HOME

Korruption bei Siemens: Staatsanwälte nehmen Kleinfeld ins Visier

In der Schmiergeldaffäre ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt auch gegen den früheren Siemens-Boss Klaus Kleinfeld wegen des Verdachts auf Verletzung der Aufsichtspflicht. Gegen bis zu zehn ehemalige Topmanager sollen entsprechende Verfahren eingeleitet worden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Kleinfeld, der in der vergangenen Woche an die Spitze des weltweit drittgrößten Aluminiumproduzenten Alcoa berufen worden war, würde damit wie auch seinem Vorgänger Heinrich von Pierer eine Geldbuße von bis zu einer Million Euro drohen. Bislang hatte die Staatsanwaltschaft lediglich bestätigt, gegen Pierer wegen des Verdachts auf Verletzung der Aufsichtspflichten nach dem Ordnungswidrigkeiten-Gesetz zu ermitteln. Oberstaatsanwalt Anton Winkler wollte den Bericht auf Anfrage der Zeitung nicht kommentieren.

Kleinfeld war im Juli 2007 im Zuge der Schmiergeld-Affäre als Siemens-Chef zurückgetreten, obwohl sich keinerlei Hinweise auf eine Verwicklung in die Vorfälle ergeben hatten. Anwälte der amerikanischen Kanzlei Debevoise&Plimpton hatten vorher nach Angaben von Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme davor gewarnt, Kleinfelds Vertrag frühzeitig zu verlängern. Man könne nicht wissen, was in der Korruptionsaffäre noch hochkomme.

Kleinfeld war freiwillig zurückgetreten

Das hatte Kleinfeld als Affront gegen seine Person aufgefasst und war daraufhin zurückgetreten. Weder Debevoise noch die Staatsanwaltschaft haben bislang Hinweise darauf gefunden, dass Kleinfeld persönlich in den Korruptionsfall verstrickt sei. Noch vor kurzem haben die US-Anwälte, die im Auftrag von Siemens ermitteln, Aufsichtsräte darüber informiert, dass sie nichts Belastendes gegen Kleinfeld entdeckt hätten. Debevoise hatte mit Einwilligung Kleinfelds sogar dessen gesamte E-Mail-Korrespondenz gesichtet, ohne Hinweise auf eine persönliche Verstrickung des Ex-Konzernchefs in die Affäre zu finden.

Die Staatsanwaltschaft wirft Kleinfeld vor, nicht "alle durchführbaren und zumutbaren organisatorischen Maßnahmen" ergriffen zu haben, die zur Verhinderung von Straftaten notwendig und erforderlich gewesen wären. " Der Zentralvorstand war als Organ verantwortlich", heißt es in Kreisen von Münchner Anwälten, die mit dem Siemens-Verfahren befasst sind. Wenn Anhaltspunkte vorlägen, dass der Zentralvorstand über heikle Vorgänge unterrichtet gewesen sei, dann beträfe das vermutlich fast alle ehemaligen Mitglieder des Führungsgremiums. Der inzwischen abgeschaffte Zentralvorstand war der innere Zirkel der Macht bei Siemens.

tis