Der Sicherheitsexperte Christian Mölling hat Europa davor gewarnt, weiter auf feste Sicherheitsgarantien der USA unter Präsident Donald Trump zu vertrauen. „Die einzig entscheidende Frage ist: Ist der amerikanische Präsident bereit, diese Soldaten zum Schutz Europas einzusetzen?“, sagte Mölling im stern-Podcast „Die Lage – International“.
Gegen einen Hütchenspieler gibt es nur ein Mittel
„Letztendlich haben Sie es hier eigentlich mit einem Hütchenspieler zu tun“, sagte Mölling. Wer glaube, Trump strategisch zu überlisten, werde verlieren: „Wenn Sie wirklich glauben, dass Sie so einen Hütchenspieler austricksen können, dann ist das Ihr Geld, das weg ist.“
Auslöser der Debatte sind widersprüchliche Signale aus Washington zur Zukunft amerikanischer Truppen in Europa. Verärgert über die Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz an seiner Iran-Strategie hatte Trump Anfang Mai den Abzug von mindestens 5000 US-Soldaten aus Deutschland angekündigt. Bislang ist aber völlig unklar, wer genau abgezogen werden und in welchem Zeitraum dies geschehen soll. Mitte Mai ließ US-Verteidigungsminister Pete Hegseth dann auch die Entsendung einer Kampfbrigade von 4000 Soldaten nach Polen stoppen. Kurz darauf korrigierte US-Präsident Donald Trump diese Entscheidung – und kündigte an, weitere 5000 Soldaten nach Polen schicken zu wollen.
Trump verhält sich nicht nur chaotisch
Mölling hält es für falsch, sich an solchen Aussagen zu orientieren. „Es ist völlig egal, ob 50, 500, 5000 oder 50.000 US-Soldaten kommen oder gehen“, sagte der Senior Advisor des European Policy Centre in Brüssel. Trump handele nicht nur chaotisch, sondern zunehmend „systematisch gegen europäische Sicherheitsinteressen“, sagte Mölling.
Daraus könne es nur eine Konsequenz geben: Europa müsse so schnell wie möglich verteidigungsfähig werden, ohne die USA. Daran änderten auch die derzeit existierenden Fähigkeitslücken in der europäischen Verteidigung nichts. „Wenn es heute Nacht losgeht und die Amerikaner kommen nicht – was machen wir dann?“, fragte Mölling. Seine Antwort: Kämpfen mit der Armee, die da ist, nicht mit der, die man sich wünsche. Die bisherigen NATO-Planungen, die stark auf amerikanische Unterstützung setzen, müssten deshalb so schnell wie möglich angepasst werden.
Der erste Schritt dafür sei, so Mölling, die weit verbreitete Mentalität der Verdrängung aufzugeben. Viele hofften noch immer, Trump sei nur ein vorübergehender Betriebsunfall der Geschichte. Genau dieser „State of Denial“ verhindere jedoch, dass Europa die Realität anerkenne und endlich strategisch eigenständig denke.