Es ist schon ein Glück, dass fünf Flensburger Jungs, die in den 90-ern eine Band hatten, verrückt nach Videofilmerei waren. Denn so haben sie ihre Geschichte von innen betrachtet und ausführlich dokumentiert der Nachwelt hinterlassen. Kim Frank, damals Sänger der Band und mittlerweile Grimme-Preis nominierter Regisseur, hat aus Tonnen von Bewegtbild den etwa dreistündigen Dokumentarfilm "Echt – Unsere Jugend" zusammengeschnitten. Der BR zeigt den Dreiteiler nun in linearer Ausstrahlung.
Echt war nicht irgendeine Band. Im jugendlichen, ja minderjährigen Alter schaffte man es 1999 mit "Freischwimmer" auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Gleichzeitig war die Band aber auch so "gewöhnlich" im Sinne von natürlich, dass die Langzeitbeobachtung aus erster Hand heute wie ein Zeitporträt wirkt.
Es ist die Geschichte eines Erwachsenwerdens im Rampenlicht. Daueranfragen des Bravo-Magazins oder des Musiksenders VIVA, die kreischenden Fans vor Hotels – das erlebt natürlich nicht jeder Jugendliche aus der Provinz. Echt begannen ihre Karriere als Schulband. Ab dem 14. Lebensjahr von Sänger Kim Frank wurde man professionell gemanagt. Songs wie "Weinst du", "Du trägst keine Liebe in dir" oder "Junimond" als Titelsong des Films "Crazy" schrieben erst mal andere.
Später wollte man sich mit dem dritten Album "Recorder" (2001) als erwachsene Band mit eigener Handschrift etablieren, doch da war die Band trotz guter Kritiken fürs neue Album schon von innen und außen betrachtet auf dem absteigenden Ast. Für die Dokumentation "Echt – Unsere Jugend" bringt Kim Frank nicht nur fürs Finale des Films die alten Bandmitglieder wieder zusammen, die sich zum Teil jahrzehntelang nicht mehr gesehen haben. Er erzählt auch in einfachen, aber fast schmerzhaft offenen Worten eine Coming-of-Age-Geschichte inklusive ersten großen Lieben, Drogenrausch, gelebter und zerbrechender Freundschaft, Euphorie, Scham und Depression.
"Wir dachten, es würde ewig so weiter gehen"
Während die jungen VIVA-Gesichter von damals heute fast alle Karriere gemacht haben, ist die Band Echt, das Teenie-Massenphänomen von einst, weitgehend ins bürgerliche Glied zurückgekehrt. Drei Mitglieder haben nicht mal einen Wikipedia-Eintrag, sie gehen bürgerlichen Berufen nach. Sänger Kim Frank ist Filmemacher geworden. Der ehemalige Schlagzeuger und Texter Florian Sump lernte zunächst Erzieher und gründete später die erfolgreiche Kinder-HipHop-Band Deine Freunde. Einer der meistgehörten Sätze in beiden Dokus aus dem Mund der älter gewordenen Protagonisten lautet: "Wir dachten, es würde ewig so weitergehen." Doch wie fast immer im Leben traf diese Prophezeiung dann doch nicht ein. Umso schöner ist es, wenn eine so gut gemachte, ja sensible Doku-Serie an die aufregenden 90-er erinnert.
Echt – Unsere Jugend – Mi. 25.02. – BR: 22.45 Uhr