Für die Grünen mit ihrem Spitzenkandidaten Cem Özdemir, die derzeit in einer Koalition mit der CDU regieren, stimmten übereinstimmenden Hochrechnungen von ARD und ZDF zufolge 30,3 Prozent. Die CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel kommt demnach dahinter auf 29,7 Prozent.
Auf die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier entfallen 18,7 bis 18,8 Prozent, womit sie Ergebnis von der Landtagswahl 2021 nahezu verdoppelt. Die Grünen liegen dagegen leicht unter ihrem Ergebnis von 2021, die CDU würde sich deutlich verbessern.
Die SPD mit Spitzenkandidat Andreas Stoch rutscht laut Hochrechnungen auf 5,5 bis 5,6 Prozent ab und fährt damit ihr bislang schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg und bundesweit bei Landtagswahlen ein.
Die FDP mit Spitzenkandidaten Hans-Ulrich-Rülke dürfte mit 4,4 Prozent den Wiedereinzug in den Landtag verpassen. Sollte sie an der Fünfprozenthürde scheitern, wäre es das erste Mal, dass die Liberalen nicht im Stuttgarter Landesparlament vertreten sind. Die bisher nicht im Landtag vertretene Linke liegt den Hochrechnungen zufolge bei 4,3 bis 4,4 Prozent und würde damit den Einzug in den Landtag verpassen.
Die Grünen können laut Hochrechnungen auf 56 bis 57 Sitze im neuen Landtag hoffen, während auf die CDU 54 bis 56 Mandate entfielen. 34 bis 35 Sitze gingen an die AfD sowie weitere zehn Mandate an die SPD.
Die Möglichkeiten zur Regierungsbildung sind damit begrenzt. Abseits von Bündnissen mit der AfD wäre nur eine Fortsetzung der Koalition aus Grünen und CDU möglich, die bereits seit der Wahl 2021 besteht.
Grünen-Spitzenkandidat Özdemir stellte für den Wahl eines Wahlsiegs bereits die Fortsetzung der Koalition mit der CDU in Aussicht. Er hoffe darauf, "dass wir knapp vor den Kollegen von der CDU sind und dann die erfolgreiche Koalition der letzten zehn Jahre gemeinsam fortsetzen auf Augenhöhe", sagte er. Vor Anhänger sprach er von einer "fulminanten Aufholjagd" seiner Partei, die in den Umfragen vor der Wahl zunächst lange hinter der CDU gelegen hatte.
CDU-Spitzenkandidat Hagel sprach von einem bitteren Abend. Seine Partei habe im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl zwar klar gewonnen, betonte er: "Aber wir haben nicht das gewonnen, was wir gewinnen wollten - und da gibt es auch nichts drumherum zu reden." Die CDU habe Baden-Württemberg regieren wollen. Nun allerdings liege der Regierungsbildungsauftrag voraussichtlich bei Özdemir und den Grünen.
SPD-Spitzenkandidat Stoch kündigte bereits persönliche Konsequenzen an. Er werde daran mitwirken, dass die SPD "an der Spitze unserer Landespartei, aber auch in der Fraktionsspitze eine Neuausrichtung vornimmt", sagte Stoch, der Landes- und Fraktionschef ist. Bundesparteichef Lars Klingbeil sprach von einem "total bitteren Abend".
AfD-Bundeschef Tino Chrupalla zeigte sich hochzufrieden. Die AfD sei "der Gewinner des Abends", sagte er. Ihr Spitzenkandidat Frohnmaier äußerte sich "stolz" über das Wahlergebnis. Die AfD habe sich als "die relevante Oppositionskraft im Südwesten etabliert".
Auch FDP-Spitzenkandidat und -landeschef Rülke kündigte persönliche Konsequenzen an. Es könne jedoch sein, dass die FDP aus dem Landtag ausscheide. Für diesen Fall kündigte Rülke an, "die entsprechende Verantwortung" zu übernehmen.
Linken-Spitzenkandidatin Kim Sophie Bohnen werte das Ergebnis ihrer Partei trotz womöglich verpasstem Landtagseinzug als Erfolg. "Das ist das beste Ergebnis, das wir als Linke in Baden-Württemberg jemals eingefahren haben", sagte sie.
Die Landtagswahl vor fünf Jahren hatten die Grünen mit dem scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann an der Spitze mit 32,6 Prozent gewonnen. Sie gingen danach eine Koalition mit der CDU ein, die 24,1 Prozent erreichte. Die SPD landete damals bei 11,0 Prozent vor der FDP mit 10,5 Prozent und der AfD mit 9,7 Prozent.
Die Wahlbeteiligung betrug vor fünf Jahren 63,8 Prozent - nun lag sie laut ZDF bei 69,4 Prozent. Das Wahlalter wurde von bisher 18 Jahren auf 16 Jahre abgesenkt. Erstmals gab es bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg wie bei der Bundestagswahl zudem eine Erst- und eine Zweitstimme.