Die Smartphones sind immer dabei – und mit ihnen meist auch unzählige Apps. Dass diese Anwendungen Standortdaten erfassen, ist bekannt. Weniger präsent ist jedoch, was anschließend mit diesen Informationen geschieht. Die "ARD Story: Gefährliche Apps – Im Netz der Datenhändler" geht genau dieser Frage nach und zeichnet ein beunruhigendes Bild eines globalen Geschäfts mit sensiblen Bewegungsprofilen. Der Beitrag von Katharina Brunner, Rebecca Ciesielski, Florian Heinhold und Maximilian Zierer zeigt, wie vermeintlich anonyme Standortdaten in einem kaum durchschaubaren Netzwerk aus Datenhändlern und Werbefirmen landen.
Was technisch als Datensatz erscheint, erlaubt in der Praxis oft präzise Rückschlüsse auf Wohnorte, Arbeitsplätze und persönliche Gewohnheiten. Selbst sensible Aufenthaltsorte wie Bordelle oder psychiatrische Kliniken lassen sich aus den Daten rekonstruieren. Die Dokumentation macht damit deutlich, wie leicht Smartphone-Nutzer ins Visier geraten können, sei es durch Stalker, Kriminelle oder ausländische Geheimdienste. Harmlos wirkende Apps entwickeln sich so zu potenziellen Sicherheitsrisiken. Das gilt nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für staatliche Institutionen. Regierungen und sogar Soldaten im Krieg können durch die Auswertung von Standortdaten verwundbar werden.
Standortdaten bringen Soldaten in Gefahr
Grundlage des Films ist eine der bislang umfangreichsten Recherchen zu diesem Thema. Ein internationales Team aus Bayerischem Rundfunk, Netzpolitik.org, Le Monde und weiteren Partnern hat rund zehn Milliarden Standortdaten analysiert. Die Spurensuche führt quer über den Globus – und zeigt, wie weitreichend die Folgen des Datenhandels sind.
In Berlin stößt das Rechercheteam auf eine ägyptische Exiljournalistin, die bedroht wird. In Brüssel sind hochrangige Mitarbeiter der EU-Kommission betroffen. In Washington schlagen Politiker Alarm, weil sie ein Sicherheitsrisiko für US-Agenten in Europa erkennen. Und selbst an der Front in der Ukraine werden Soldaten mit der Realität der Datensätze konfrontiert: Sie entdecken darin ihre eigenen Stellungen wieder.
Die Recherche endet schließlich in den USA. In Florida treffen die Journalisten auf einen Händler, der Standortdaten deutscher und französischer Smartphone-Nutzer verkauft hat. Der Film zeigt damit exemplarisch, wie ein milliardenschweres Geschäft mit sensiblen Informationen funktioniert und welche Lücken es trotz strenger Datenschutzregeln in der Europäischen Union gibt.
ARD Story: Gefährliche Apps – Im Netz der Datenhändler – Di. 07.04. – ARD: 22.50 Uhr