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Neues Laden-Konzept: So schick sehen bald alle Aldi-Filialen aus

...zumindest die von Aldi Süd. Der Konzern will seine 1860 deutschen Filialen bis 2019 gehörig aufmotzen. Wie das aussieht, zeigt eine Vorzeigefiliale in Unterhaching. Aber geht das noch mit dem Billig-Image zusammen?

Aldi der Zukunft

Aldi wagt den Spagat zwischen Billig-Preisen und Edel-Optik: Das Weinregal sieht künftig deutlich hübscher aus. Konkurrent Lidl hat seine Weinabteilung bereits vor geraumer Zeit erheblich aufgewertet.

Nein, es dudelt auch in Zukunft nicht bei Aldi Süd aus den Lautsprechern. Der Discounter hat zwar die Beschallung mit Hintergrundmusik getestet. Doch bei der Präsentation der Filiale der Zukunft in Unterhaching ist alles ruhig. Eine "gute, entspannte Atmosphäre" wolle das Unternehmen bieten, da habe die Musik dann doch gestört, sagt Lars Linscheid, Geschäftsführer bei Aldi Ebersberg und verantwortlich für den neuen Laden.

Zwei Jahre arbeitete die größere der beiden Aldi-Gruppen an dem neuen Ladenkonzept. Verschiedene Elemente seien in verschiedenen Läden getestet worden. Nun an diesem Mittwoch präsentierte das Unternehmen, wie es in Zukunft in immer mehr Filialen und schließlich im Jahr 2019 in allen gut 1860 Filialen in Süd- und Westdeutschland aussehen soll. Eine Sprecherin von Aldi Süd betont, dass dies ein Projekt von Aldi Süd sei - ob Aldi Nord seinen Filialen auch eine Frischekur verpassen will, wisse sie nicht.

Aldi macht auf wertig und schick

Beim Betreten des Ladens der Zukunft fällt auf, dass alles wertiger und schicker aussieht. Ein Holzdesign gibt Wärme, Licht hat mehr Stellenwert, die Bodenplatten wirken ebenfalls freundlicher. Los geht der Einkauf auch wie bisher mit Kaffee. Aber statt wie sonst auf Paletten und in Großkartons sind die Waren in die Regale eingeordnet.

"Frühstückszone" nennt Aldi Süd diesen ersten Einkaufsbereich, zu dem auch nach wie vor der zwischenzeitlich als Auslaufmodell beschriebene Backautomat zählt. Neu gibt es einen offenen Kühlschrank mit Snacks, gekühlten einzelnen Limo-Flaschen und - gekühltem Dosenbier. Was auch immer das im Frühstücksbereich zu suchen hat.

Kaffeeautomat im Eingangsbereich

Jeannette Thull, Geschäftsführerin für den Zentraleinkauf, glaubt, dass das Unternehmen mit der Gestaltung der Läden die Wünsche der Kunden bedient habe. Die Modernisierung sei keine Reaktion auf Kundenkritik, das Unternehmen beobachte einfach, was seine Kunden wünsche. "Ich glaube, dass wir ein gesundes Selbstvertrauen haben." Dass es nun zu schick aussehen könnte und Extras wie die Kaffeeautomaten im Eingangsbereich die Unterscheidung zu den Vollsortiment-Supermärkten wie Rewe, Edeka und Tengelmann verwische, glaube sie nicht.

Besonders wichtig ist den Aldi-Süd-Machern die leicht veränderte Struktur des Einkaufsablaufs. Die großen Getränkepackungen mit den Wassergebinden von sechs mal 1,5 Litern sind weiter nach vorne gerutscht, damit diese im Einkaufswagen von Anfang an unten stehen und nicht umgepackt werden müssen. Für manche Produkte müssen sich eher klein gewachsene Kunden in Zukunft aber kräftig strecken. Statt auf zwei Lagen stehen die Produkte jetzt in den neuen Regalen auf drei Lagen übereinander - damit ist es höher geworden.

Mehr loses Obst und Gemüse

Vor allem der bisher im Kassenbereich untergebrachte neue Obst- und Gemüsebereich ist der ganze Stolz des Unternehmens. Dieser ist nun hinten im Laden. Die Liebe der Deutschen zu Kochsendungen habe das Gefühl geweckt, hier eine entspanntere Einkaufsmöglichkeit schaffen zu wollen, sagt Linscheid. Außerdem will Aldi in Zukunft je nach Saison acht bis elf verschiedene Obst- und Gemüsesorten als lose Ware an Stelle der Packungen anbieten.

Mit dem losen Obst und Gemüse reagiere das Unternehmen auf die wachsende Zahl an Single-Haushalten. Und Linscheid kündigt an, dass Aldi Süd auch auf die älter werdende Gesellschaft reagiere und deshalb Sitzgelegenheiten im Ausgangsbereich geschaffen habe.

Ältere Menschen, die beim nächsten Einkauf danach suchen, sollten allerdings nicht ihre Brille vergessen haben. Das Mini-Sitzbänkchen hinter den Kassen bietet Platz für zwei, vielleicht drei vom neuen Einkaufserlebnis ermüdete Kunden.

bak / AFP
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