Eigentlich ist nicht viel los in Carricknanaul im hohen Norden Irlands – dort, wo diese irisch-britische Serie spielt und das Meer in hohen Wogen an die Küste schlägt. Der Himmel zeigt sich in tiefsten Grautönen. Ab und zu gibt es mal eine Schlägerei, einen Tanz zur Jukebox im örtlichen Pub oder eine auf der einsamen Landstraße im Übermut angezettelte Autoraserei. Der taffe örtliche Polizist mit dem schönen gälisch-irischen Namen Conall Ó Súilleabháin (Dónall Ó Héalai), hat alles im Griff. Er fühlt sich als Löwe und Alphatier – jedoch nur so lange, bis sich herausstellt, dass seine seit 15 Jahren vermisste Mutter das Opfer eines Mordes wurde und die nunmehr im Moor ("Boglands") aufgefundene Frauenleiche ist.
Der Look der irisch-britischen Krimiserie "Boglands – Die Tote im Moor" ist an grauer Tristesse kaum zu überbieten. Die Regie (Philip Doherty) setzt auf eine intensive Langsamkeit. Im ersten der sechs 50-Minuten-Teile (bei ARTE an zwei Abenden, Fortsetzung am Donnerstag, 15. Januar) dauert es eine ganze Weile, bis die bleiche Hand einer Leiche im Moor zum Vorschein kommt und sich die Handlung entwickeln kann. Wäre da nicht eine zugereiste Journalistin (Hannah Brady), die unter ihrer gelben Pudelmütze für viel geschäftige Neugier sorgt, man könnte weiter gelassen einfach die herbe Landschaft bewundern. So nimmt aber ein nicht ganz ernst zu nehmendes Krimi-Puzzle seinen Lauf, in das viele verwickelt werden. Vom Ex-Fußballtrainer bis zum honorigen Bürger, der unter Missbrauchsverdacht gerät, reichen die Verdächtigen. Und selbst Conall, der Polizist und nun Ermittler auf eigene Faust, wird da nicht ausgespart.
Auf der Insel wurde die irische Serie mit der Polizeiserie "Fargo" der Coen-Brüder verglichen, aber dazu fehlt es an hintergründiger Spannung und durchschlagendem Humor. Die Darsteller sind allerdings durchwegs sehenswert, die fleißig mitwirkende Landschaft sowieso. – Wer Story-Klischees einigermaßen gut schlucken kann, wird beim gefühlig wimmernden Dudelsack-Score gut bedient.
Boglands – Die Tote im Moor – Do. 08.01. – ARTE: 21.40 Uhr