Pressestimmen
Spekulationen um Kanzlertausch: „Auch Wüst kann nicht über Wasser laufen“

Bundeskanzler Friedrich Merz (vorne, unscharf) und dahinter NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst
Angesichts schlechter Umfragewerte für Kanzler Friedrich Merz (CDU) wird über einen möglichen Nachfolger spekuliert. Hendrik Wüst (l.) rückt dabei ins Zentrum
© Rolf Vennenbernd / DPA

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Schlechte Umfragewerte und Gerüchte um einen „Reservekanzler“ setzen Friedrich Merz unter Druck. Ist Hendrik Wüst die Lösung? Die Presseschau.

Angesichts schlechter Umfragewerte für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und auch für die Regierung insgesamt gibt es Spekulationen, wonach der Amtsinhaber durch einen anderen Regierungschef ersetzt werden könnte. Ein Name, der häufig fiel: Hendrik Wüst, ebenfalls CDU und aktuell NRW-Ministerpräsident. Auch der stern berichtete.

Spitzen der Union reagierten auf derartige Gerüchte genervt. Das Umfeld des Kanzlers hatte am Mittwoch versucht, eine aufkommende parteiinterne Debatte über Merz im Keim zu ersticken. Die Idee zeuge von einer „gefährlichen Lust an der Zündelei“, hieß es in diesen Kreisen. Diese „wüste Spekulation“ zeuge von bemerkenswerter Unkenntnis der Verfassung und der politischen Realität – ob die Formulierung eine Anspielung auf Hendrik Wüst ist, blieb offen.

So kommentieren die deutschen Zeitungen das Getuschel um einen „Reservekanzler“ Wüst.

„Neue Osnabrücker Zeitung“: „Als hätte Friedrich Merz nicht schon genug Baustellen, kommt jetzt noch eine Personaldebatte hinzu. Den beliebten Hendrik Wüst aus NRW mal eben ins Kanzleramt einwechseln – diese Idee findet unter Christdemokraten, die angesichts der an ihr vorbeiziehenden AfD die Nerven verlieren, ihre Anhänger. Realistisch ist sie nicht. Das Risiko ist zu hoch. Merz hat bei der Bundestagswahl 2025 den Auftrag erhalten, die Bundesregierung zu führen. Der Wähler könnte sensibel reagieren, wenn man ihm diesen per Hinterzimmerabsprache entzieht. Auch Wüst kann nicht über Wasser laufen. Die Probleme, die er lösen muss, werden dieselben sein. Die Personaldebatte steigert den Druck auf die Bundesregierung, endlich zu Entscheidungen zu kommen, ins Unermessliche.“

Debatte um Friedrich Merz und Hendrik Wüst: „Ein Sturz brächte gar nichts“

„Rhein-Neckar-Zeitung“: „Der Union bleibt in dieser Misere nur eine Option: Neben Merz, der im Übrigen ähnlich wie Trump mit seiner Gesundheit renommiert, muss zügig ein Nachfolger aufgebaut werden. Ein Sturz brächte gar nichts. Und von den genannten Ersatzkandidaten ragt allenfalls Hendrik Wüst heraus, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident. Der Bayer Markus Söder hatte seine Chance, ließ sie ungenutzt verstreichen. Und Daniel Günther aus Schleswig-Holstein verfügt zwar über ein sympathisches Auftreten, bleibt aber ohne Hausmacht. Entschieden wird im Übrigen erst 2028 – dann hoffentlich richtig.“

„Volksstimme“: „Zu erkennen, dass Merz mit seiner Aufgabe überfordert ist, fällt nicht schwer. Doch mitten in der schwierigsten Reformphase den Kanzler auswechseln zu wollen, hieße, die schwarz-rote Koalition zu sprengen und Neuwahlen zu provozieren. Das würde beim gesamtdeutschen Aufwind für die AfD bedeuten, die Situation vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern auf den Bundesmaßstab zu übertragen. Nach den Ost-Wahlen dürften indes alle Karten neu gemischt werden – bis hin zur Merz-Auswechslung. Wer wäre der Trumpf, der dann für die Union stechen könnte? Außer Hendrik Wüst ist da nicht viel zu sehen.“

„Märkische Oderzeitung“: „Natürlich sind auch in der Union viele unzufrieden mit der aktuellen Performance der Regierung. Feuer frei also für die Spekulationen: Weg mit Merz, her mit Wüst. So etwas wieder auszutreten ist nicht leicht. Was sich aber grundsätzlich nicht empfiehlt, ist das, was man sich im Umfeld des Kanzlers ausgedacht hat. Merz und seine Vertrauten setzen auf Gegenangriff, attackieren ‚gefährliche Lust an der Zündelei‘ und die Bereitschaft, ‚das Geschäft der AfD‘ zu betreiben. Die nächste Eskalationsstufe ist damit gezündet.“

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „Entgegen den Spekulationen, die im dauererregten Berlin die Runde machen, ist es unwahrscheinlich, dass Bundeskanzler Merz in nächster Zeit von einem Parteifreund abgelöst wird. Noch ist die CDU nicht an dem Punkt, an dem sie ernsthaft über das Stürzen des eigenen Kanzlers und Parteichefs nachdenken würde, das mit großen Risiken verbunden wäre. Auch steht kein Ersatzmann zur Verfügung, der sich auf ein solches Abenteuer einließe. Hendrik Wüst, der noch alle Zeit der Welt hat, ist dazu viel zu vorsichtig. Und Markus Söder, der mindestens so gerne Bundeskanzler werden würde, muss erst einmal darum kämpfen, bayerischer Ministerpräsident und CSU-Chef bleiben zu können. Denn auch in der CSU herrscht große Unzufriedenheit über das, was in Berlin – nicht – passiert, vor allem aber wegen der eigenen Lage in Bayern. (…)“

AFP · DPA
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