Der schwarze Schwan Comeback unter Mordverdacht: So turbulent kehrt Jan Josef Liefers als ermittelnder Anwalt zurück

  • von Maximilian Haase
Anwalt Vernau (Jan Josef Liefers) wacht im neuen Krimi "Der schwarze Schwan" in einem Nachtclub auf und gerät unter Mordverdacht.
Anwalt Vernau (Jan Josef Liefers) wacht im neuen Krimi "Der schwarze Schwan" in einem Nachtclub auf und gerät unter Mordverdacht.
© ZDF/Conny Klein
Nach längerer Pause kehrt Jan Josef Liefers als Rechtsanwalt ins ZDF zurück: In seinem neunten Fall "Der schwarze Schwan" gerät Joachim Vernau selbst unter Mordverdacht. Kann er zwischen Schwanensee-Drama und Berliner Techno-Clubs den Kopf aus der Schlinge ziehen?

Als Ermittler ist Jan Josef Liefers dem TV-Publikum vor allem durch seine Paraderolle im Münster-"Tatort" bekannt. Neben seinem Boerne etablierte er in den letzten Jahren jedoch eine zweite, nicht minder ungewöhnliche Krimifigur: Als Rechtsanwalt Joachim Vernau begibt sich Liefers seit 2012 im ZDF auf hierzulande selten erkundetes Thriller-Terrain. Der Anwalt, der meist auf eigene Faust ermittelt und in seiner Süffisanz dem Rechtsmediziner Boerne kaum nachsteht, wurde vom Publikum durchaus goutiert. Trotzdem folgte nach dem achten Fall eine längere Pause: Die gleichnamigen Romane von Elisabeth Herrmann, auf denen die Reihe basiert, waren schlicht allesamt verfilmt. Nun erscheint nach über zwei Jahren doch noch der neunte Fall, der nicht mehr auf einem Buch, sondern auf verschiedenen Romanmotiven der Autorin beruht. Und "Der schwarze Schwan" hat es in sich: Vernau gerät vor dem Hintergrund der Berliner Technoszene selbst unter Mordverdacht.

Von Beginn an dreht der Film von Regisseur und Drehbuchautor Josef Rusnak ordentlich auf. Vernau erwacht übel zugerichtet neben einem Toten, "auf dem salzig schmeckenden Linoleumboden eines Swingerclubs" namens "Tik Tik". Erinnern kann er sich an wenig, steht aber fortan unter Verdacht, Clubinhaber Volker Klausen (Milton Walsh) umgebracht zu haben. In Untersuchungshaft berichtet er seiner Kollegin Marie-Luise Hoffmann (Stefanie Stappenbeck) und damit den Zuschauern, wie er in diesen Schlamassel geraten konnte: Wenige Tage zuvor hatte ihm der Unternehmer Robert Halstenberg (Walter Kreye) eine Menge Geld geboten, sofern er seine Tochter zu ihm bringt, die er seit 20 Jahren nicht gesehen hat.

Juliane Halstenberg (Rike Schmid) hatte sich einst nach Asien abgesetzt, ist nun wieder in Berlin – und angeblich tief in der Bredouille: Als Vernau sie findet, berichtet sie von einem Mafiosi, dem sie 200.000 Euro schuldet. Doch was ist dran an der Story, die für Vernau letztlich im Knast endet?

Nostalgische 90er-Rückblicke

Die Millionenerbin, so zeigt sich, trägt so manches Geheimnis mit sich. Als einzige Zeugin könnte sie den verdächtigten Anwalt entlasten, ist jedoch abermals spurlos verschwunden. Wie so oft muss Vernau, der in unterhaltsamen Knast-Szenen von zwielichtigen Typen manchen Tipp erhält ("Immer leugnen, egal, was sie dir vorwerfen"), die Sache selbst in die Hand nehmen: Nachdem er – wenn auch recht hanebüchen inszeniert – wieder in Freiheit gelangt, begibt er sich in einer wendungsreichen Handlung auf die Suche nach der Untergetauchten und den wahren Hintergründen der Tat.

Und die reichen zurück in die wilden Jahre der Berliner Technokultur, die der Film in wehmütigen Erinnerungen und Loveparade-Rückblicken nicht klischeefrei, aber nett nostalgisch wieder aufleben lässt. In jenen 90-ern, als in der wiedervereinigten Hauptstadt alles möglich schien, wurde auch Juliane Halstenberg zur Techno-Queen. Ein DJ namens Orion (Alexander Wipprecht) widmete der eigentlich zur klassischen Musik bewogenen jungen Frau damals gar eine hymnische Techno-Oper: Der titelgebende Track "Der schwarze Schwan", der laut Handlung 1996 sogar die Charts stürmte, basiert auf Tschaikowskys Ballett "Schwanensee" und verbindet die zahlreichen Ebenen des vergleichsweise vielschichtigen Krimis mühelos. Geschaffen hat den Soundtrack Komponist Mario Grigorov, der zudem Piano- und Jazz-Elemente einfließen ließ.

Zwischen bisweilen brutalem Unterweltthriller, Gefängnisdramedy und 90er-Musiknostalgie gelingt dem neuen Vernau auch ohne konkrete Romanvorlage ein ungewöhnlicher Spagat zwischen den Genres. Anders als der in den Sinn kommende Titelzwilling "Black Swan", in dem sich Darren Aronofsky einst ebenfalls anhand von "Schwanensee" an familiären und Branchen-Abgründen abarbeitete, nimmt sich "Der schwarze Schwan" wie schon seine Vorgänger charmanterweise aber nicht zu ernst.

Der schwarze Schwan – Mo. 02.02. – ZDF: 20.15 Uhr

TELESCHAU

Mehr zum Thema