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SICHERHEIT: Chemiebranche verschärft Sicherheit

Nach neuesten Erkenntnissen sind deutsche Industrieanlagen kein »primäres Ziel« möglicher Anschläge, trotzdem wurden die Sicherheitsvorkehrungen angepasst.

Nicht nur seit den Anschlägen mit Milzbrand-Bakterien in den USA ist es ein elementares Anliegen der chemischen Industrie größtmögliche Sicherheit zu schaffen. Natürlich verfolgt die Chemiebranche diese rigide Sicherheitspolitik nicht ganz selbstlos - denn dadurch soll auch eine eventuelle Industrie- und Werksspionage unterbunden werden. Trotzdem wird das Thema Sicherheit jetzt noch größer geschrieben und umfasst folgende Teilaspekte: Sicherheit der Produktionsanlagen und Lagereinrichtungen, Schutz der Mitarbeiter, gefahrloser Transport der Produkte, sicherer Umgang der Kunden und Endverbraucher mit Chemikalien.

Ständige Verbesserungen

Laut Manfred Ritz, dem Sprecher des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), wird die Sicherheit der Anlagen in der chemischen Industrie ständig weiter optimiert. Dies betrifft neben der reinen Anlagentechnik - wie Planung, Montage und Wartung - auch die Sicherheitsmaßnahmen und Verhaltensvorschriften für die Beschäftigten im Betrieb. Aber auch die Nachbarn im Umfeld der Werke und mögliche Auswirkungen auf die Umwelt werden bei den getroffenen Vorkehrungen berücksichtigt. Die über 1.500 im Verband zusammengeschlossenen Unternehmen arbeiten darüber hinaus bundesweit mit den örtlichen Behörden in den Bereichen Notfall- und Katastrophenschutz eng zusammen. »Alle Betriebe habe ausgearbeitete Notfallpläne für etwaige Sicherheitsprobleme der Anlagen«, so Ritz. »In vielen Unternehmen gibt es regelmäßige Notfallübungen«.

Gemeinsame Maßnehmen gegen Terroranschläge

Unmittelbar nach den Terror-Anschlägen in den USA am 11. September haben die Unternehmen interne Sicherheitskreise zusammengerufen und zusätzliche Abwehrmaßnahmen gegenüber terroristischen Anschlägen erörtert. Bereits in der letzten Septemberwoche gab es Treffen von Wirtschaftsminister Werner Müller, Innenminister Otto Schilly, dem VCI und anderen Wirtschaftsverbänden um die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen zu besprechen. Über die bereits vorhandenen Vorkehrungen zum Schutz gegen unbefugte Eingriffe hinaus wurden weitere Maßnahmen ergriffen, um eine höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Aus verständlichen Gründen war nur ein Teil dieser Maßnahmen zu erfahren.

Aktuell getroffene Maßnahmen

- Die Wachsamkeit wurde verstärkt; dies betrifft die Bereiche innerhalb und außerhalb der Anlagen. Die Unternehmen arbeiten dazu eng mit den örtlichen Polizeidienststellen zusammen.

- Die Zugangskontrollen zu den Produktionsstandorten wurden weiter verschärft. Dies bedeutet strengere Personenkontrollen an den Eingängen, schärfere Überprüfung bei Produkt- und Materiallieferungen sowie die Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Werkfremden.

- Verstärkte Überprüfung und Überwachung von Fremdmitarbeitern unter Einbeziehung der Fremdfirmen.

- Intensive Kommunikation mit den örtlichen Behörden aus dem Bereich des Katastrophen- und Notfallschutzes. Dazu gehört beispielsweise auch die Anpassung und Erweiterung von Notfallplänen.

- Sensibilisierung der Beschäftigten in den Unternehmen dafür, auffällige Aktivitäten sowohl innerhalb als auch außerhalb des Anlagenbereiches zu melden.

- Um die getroffenen Maßnahmen zu kommunizieren und um weitere Schritte zu prüfen, hat der Verband der Chemischen Industrie (VCI) Gespräche mit Bundesbehörden und -ministerien geführt.

- Neben den Beschäftigten in den Unternehmen selbst sollen - als präventive Maßnahme - auch die Anwohner der Werke für auffällige Aktivitäten sensibilisiert werden, um so ein Umfeld erhöhter Aufmerksamkeit zu schaffen.

Zugang zum Sicherheitsbericht einschränken

Darüber hinaus muss die Möglichkeit der Informationsbeschaffung für potenzielle Attentäter soweit wie möglich verhindert werden. Genau deshalb fordert der VCI eine neue Bewertung gesetzlicher Vorgaben um möglichst wenig sicherheitsrelevante Informationen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Klartext: Der Zugang zu detaillierten Unterlagen soll deutlich reduziert werden. Dies gilt vor allem für den Sicherheitsbericht nach der Störfallverordnung. Das Gesetz sieht bereits vor, dass bei Gefährdung der öffentlichen Sicherheit entsprechende Unterlagen nicht für die Öffentlichkeit bereit gehalten werden müssen - diesen Tatbestand sieht der VCI jetzt als gegeben. Besonders wichtig: Eine Einschränkung in dieser Hinsicht würde das Risiko verringern, dass sensible Betriebsbereiche ohne weiteres lokalisiert und analysiert werden können.

Trotz aller unternommenen Anstrengungen gilt aber auch hier: Eine absolute Absicherung von Chemieanlagen gegen terroristische Anschläge ist nicht möglich.

Karin Spitra

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