. .
TV und Fernsehen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
25. Mai 2009, 20:18 Uhr

"Frank-Walter, geh' mal aus dir heraus!"

In seiner "heute-show" im ZDF präsentiert Oliver Welke gefakte Nachrichten mit Witz. stern.de erzählt der Komiker, warum Kanzlerkandidat Steinmeier Emotionen herbei pressen muss, wieso die Show selbst den eigenen Sender nicht verschonen darf und warum er nicht zum Kerner-Ersatz-Heer zählt.

Oliver Welke, heute-show, Polit-Satire, Jon Stewart, Daily Show, Neues aus der Anstalt, ZDF, Sat1, Kerner

Oliver Welke macht demnächst Politsatire im ZDF© Rolf Vennenbernd/DPA

Herr Welke, Sie werden plötzlich politisch!

Vielleicht war ich privat ja schon immer politisch. Und keiner hat es gemerkt. Wenn man zwölf Jahre Fußball im Fernsehen moderiert hat, dann glaubt offensichtlich jeder, dass man den Politikteil der Zeitung ganz sicher nur überblättert.

Man kennt Sie nicht nur vom Fußballfeldrand bei Sat1-Champions-League-Übertragungen, auch aus NDR-Quizzes, RTL-Comedy-Shows, von den Wixxer-Filmen, die Sie mit Ihren Kollegen Oliver Kalkofe und Bastian Pastewka konzipiert haben - und sogar von alten Würstchendosen.

Na gut, als ich zum Würstchenwerbegesicht wurde, war ich viereinhalb. Das hatte ich mir auch nicht ausgesucht. Mein Vater hat mich da hingeschoben. Das war seine Werbeagentur.

Jetzt steigen Sie politisch ganz oben ein. In Ihrer ZDF-Sendung, der "heute-show", soll es darum gehen, "absurde Wahlversprechen und herausragend hohle Politikerphrasen fachgerecht und unterhaltsam" zu sezieren. Hätten Sie ein Beispiel aus der jüngeren Praxis?

Die Stilblüten, die Verhaspler und Versprecher, fallen jedem auf. So etwas wie Stoibers Transrapid-Rede. Wir suchen aber nicht nach Verkehrsministern, die in Afghanistan über einen Stein stolpern. Wir wollen uns schon inhaltlich nähern, und da die Fehlleistungen thematisieren. Ein Beispiel aus der jüngeren Zeit: Es ist ganz interessant, wenn Frau Merkel bei dem Festakt zu 60 Jahren Bundesrepublik vor einem Wettbewerb um Steuererleichterungen warnt, aber selbst in den Tagen vorher ein Interview nach dem anderen gibt, in dem sie Steuersenkungen fordert. Sie hat also das Kunststück fertig gebracht, vor sich selbst zu warnen.

Merkel und Steinmeier, schreiben Politikbeobachter, würden wie Valium vs. Schlaftablette wirken. Macht das Ihre Arbeit schwerer?

Die beiden haben jedenfalls kein Pitbull-Gen. Aber auch das ist manchmal komisch, bei Steinmeier etwa. Der hat sich seine kumpelige Sprechweise für manche Anlässe regelrecht draufgeschafft - wenn er beispielsweise die Opelaner besucht. Das ist dann irgendwo zwischen Schröder-Imitation und einfach nur Lautstärke. Ich habe einen Clip gesehen, wo er mit hochrotem Kopf schreit: "Die SPD ist kein altes Möbelstück, was man hin und her schieben kann." Ich höre das manchmal auch bei Kollegen, die Fußball kommentieren. Die versuchen die Emotion künstlich herbei zu pressen, obwohl sie eigentlich gar nicht der Typ dafür sind. Steinmeier kommt genau wie ich aus Ostwestfalen, da neigen wir nun mal nicht zu emotionalen Ausbrüchen. Aber ihm haben scheinbar irgendwelche Coaches gesagt: "Frank-Walter, du musst mal mehr aus dir herausgehen." Wirkt dann halt leider manchmal ein bisschen unauthentisch.

Das ZDF kündigt die "heute-show" als "Politainment gegen Politikverdrossenheit" an.

Fakt ist, die Leute sind viel wacher und schlauer, als manche Politiker denken. Die kriegen es mit, dass sie schlicht verarscht werden, wenn es beispielsweise um die angebliche Rentensicherheit geht. Das ist jedem klar, nicht nur Leuten, die die "FAZ" oder die "Süddeutsche" abonniert haben. Da gibt es dann zwei Möglichkeiten. Entweder man zieht sich zurück und sagt: Es wird ja nicht mehr regiert, sondern mit symbolischer Politik bei Anne Will oder Maybrit Illner nur noch so getan. Oder man gewinnt dem Politbetrieb die heiteren Seiten ab. Dafür haben wir uns entschieden.

Fördert man damit nicht das Desinteresse an der Politik, indem man ihre Protagonisten ins Lächerliche zieht?

Wir wollen unterhalten. Aber das Ganze hat einen ernsthaften Hintergrund.

Ihr Vorbild ist die "Daily Show" von Jon Stewart, die auf dem US-Sender Comedy Central läuft. Was ist das Tolle daran?

Es gibt in ganz vielen anderen Ländern Fake-News-Geschichten. In Deutschland hat es das seit "Rudis Tagesshow" mit Rudi Carrell eigentlich nicht mehr gegeben. Die "Daily Show" ist unglaublich gut gemacht.Wie die es schaffen, aus dem Nachrichtenmaterial ganz eigene Geschichten zu machen, mit klarer politischer Haltung, zwischendurch aber auch herrlich albern, das gefällt mir sehr gut. Weil es eine intelligente Albernheit ist.

Gäste wird es bei Ihnen keine geben?

Das würden wir gar nicht mal ausschließen, auch wenn in der ersten Sendung keine da sind. Wir haben das Studio extra so gebaut, dass wir eine Auftrittstür haben. Da könnten Politiker oder auch Politikjournalisten hereinkommen. Das Thema sind ja nicht nur die Politiker, sondern auch die Medien selbst.

Das ZDF will sich auch selbst nicht aus der Schusslinie nehmen.

Selbstironie ist schon wichtig. Ich kann nur sagen: Bei dem Format "Neues aus der Anstalt", das vor uns läuft, hat sich sicher der eine oder andere Politiker echauffiert. Das hat das ZDF immer ausgehalten. Man hat es immer geschafft, den Druck von den Künstlern fernzuhalten. Ich bin optimistisch, dass das bei uns auch passieren wird. Wenn wir auf dem Höhepunkt des Wahlkampfs feststellen, dass auch das ZDF in seiner Berichterstattung daneben greift, werden wir das thematisieren.

Aber Sie werden nicht die politischen Grabenkämpfe bei der Wahl von Intendanten oder Chefredakteuren des ZDF aufgreifen?

Das kann man zumindest mal versuchen. Das Thema, die Entscheidung zu Nikolaus Brender, dem Chefredakteur, ist ja vertagt worden. Wenn es aktuell wäre am 26. Mai und in den Zeitungen stattfände, wäre es ziemlich uncool, wenn wir da gar nichts dazu hätten. Man würde dann einen Weg finden müssen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wo sich Oliver Welke politisch verortet, und ob er Angst vor Kerner hat

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
nobfisch (27.05.2009, 17:47 Uhr)
Armes ZDF
Warum muß man die hirnlose und gequälte SAT 1 "Comedy" nun auch noch im ZDF anbieten?
Die Ideen eines Rudi Carell lassen sich nicht kopieren.Bitte schnellstmöglich wieder absetzen, die Sendung tut weh.
AquaeMattiacorum (25.05.2009, 23:27 Uhr)
@crvnshkr ohne TV
Also der Kalkofe macht nun wirklich mit bissiger Ironie jeden Sender runter, vor allem den MDR aus dem GEZ -Bezahlfernsehen. Es ist immer wieder interessant, wer alles solche Artikel kommentiert und dann angeblich kein TV zu Hause hat.
crvnshkr (25.05.2009, 22:34 Uhr)
FANTASTISCH!
Das Öffentlich-Rechtliche holt (als Reaktion auf den Weggang von Pocher?) die ultimative Spaßbremse von Sat1! Juchu, endlich wieder "Wochenshow"! Mensch, hab ich dieses Format vermisst.
Aber warum denn ausgerechnet Welke? Mit Lück oder Kalkofe wäre das Niveau der privaten Sender doch noch viel schneller und wahrscheinlich billiger zu erreichen gewesen...
Mensch, bin ich froh, dass ich keinen Fernseher besitze!
(GEZ-Gebühren muss ich trotzdem bezahlen, obwohl ich nur einen PC und ein Radio besitze - also: viel Spaß mit meinem Geld!)
MEHR ZUM ARTIKEL
Der Moderatorencheck Keiner wie Kerner?

Nach zwölf Jahren beim ZDF wechselt Johannes B. Kerner wieder zu Sat1. Verliert der Sender damit einen ausgezeichneten Moderatoren oder kann er froh sein, den Schmalspur-Talker los zu sein? Die Qualitäten und Schwächen des JBK im Moderatorencheck. mehr...

Markus Kavka im Zweiten ZDF fischt Jugend aus dem Netz

Fürs Teenie-Fernsehen schien er stets etwas zu alt. Dieses Problem hat MTV-Moderator Markus Kavka bei seinem neuen Arbeitgeber nicht mehr. Für das Zweite soll der 41-Jährige nun die Zielgruppe verjüngen. Hätte klappen können. Doch leider ist das ZDF nicht mutig genug. mehr...

Fernsehen Sat1 rüstet auf - Kerner kommt

Nächster Coup von Sat1: Nach Entertainer Oliver Pocher hat der TV-Sender nun auch Johannes B. Kerner verpflichtet - eine empfindliche Niederlage für das ZDF. Seine neuen Aufgaben bei dem Sender, bei dem Kerner einst groß rausgekommen ist, ähneln denen in Mainz. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft