Zehn Millionen Kubikmeter Eis, Gestein und Schlamm fuhren am 28. Mai 2025 in Blatten im Schweizer Kanton Wallis zu Tal und begruben 130 Häuser samt Kirche unter sich. Dass keine Menschen ums Leben kamen, wirkt wie ein Wunder – Wissenschaftler hatten den Bergsturz vorhergesagt und so für eine Evakuierung gesorgt. Pierre-Olivier François und Judith Rueff (SRF / ARTE F) nahmen die Katastrophe zum Anlass, das Schwinden der Gletscher weltweit sowie die damit verbundenen Gefahren zu dokumentieren.
Meeresspiegel steigen und überfluten Land. Durch das Verschwinden der Gletscher wird es weltweit zwei Milliarden Menschen an Süßwasser fehlen – mit allen Auswirkungen auf Landwirtschaft, Industrie und Energieerzeugung.
Bergstürze, ausgelöst von schmelzenden Gletschern, häufen sich, wie zuletzt auch an der Marmolada in Südtirol oder am Montblanc. "Die Menschen meiner Generation sind in einer anderen Umgebung aufgewachsen", sagt ein Einheimischer in einem hochalpinen Tal. Er steht vor kahlen Felsen, dort wo es bis vor kurzem noch "ewiges Eis" gab, "wie im Himalaya".
Doch wie ewig ist das ewige Eis? Die Gletscher werden immer dünner – nicht nur in Europa, auch in Afrika, im Himalaya, in den Anden, in Alaska, Grönland und der Arktis. Sollte das Ruder nicht in letzter Sekunde herumzuwerfen sein, sprich die Erderwärmung durch CO2-Ausstoß zu stoppen sein, bleibt den weltweit emsigen Gletscherforschern (Glaziologen) nur die exakte Messung des Rückgangs und die Warnung vor den daraus resultierenden Folgen. Mittels Drohnen- oder Satellitenbildern warnen sie vor Bergstürzen und der plötzlichen Entleerung teils unterirdischer Gletscherseen, die wie ein Tsunami aus den Bergen wirken.
Dass Uno und Unesco angesichts der akuten Bedrohung der Eiszonen eine "Aktionsdekade der Kryosphärenwissenschaften" (2025-2034) ausgerufen haben, kommt dem bildgewaltigen Film einerseits entgegen, weil er so Politik und Wissenschaft in der Erkenntnis schwindender Eiszonen zusammenführt. Andererseits bringt das allerdings auch Wiederholungen mit sich. Dass der französische Präsident Macron das Wort "Kryosphäre" (Frostsphäre der Erde) neuerdings in den Mund nimmt (worüber sich eine Forscherin über die Maßen freut), muss leider nicht bedeuten, dass ab sofort die Gletscher dieser Welt gerettet werden.
Im Anschluss an den Film warnt der Film "Hotspot Arktis" (21.45 Uhr) des Griechen Yorgos Avgeropoulos davor, dass durch Bohrungen auf beiden Seiten der Beringstraße (Alaska, Sibirien) Treibhausgase freigesetzt werden. Energiegewinnung scheint den Umweltschutz zu verdrängen. "Gestrandet im ewigen Eis" (23.10 Uhr, ARTE F) ist ein archäologischer Thriller auf den Spuren der legendären Andrée-Expedition zum Norpol von 1897. Erst 1930 wurden Tagebücher und Schwarzweiß-Aufnahmen der dreiköpfigen verschollenen Expedition entdeckt.
Gletscher – Schmelzende Riesen – Di. 03.03. – ARTE: 20.15 Uhr