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Werner Spies macht Schluss

  • von Nina Plonka
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Der deutsche Kunstpapst verlässt das Max-Ernst-Museum in Brühl. Die gefälschten Bilder des Malers Wolfgang Beltracchi stürzten ihn vom Thron.

Werner Spies will einfach nicht mehr. Er habe kein Interesse mehr an "einer zukünftigen kuratorialen Betreuung oder Realisierung von Ausstellungsprojekten", teilte er schriftlich über seinen Anwalt mit. Das berichtet der Kölner Stadtanzeiger. Mit sofortiger Wirkung lege er seine Ämter im Max-Erst-Museum in Brühl nieder. Der Landschaftsverband Rheinland, Träger des Museums, habe angekündigt, zwei Verträge mit Spies zu kündigen, einen Autoren- und einen Beratervertrag, schreibt der Stadtanzeiger.

Spies schmeißt das Handtuch in dem Museum, welches das Andenken an seinen geschätzten Freund Max Ernst aufrecht erhalten soll. Angezählt war der Kunstpapst schon seit einer Weile. Im Jahr 2010 wurde bekannt, dass Wolfgang Beltracchi im großen Stil Bilder gefälscht und jahrzehntelang in den Markt geschleust hatte. Ein harter Schlag für Werner Spies, der zu dieser Zeit noch als der führende, weltweit anerkannte Experte für das Werk von Max Ernst galt. Denn er hatte einige der Fälschungen für echt befunden. Für sieben Bilder hatte er Expertisen ausgestellt. Damit ausgestattet brachten die Fälscher die Werke für mindestens 4,5 Millionen Euro in den Markt.

Nach der Verurteilung Beltracchis und seiner Handlanger führten wir ein Exklusiv-Interview mit Werner Spies. Darin gab er zu, noch weitere mögliche Fälschungen von Beltracchi im Stil von Max Ernst gesehen zu haben. Er selbst nahm das Wort Fälschung nur ungern in den Mund. "Einen Beweis der Unechtheit habe ich bis heute nicht", sagte er uns.

Das sehen die Naturwissenschaftler des Rathgen Forschungslabors in Berlin anders. Zu jedem Bild erstellten sie einen 150-seitigen Bericht, in dem sie ausführten, dass die Farben, die Beltracchi für die Max-Ernst-Bilder benutzt hatte, im angeblichen Erstellungsjahr noch nicht existierten. "In allen Fällen wussten wir, dass da hinten und vorne was nicht stimmt", sagt Stefan Simon, Direktor des Labors. Er ist der Meinung, dass die Praxis der stilkritischen Untersuchung, wie sie unter anderem Werner Spies pflegte, nicht ausreicht, um die Echtheit eines Werkes festzustellen. Naturwissenschaftliche Analysen sollten zumindest bei wichtigen Werken verpflichtend sein, so Simon. "Manche Experten verlangen das bereits. Es ist immer eine Frage der Vorkommnisse."

Foto: Jean-Luc Bertini

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