Medien Wende im EM.TV-Prozess


Im Prozess gegen die EM.TV-Gründer Thomas und Florian Haffa ist eine Gefängnisstrafe wegen Kursbetrugs durch ein neues Gutachten unwahrscheinlich geworden.

«Es sieht im Moment nicht danach aus, dass ein Tatnachweis in diesem Punkt geführt werden kann», sagte Staatsanwalt Peter Noll am Montag im Münchner Landgericht. Damit ist die Anklage in ihrem zentralen Punkt ins Wanken geraten. Möglicherweise werden die einstigen Börsenstars nun maximal zu einer Geldbuße verurteilt.

Der Wirtschaftsprofessor

Bernd Rudolph hatte zuvor in dem Prozess ausgesagt, dass kein direkter Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung einer Pflichtmitteilung des Medienunternehmens EM.TV im August 2000 und der Reaktion des Aktienkurses nachweisbar sei. «Ich kann nicht ausschließen, dass die Kursreaktion ein reines Zufallsereignis ist», sagte Rudolph. Eine Gefängnisstrafe wegen Kursbetruges kommt nur in Frage, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Haffa-Brüder den Aktienkurs absichtlich und mit Erfolg manipuliert haben.

Die Haffa-Rechtsanwälte

zeigten sich äußert zufrieden mit der Wende in dem Prozess. «Damit ist der Vorwurf des Kursbetrugs vom Tisch», sagte der Haffa-Verteidiger Rainer Hamm. Maximal komme jetzt noch eine Ordnungswidrigkeit in Frage. Für diese drohe den Haffa-Brüdern nur eine Geldbuße.

Richterin Huberta Knöringer kündigte an, sie wolle den Prozess noch im Februar beenden. Zwischenzeitlich drohte das Verfahren sogar zu platzen, da das Gericht einen Gutachter wegen Befangenheit abgelehnt hatte. Ohne einen Ersatzgutachter hätte der Prozess ausgesetzt und neu aufgerollt werden müssen. Am Montag erteilte das Gericht dem Münchner Betriebswirtschaftsprofessor Wolfgang Ballwieser den Auftrag für das Gutachten. Er muss sich mit der Frage beschäftigen, ob die Haffa-Brüder den Umsatz für das erste Halbjahr zu hoch angegeben haben. Sein Gutachten wird er 6. Februar vor Gericht vortragen.

Die Haffa-Brüder

müssen sich seit Anfang November wegen des Verdachts des Kursbetruges vor dem Landgericht München verantworten. Sie sollen den Kurs der am Neuen Markt notierten Aktie durch haltlose Gewinnversprechen und eine falsche Pflichtmitteilung in die Höhe getrieben haben. Der Prozess gilt nach der Serie der Skandale am Neuem Markt als Musterverfahren und wird von zahlreichen gebeutelten Aktionären und auch von Aktionärsschützern mit großer Spannung verfolgt.


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