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SUCHT: Krankhafte Zocker spekulieren immer weiter

Auch bei unruhige Zeiten an den Börsen lassen krankhafte Spieler nicht vom Dauertraden. Was bleibt sind hohe Schulden und manchmal ein Amoklauf.

Krankhafte Börsenspekulanten lassen sich nach Ansicht des Psychotherapeuten Prof. Iver Hand trotz der unruhigen Lage an den Finanzmärkten nicht vom Zocken abbringen. »Gerade in solch ungewissen Zeiten melden sich viele Börsen-Gurus mit teilweise unverantwortlichen Spekulationen zu Wort.«

Jede positive Meldung ist ein Rückfall

'Süchtige' Zocker lauern geradezu auf jede positive Äußerung, um die schmerzlichen Verluste schnellstmöglich wieder ausgleichen zu können», sagte der Leiter des Bereiches Verhaltenstherapie am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). «Die Betroffenen blenden dann jedes Risiko weiterer Verluste aus.»

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Während psychisch stabile Spekulanten nach einer größeren Pleite ihre Finger vom Geschäft lassen, sind labilere Menschen in solchen Situationen hochgradig gefährdet, meinte Hand, der sich seit mehr als 20 Jahren mit Glücksspielern befasst. »Solche Menschen sagen sich: «Ich habe jetzt so viel Geld verloren, jetzt muss ich erst recht am Ball bleiben.» Für die Betroffenen ist der Gewinn unerlässlich für das Selbstwertgefühl. «Den Gedanken, Verlierer zu sein, können sie nicht ertragen und steigern sich immer weiter hinein.» Das ursprüngliche Glücksgefühl, wie es der «normale» Spieler bei einem Gewinn erlebt, ist ihnen völlig fremd. «Diese Menschen unterliegen nur noch ihrem Zwang.» Das gleiche Risiko besteht für Menschen, die hohe Schulden durch rasche Börsengewinne ausgleichen wollen.

Besonders anfällig für dieses Zocker-Verhalten sind nach Hands Erkenntnis junge Erwachsene: »Sie wirken nach außen hin wie clevere, elegante Erfolgsmenschen, haben aber tief im Inneren hohe Selbstwertprobleme.« Wenn solche Menschen feststellten, dass der erträumte Luxus nicht mit normaler Arbeit zu erreichen ist, versuchten sie eben, in den Glücksspielbereichen der Börse das »große Geld« zu machen. Hand: »Manche Leute sehen ihr Lebensziel schon als gescheitert an, wenn sie mit 30 Jahren noch nicht Multimillionär sind.«

Dass es viele krankhafte Zocker ganz hart getroffen hat, ist in Wirtschaftskreisen bekannt, meinte Hand. »Was dann passiert, wissen wir nicht.« Nur wenige Verzweifelte suchten therapeutische Hilfe. »Hinzu kommt, dass wahrscheinlich nicht jeder Therapeut auf diese Problematik eingestellt ist und nicht über die nötige Glücksspiel- und Börsenkenntnis verfügt.« Dramatischste Beispiele ruinierter Zocker, die in der Öffentlichkeit bekannt wurden, sind der Börsianer Nick Leeson, der die britische Barings Bank ins Trudeln gebracht hatte, und der Amerikaner Mark Barton, der zum Amokläufer wurde.

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