ohne Zugang zu Frischwasser schnell als lebensbedrohlich. Sione schildert eindrücklich, wie die "ʻAta-Island-Boys" überlebten, improvisierten und warum Konflikte untereinander kaum eine Rolle spielten.
Eingeschlossen in 30 Metern Tiefe
Eine ebenso außergewöhnliche Geschichte erzählt Harrison Okene. Der ehemalige Koch befand sich 2013 an Bord des Schleppers Jascon 4, als dieser vor der Küste Nigerias sank. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit überlebte er in einer Luftblase in etwa 30 Metern Tiefe – eingeschlossen für 62 Stunden. Sein Glaube wurde in dieser Extremsituation zu einer entscheidenden Stütze, die ihm half, die Hoffnung nicht zu verlieren. Besonders eindrucksvoll sind die originalen Aufnahmen seiner Rettung, die durch die Kamera eines Tauchers dokumentiert wurden und einen seltenen, unmittelbaren Einblick in einen solchen Moment geben.
Für den australischen Einhandsegler Tim Shaddock hingegen ist es nicht der Glaube, sondern die enge Bindung zu seiner Hündin Bella, die ihm Kraft verleiht. Gemeinsam mit ihr wollte er von Mexiko über Französisch-Polynesien nach Australien segeln. Doch auf hoher See wird sein Katamaran bei schwerem Wetter beschädigt, die Navigation fällt aus. Über zwei Monate treibt er manövrierunfähig auf dem Pazifik. In der Dokumentation berichtet er selbst, wie er diese Zeit überstand, wovon er lebte und weshalb Aufgeben für ihn nie infrage kam.
"Terra X: Verschollen" ist ab Mittwoch, 8. April, auch in der Mediathek des ZDF verfügbar.
Terra X: Verschollen – So. 12.04. – ZDF: 19.30 Uhr