"Geldmacherei" Hausärzteverband fordert strengere Regeln für Online-Krankschreibungen

Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband fordert schärfere Regeln für Online-Krankmeldungen kommerzieller Anbieter.
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband fordert schärfere Regeln für Online-Krankmeldungen kommerzieller Anbieter.
© iStock/Stadtratte
Die Hausärztinnen und Hausärzte in Deutschland bemängeln, dass kommerzielle Anbieter gegen Geld auch unbekannte Patienten krankschreiben können. Diese Gesetzeslücke solle geschlossen werden. In der Politik findet die Forderung Unterstützung.

Die Telemedizin macht es möglich: Kommerzielle Anbieter werben mit unkomplizierten Online-Krankschreibungen gegen Bezahlung. Das klappt auch bei Erstkrankschreibungen vollkommen unbekannter Patientinnen und Patienten nach kurzer Videosprechstunde. Herkömmlichen Arztpraxen ist es dagegen nicht erlaubt, fremde Patientinnen und Patienten telefonisch krankzuschreiben. Deshalb fordert der Hausärztinnen- und Hausärzteverband schärfere Regeln für Online-Krankschreibungen, wie die "Rheinische Post" berichtet.

Forderung findet Anklang in der Politik

Gegenüber der "Rheinischen Post" bemängelte Markus Beier, Vorsitzender des Bundesverbands der Hausärztinnen und Hausärzte, dass es den kommerziellen Anbietern "nicht um Versorgung, sondern um Geldmacherei geht". Sie würden "aggressiv mit Online-Krankschreibungen für 20 bis 30 Euro werben". Diesen Anbieter würde es ermöglicht, "schnelles Geld mit Pseudo-Attesten zu machen, während sich Arztpraxen bei telefonischen Krankschreibungen an klare Regel halten müssen.

Unterstützung bekommt die Forderung der Hausärztinnen und Hausärzte aus der Politik. Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagt gegenüber der "Rheinischen Post": "Dass kommerzielle Anbieter, die keinen Bezug zum Patienten haben und nicht praktisch tätig sind, mit Online-Krankschreibungen werben, halte ich für problematisch. Hier gibt es in der Tat leider rechtliche Lücken, die das ermöglichen."

Laut "Rheinischen Post" sieht das der ehemalige bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) ähnlich: "Manche Krankschreibung via App wirkt eher wie eine Eintrittskarte in einen freien Tag, als eine echte medizinische Prüfung." Sowohl der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis als auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Simone Borchardt (CDU) betonten jedoch, dass nichts gegen telefonische Krankschreibungen bekannter Patientinnen und Patienten im Rahmen ärztlicher Verantwortung spricht.

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