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Siemens-Korruptionsaffäre: Verhafteter ist AUB-Bundesvorsitzender

Bei der jüngsten Razzia im Siemens-Schmiergeldskandal wurde Medienberichten zufolge Wilhelm S. verhaftet, Bundesvorsitzender der Splittergewerkschaft AUB. An die Firma von S. soll Siemens 14 Millionen Euro bezahlt haben - ohne eine Gegenleistung zu erhalben.

Im Zusammenhang mit dubiosen Geldzahlungen des Siemens-Konzerns hat die Nürnberger Staatsanwaltschaft den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) verhaftet. Das bestätigten Justizkreise am Freitag. Wilhelm S., der auch als Unternehmensberater tätig ist, soll bereits am Mittwoch festgenommen worden sein. Offiziell wird gegen ihn wegen des Verdachts auf Steuerstraftaten ermitteln.

Keine Gegenleistungen feststellbar

Eine Sprecherin der Nürnberger AUB-Zentrale betonte, dass sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft allein gegen S. als Unternehmer richteten und nicht gegen die Arbeitnehmerorganisation. Ein Siemens-Sprecher bestätigte, dass ein Beratervertrag mit dem ehemaligen Siemens-Betriebsrat Ende 2006 fristlos gekündigt worden sei, da S. seine Gegenleistungen als Unternehmensberater nicht ausreichend nachgewiesen habe.

Laut Siemens erhielt der AUB-Gründer seit 2001 Zahlungen in Höhe von 14 Millionen Euro unter anderem für Beratungsleistungen und Mitarbeiterschulungen. Siemens wies zugleich den Verdacht zurück, der Konzern habe sich mit den Beraterverträgen Gefälligkeiten von Betriebsräten der AUB erkaufen wollen: "Wir weisen ganz klar von uns, dass wir die Betriebsratsarbeit unzulässig beeinflusst haben", sagte der neue Anti-Korruptions-Beauftrage von Siemens, Daniel Noa, der "Süddeutschen Zeitung". Der frühere Stuttgarter Staatsanwalt fügte hinzu: "Aber wir gehen jedem Hinweis nach."

Mindestens 200 Millionen perdu

Siemens wird derzeit von einer Korruptionsaffäre erschüttert. Aktive und ehemalige Siemens-Beschäftigte sollen mindestens 200 Millionen Euro veruntreut und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt haben. Siemens hatte daraufhin Maßnahmen beschlossen, um die interne Kontrolle zu stärken. In diesem Zusammenhang prüft das Unternehmen auch seine Beraterverträge.

AP / AP