In seiner "heute-show" im ZDF präsentiert Oliver Welke gefakte Nachrichten mit Witz. stern.de erzählt der Komiker, warum Kanzlerkandidat Steinmeier Emotionen herbei pressen muss, wieso die Show selbst den eigenen Sender nicht verschonen darf und warum er nicht zum Kerner-Ersatz-Heer zählt.

Oliver Welke macht demnächst Politsatire im ZDF© Rolf Vennenbernd/DPA
Vielleicht war ich privat ja schon immer politisch. Und keiner hat es gemerkt. Wenn man zwölf Jahre Fußball im Fernsehen moderiert hat, dann glaubt offensichtlich jeder, dass man den Politikteil der Zeitung ganz sicher nur überblättert.
Na gut, als ich zum Würstchenwerbegesicht wurde, war ich viereinhalb. Das hatte ich mir auch nicht ausgesucht. Mein Vater hat mich da hingeschoben. Das war seine Werbeagentur.
Die Stilblüten, die Verhaspler und Versprecher, fallen jedem auf. So etwas wie Stoibers Transrapid-Rede. Wir suchen aber nicht nach Verkehrsministern, die in Afghanistan über einen Stein stolpern. Wir wollen uns schon inhaltlich nähern, und da die Fehlleistungen thematisieren. Ein Beispiel aus der jüngeren Zeit: Es ist ganz interessant, wenn Frau Merkel bei dem Festakt zu 60 Jahren Bundesrepublik vor einem Wettbewerb um Steuererleichterungen warnt, aber selbst in den Tagen vorher ein Interview nach dem anderen gibt, in dem sie Steuersenkungen fordert. Sie hat also das Kunststück fertig gebracht, vor sich selbst zu warnen.
Die beiden haben jedenfalls kein Pitbull-Gen. Aber auch das ist manchmal komisch, bei Steinmeier etwa. Der hat sich seine kumpelige Sprechweise für manche Anlässe regelrecht draufgeschafft - wenn er beispielsweise die Opelaner besucht. Das ist dann irgendwo zwischen Schröder-Imitation und einfach nur Lautstärke. Ich habe einen Clip gesehen, wo er mit hochrotem Kopf schreit: "Die SPD ist kein altes Möbelstück, was man hin und her schieben kann." Ich höre das manchmal auch bei Kollegen, die Fußball kommentieren. Die versuchen die Emotion künstlich herbei zu pressen, obwohl sie eigentlich gar nicht der Typ dafür sind. Steinmeier kommt genau wie ich aus Ostwestfalen, da neigen wir nun mal nicht zu emotionalen Ausbrüchen. Aber ihm haben scheinbar irgendwelche Coaches gesagt: "Frank-Walter, du musst mal mehr aus dir herausgehen." Wirkt dann halt leider manchmal ein bisschen unauthentisch.
Fakt ist, die Leute sind viel wacher und schlauer, als manche Politiker denken. Die kriegen es mit, dass sie schlicht verarscht werden, wenn es beispielsweise um die angebliche Rentensicherheit geht. Das ist jedem klar, nicht nur Leuten, die die "FAZ" oder die "Süddeutsche" abonniert haben. Da gibt es dann zwei Möglichkeiten. Entweder man zieht sich zurück und sagt: Es wird ja nicht mehr regiert, sondern mit symbolischer Politik bei Anne Will oder Maybrit Illner nur noch so getan. Oder man gewinnt dem Politbetrieb die heiteren Seiten ab. Dafür haben wir uns entschieden.
Wir wollen unterhalten. Aber das Ganze hat einen ernsthaften Hintergrund.
Es gibt in ganz vielen anderen Ländern Fake-News-Geschichten. In Deutschland hat es das seit "Rudis Tagesshow" mit Rudi Carrell eigentlich nicht mehr gegeben. Die "Daily Show" ist unglaublich gut gemacht.Wie die es schaffen, aus dem Nachrichtenmaterial ganz eigene Geschichten zu machen, mit klarer politischer Haltung, zwischendurch aber auch herrlich albern, das gefällt mir sehr gut. Weil es eine intelligente Albernheit ist.
Das würden wir gar nicht mal ausschließen, auch wenn in der ersten Sendung keine da sind. Wir haben das Studio extra so gebaut, dass wir eine Auftrittstür haben. Da könnten Politiker oder auch Politikjournalisten hereinkommen. Das Thema sind ja nicht nur die Politiker, sondern auch die Medien selbst.
Selbstironie ist schon wichtig. Ich kann nur sagen: Bei dem Format "Neues aus der Anstalt", das vor uns läuft, hat sich sicher der eine oder andere Politiker echauffiert. Das hat das ZDF immer ausgehalten. Man hat es immer geschafft, den Druck von den Künstlern fernzuhalten. Ich bin optimistisch, dass das bei uns auch passieren wird. Wenn wir auf dem Höhepunkt des Wahlkampfs feststellen, dass auch das ZDF in seiner Berichterstattung daneben greift, werden wir das thematisieren.
Das kann man zumindest mal versuchen. Das Thema, die Entscheidung zu Nikolaus Brender, dem Chefredakteur, ist ja vertagt worden. Wenn es aktuell wäre am 26. Mai und in den Zeitungen stattfände, wäre es ziemlich uncool, wenn wir da gar nichts dazu hätten. Man würde dann einen Weg finden müssen.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wo sich Oliver Welke politisch verortet, und ob er Angst vor Kerner hat