"Putins Schattenmänner – Russische Agenten packen aus"
Einblicke in die innere Logik von Putins Machtsystem

  • von Hans Czerny
Die Agenten der russischen Geheimdienste sind ein scharfes Schwert Präsident Putins. In einem großen Gefangenenaustausch mit dem Westen holte der russische Präsident im Sommer 2024 hochrangige Agenten nach Hause und empfing sie persönlich am Flughafen in Moskau.
Die Agenten der russischen Geheimdienste sind ein scharfes Schwert Präsident Putins. In einem großen Gefangenenaustausch mit dem Westen holte der russische Präsident im Sommer 2024 hochrangige Agenten nach Hause und empfing sie persönlich am Flughafen in Moskau.
© ZDF / Voskresensky, Mikhail
Putins Macht ist auf der Macht seiner Geheimdienste aufgebaut. Der ehemalige KGB-Offizier und Emporkömmling im Leningrader Geheimdienstmilieu räumt ihnen eine Machtfülle ein, die keine Grenzen kennt. Die ZDF-Dokumentation "Putins Schattenmänner – Russische Agenten packen aus" nähert sich diesem Thema an.

"Putins Schattenmänner – Russische Agenten packen aus" ist doch etwas reißerisch eine neue ZDF-Dokumentation am Dienstagabend überschrieben. In dem zur Primetime gesendeten Beitrag von Florian Huber und Johannes Müller berichten ehemalige Geheimdienst-Mitarbeiter darüber, wie Putins Machtstruktur funktioniert.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB, Nachfolger des KGB, und der persönliche Schutzdienst FSO kontrollieren mit harter Hand staatliche Schlüsselindustrien und öffentliche Institutionen. Davor, Abtrünnige zu töten, machen sie auch im Ausland nicht Halt. In der Dokumentation berichten ehemalige russische Agenten von den Methoden der Rekrutierung, von Gewalt und Gewissensnot, aber auch von der Unterdrückung aller Kritik in Russland. Im Ausland stoßen russische Agenten inzwischen in neue Dimensionen vor. Cyberagenten sind ein wichtiger Teil von Putins hybridem Krieg.

"Schrittweise Expansion zum hochmodernen Geheimdienststaat"

Der Film erzähle die Geschichte der Geheimdienste in der Ära Putin "als schrittweise Expansion zum hochmodernen Geheimdienststaat", erläutern die Autoren Florian Huber und Johannes Müller. Die Berichtenden seien "Menschen, die einmal mit Überzeugung Teil des Systems waren". Sie hätten sich dafür entschieden, die Seite zu wechseln und Auskunft zu geben, "auch wenn dies lebensgefährlich sein kann, wie Beispiele ermordeter Ex-Agenten in der Vergangenheit gezeigt haben."

Die Aussteiger zu ihren Aussagen vor laufender Kamera zu bewegen, sei eine große Herausforderung gewesen. "Denn gerade in Russland gelten öffentliche Aussteiger als gefährliche 'Verräter'. Sie aufzuspüren und von unserem Projekt zu überzeugen, war sicher die größte Herausforderung." Alle Aussagen wurden von westlichen Experten und ehemaligen Geheimdienstlern verifiziert. "Unter Putin hat sich das Machtgefüge verschoben. Militär und Wirtschaft sind nur noch sekundär. Die russische Föderation ist ein reiner Geheimdienststaat", sagt der deutsche Geheimdienstforscher Erich Schmidt-Eenboom zusammenfassend.

Putins Schattenmänner – Russische Agenten packen aus – Di. 24.02. – ZDF: 20.15 Uhr

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