Bombenfund in Schwanitz! Doch nicht nur das sorgt in "Nord bei Nordwest – Blindgänger" am Donnerstagabend im Ersten und vorab in der Mediathek für angespannte Stimmung. Das Drehbuch zum 29. Fall schrieb Mariann Kaiser, Regie führte zum insgesamt dritten Mal Hauptdarsteller Hinnerk Schönemann alias Kommissar Hauke Jacobs. "Blindgänger", so Schönemann, sei eine "Komödie, die mir erlaubte, neben dem norddeutschen trockenen Humor, der 'Nord bei Nordwest' auszeichnet, viel schwarzen Humor einzubauen." Das kann man wohl sagen.
Während Jacobs mit seiner Kollegin Hannah Wagner (Jana Klinge) aus sicherem Abstand die Bombe inspiziert, bahnt sich auf einer Fähre bereits weiteres Unheil an. Zwei Männer nehmen mit finsterem Blick Kurs auf Schwanitz. Andrej Soroka (Max Hopp) und sein Kumpan Budde (Robin Bongarts) suchen Jürgen Thorgard (Pit Bukowski) auf. Während Soroka im Auto wartet, hält Budde Jürgen im Haus eine Waffe an den Kopf. Dann hört man draußen einen Schuss.
Der Entschärfungsexperte Frederik Wagner (Mike Hoffmann) verlangt derweil von Jacobs und Wagner, die in dem Mann sichtlich unerfreut ihren entfremdeten Bruder erkennt, den Ort in einem Radius von einem Kilometer zu evakuieren. Bedeutet im Kaff Schwanitz: Alle Bewohnerinnen und Bewohner müssen aus ihren Häusern.
"Nord bei Nordwest": Mord ohne Opfer?
Bei Mareike Thorgard (Gitta Schweighöfer), Jürgens Mutter, findet Hauke neben einer weggeworfenen Waffe auch Blutspuren. Mord? Aber wer und wo ist das Opfer? Jürgen, der angeblich verschwunden ist? Was die Polizei, anders als die Zuschauer, nicht weiß: Nicht Jürgen wurde erschossen, sondern Budde. Auch Gangster zwei, Soroka, wäre fast drauf gegangen. Warum, das muss man unbedingt gesehen haben, so herrlich slapstickhaft hat Schönemann Max Hopp hier inszeniert. Und der hatte sichtlich Spaß: "Eine Figur wie Soroka ist ein gefundenes Fressen für einen Schauspieler."
Überhaupt ist "Blindgänger" in großen Teilen wie eine absurde Gangsterposse gedreht, unterlegt mit völlig untypischer Musik für die ARD-Reihe, erinnert sie doch mal an Gangster-Epen wie "Es war einmal in Amerika", mal an Heist-Filme wie "Out of Sight" oder "Ocean's Eleven".
Während die Entschärfung des Blindgängers, die Mordermittlungen ohne Leiche und Sorokas Jagd nach Jürgen Thorgard voranschreiten, befindet sich Tierärztin Jule Christiansen (Marleen Lohse) auf der Suche nach einer jungen Frau, die zuvor mit einem kleinen Hund in ihrer Praxis war und danach verschwand.
Hauke Jacobs bleibt der Hahn im Korb
Dazwischen erfahren Jacobs, Christiansen und die Zuschauenden ungewohnt Persönliches über Hannah Wagner. Die sonst so verschlossene Polizistin ist durch das Wiedersehen mit ihrem Bruder sichtlich aufgewühlt und öffnet erstmals ihre Gefühlswelt. Die wachsende Freundschaft zwischen den beiden Frauen – und Rivalinnen um den Hahn im Korb – wird mehr und mehr zu einem weiteren liebenswerten Bestandteil der Reihe.
Apropos Hauke Jacobs: Wer den letzten Film, "Pechmarie", gesehen hat, wird sich fragen, wie es mit Hauke und Jule nach ihrem "Dienstkuss" und Übergang vom "Sie" zum "Du" weitergeht. Nun, was soll man sagen: Der Polizist kann eben nicht aus seiner ungeschickten Haut...
Lob dagegen gebührt seinem Darsteller Hinnerk Schönemann, vor allem auch als Regisseur des neuen "Nord bei Nordwest"-Films. Und auch er zeigt sich mehr als zufrieden: "Mit dem Schritt, nicht nur vor der Kamera zu agieren, sondern auch Regie führen zu dürfen, habe ich meine Erfüllung gefunden."
"Nord bei Nordwest – Blindgänger", Donnerstag, 5. Februar um 20.15 Uhr im Ersten