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Buchkritik zu "Inside Aldi & Co": Gestreckter Stoff

Gut ein Jahr nach dem Bestseller "Einfach Billig" legt Andreas Straub eine neue Aldi-Abrechnung vor. Doch viel enthüllt er nicht - selbst wenn dieses Mal auch Netto und Edeka ihr Fett weg bekommen.

Von Alexander Sturm

Andreas Straub ist so etwas wie der personifizierte Image-Albtraum von Aldi: Als er im Mai 2012 seine eigenen Erlebnisse als junger Manager bei dem Lebensmitteldiscounter niederschrieb, gelang ihm eine Breitseite gegen die Institution Aldi. Das Enthüllungsbuch "Einfach Billig" über die rauen Methoden der Supermarktkette löste eine Welle der Empörung aus und katapultierte den Jungautor in Dutzende Talkshows. Quer durch die Republik rissen sich die Medien um Straub und seine Vorwürfe gegen Aldi: Bespitzelung der eigenen Mitarbeiter, Mobbing, Schikanen, skrupellose Entlassungen, Lohndrückerei.

Ziemlich genau ein Jahr später, pünktlich zum 100-jährigen Firmenjubiläum, folgte dann mit "Inside Aldi" ein neuen Angriff. Und nun bringt Straub dazu noch eine erweiterte Neuauflage auf den Markt: In "Inside Aldi & Co" bekommen neben Aldi auch andere Einzelhändler wie Edeka, Netto, Fristo und Fressnapf ihr Fett weg. Nach "Einfach Billig" hätten ihn "Hunderte von Insider-Berichten weit über den Discounter hinaus" erreicht, denen der Autor gründlich nachgehe, so verspricht es der Klappentext.

Lose Geschichten statt systematische Abhandlung

Doch im Vergleich zum 340-Seiten-Wälzer "Einfach Billig" fallen die versprochenen Enthüllungen dieses Mal recht dünn aus. Viel ist nicht neu in dem schmalen 140-Seiten-Büchlein: Da werden erst reihenweise Leserzuschriften abgedruckt, ausführlich die Medienreaktionen auf "Einfach Billig" zitiert und Aldis interne Maßnahmen auf den Imageschaden beschrieben. Und auch danach, nach immerhin 30 Seiten Rückschau, halten sich die "vielsagenden Blicke in das Innenleben" in Grenzen. Denn auch in den folgenden Kapiteln wirft Straub gerne einen Blick auf bereits abgehandelte Missstände oder führt die Enthüllungen namhafter Medien auf, als wolle er seine eigenen Thesen bestätigen. Selbst im Teil über die anderen Einzelhändler verweist der Autor gerne auf Medienberichte oder öffentliche Quellen wie Gewerkschaftsstudien.

All das ändert natürlich nichts an den üblen Sitten im Lebensmittelhandel. Was Straub über das System Aldi schreibt, ist harter Tobak: Etwa der ungeheure Druck auf Angestellte und mittlere Manager, die zu zahllosen unbezahlten Überstunden getrieben würden und selbst bei kleinsten Fehlern Abmahnungen kassierten, verdiente Mitarbeiter, die zu Gunsten billigerer Nachwuchskräfte gehen müssten, dazu Geschichten von systematischem Mobbing unliebsamer Mitarbeiter. Und auch dieses Mal kann Straub mit unfassbaren Berichten von ehemaligen Aldi-Angestellten über Schikanen aufwarten - wie die Geschichte von Aldi-Azubis, die zur Demütigung vor ihren Kollegen mit Frischhaltefolie an einen Pfosten gefesselt wurden. Nur ist das im Gegensatz zu "Einfach Billig" eher eine lose Ansammlung von Geschichten und keine systematische Abhandlung - schon gar nicht über die gesamte Discounter-Branche.


Zu viel ist schon bekannt

Ein wenig bemüht wirkt auch der Versuch, das Buch mit dem Siegel des Insiderberichts anzupreisen - vieles ist schlicht bekannt, sei es aus Straubs erstem Buch, sei es aus den zahlreichen Medienberichten über die Discounter-Skandale der vergangenen Jahre. So drängt sich unweigerlich der Verdacht auf, dass Autor und Verlag den Erfolg des ersten Buches noch ein wenig verlängern wollten. Und da der Fall Aldi nur ein Jahr nach dem Erscheinen von "Einfach billig" offensichtlich nicht genug hergab, mussten eben noch ein paar Berichte über Netto, Rewe und Edeka her. Zu einem Werk von ähnlicher Schlagkraft hat das nicht gereicht.

"Inside Aldi & Co" (144 Seiten, 7,99 Euro) von Andreas Straub ist am 1. Oktober bei Rowohlt erschienen.

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  • Alexander Sturm