All the Sins
Mord, Glaube und verdrängte Geheimnisse: Düsteres aus dem Norden Finnlands

  • von Rupert Sommer
Lauri Räihä (Johannes Holopainen) wird mit seiner Kollegin Sanna Tervo (Maria Sid) in die abgelegene Region geschickt, die stark von strenggläubigen Lutheranern dominiert wird.
Lauri Räihä (Johannes Holopainen) wird mit seiner Kollegin Sanna Tervo (Maria Sid) in die abgelegene Region geschickt, die stark von strenggläubigen Lutheranern dominiert wird.
© ARTE/Hannele Majaniemi
Die spannende Nordic-Noir-Serie führt in die abgelegene Kleinstadt Varjakka im Norden Finnlands – und in eine streng religiöse Gemeinschaft, deren fromme Fassade zunehmend Risse bekommt. ARTE zeigt das sechsteilige Programm-Highlight in zwei Donnerstag-Blöcken.

Ein Ausflug in eine Welt der rigiden Moralvorstellung und brutalen Morde: "All the Sins", eine sechsteilige Serie, die ARTE in zwei Blockprogrammierungen jeweils am Donnerstag zeigt, führt in die abgelegene Kleinstadt Varjakka im Norden Finnlands. Ermittelt wird in einer streng religiösen Gemeinschaft, einer Art protestantischen Sekte. Im Mittelpunkt stehen die Ermittler Sanna Tervo (Maria Sid) und Lauri Räihä (Johannes Holopainen), die aus Helsinki in die Provinz geschickt werden, um eine Mordserie aufzuklären. Zwei Männer wurden dort innerhalb kurzer Zeit brutal getötet. Beide waren einflussreiche Lokalpolitiker und aktive Mitglieder der ultrakonservativen Glaubensgemeinschaft der Laestadianer.

Für Lauri ist der Einsatz mehr als ein gewöhnlicher Fall: Er stammt selbst aus Varjakka und hat die streng religiöse Gemeinde vor zehn Jahren verlassen, weil seine Homosexualität dort nicht akzeptiert wurde. Seitdem hat er seine Heimat gemieden – bis jetzt. Die Rückkehr konfrontiert Lauri nicht nur mit alten Wunden, sondern auch mit einem Milieu, das das öffentliche wie private Leben im Ort bis ins Detail bestimmt. Die Polizisten stoßen auf ein dichtes Geflecht aus Loyalitäten, religiösem Fanatismus und unterdrückten Konflikten.

Bei zwei Todesfällen bleibt es nicht

Parallel zu den Ermittlungen gerät auch Lauris Privatleben aus dem Gleichgewicht. Die Beziehung zu seinem Lebenspartner steht nach Gewaltausbrüchen und einer gescheiterten Paartherapie kurz vor dem Aus. Der innere Druck wächst, während sich die Ereignisse in Varjakka zuspitzen: Ein anonymes Video taucht im Internet auf und attackiert die Glaubensgemeinschaft scharf. Als wenig später ein weiteres Mitglied der Laestadianer verschwindet, wird klar, dass es nicht bei zwei Mordopfern bleiben könnte.

"All the Sins" verbindet klassische Krimispannung mit einem tiefen Blick in eine abgeschottete Gemeinschaft. Die Serie thematisiert religiöse Machtstrukturen, moralische Zwänge und den Preis des Andersseins, ohne einfache Antworten zu liefern. Gedreht wurde in der nordfinnischen Oulu-Region am Bottnischen Meerbusen. Die Glaubensgemeinschaft der Laestadianer ist eine reale Erweckungsbewegung innerhalb des Luthertums, die vor allem in Finnland, aber auch in Schweden und Nordamerika verbreitet ist. Viele ihrer Anhänger leben nach besonders strengen Moralvorstellungen und lehnen unter anderem Verhütungsmittel ab.

ARTE zeigt ab 21.45 Uhr die ersten drei Folgen der ersten "All the Sins"-Staffel direkt im Anschluss aneinander, die restlichen drei Episoden folgen eine Woche später am Donnerstag, 26. Februar, ebenfalls ab 21.45 Uhr.

All the Sins – Do. 19.02. – ARTE: 21.45 Uhr

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