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Franz Marc: Kraftstrotzende Hengste, müde Arbeitsgäule

Seine Tierbilder gehören schon seit langem zum allgemeinen Kulturgut. Eine Ausstellung widmet sich dem Schaffen von Franz Marc - und bringt Licht in das verworrene Liebesleben des Künstlers.

Blaue Pferde, gelbe Kühe, rote Rehe - jedes Kind kennt die expressiven Tierbilder des Malers Franz Marc. Über ihn selbst aber weiß man kaum mehr, als dass er eines der Mitglieder der Künstlergruppe "Blauer Reiter" war und viel zu früh, mit 36 Jahren, im Krieg bei Verdun starb. Dabei war sein kurzes Leben wild bewegt - und voller erotischer Verstrickungen. Das Lenbachhaus in München zeigt ab dem 17. September die größte Marc-Ausstellung, die es je gab: mit 96 Gemälden und zahlreichen Zeichnungen und Skulpturen - und bringt auch Licht in das verworrene Liebesleben des Künstlers.

Schön war er eigentlich nicht. Eher herb, ein südländischer Typ mit markanter Nase und feurigen Augen. Aber die Frauen lagen Franz Marc zu Füßen. Manchmal wusste er gar nicht, wie ihm geschah, wenn er mal wieder in drei zugleich verliebt war und sich absolut nicht entscheiden konnte. Da war Annette von Eckardt, die neun Jahre ältere Professorengattin, die sich den jungen Künstler als Liebhaber hielt und ganz offen mit ihm durch München spazierte: "Ein sehr auffallendes, ungleiches Paar". Dann Marie Schnür, genannt "Schnürchen", Künstlerin wie Franz Marc, elf Jahre älter, Mutter eines unehelichen Kindes, selbstbewusst und schön. Und Marie Frank, vier Jahre älter, Kunststudentin, nicht grade hübsch mit ihrem großflächigen Bauerngesicht, aber herzlich und klug. Dass sie Marcs eigentliche, ganz große Liebe ist, findet er erst nach schwersten Irrungen und Wirrungen heraus. Da ist er schon 28 Jahre alt und es bleiben ihm nur noch wenige Jahre zu leben.

Der Fasching brachte die Liebe

Als Marie Frank ihren Franz das erste Mal sieht, stolziert er an der Seite von Annette von Eckardt über den Münchner Bahnhofsplatz: "Eine kleine, dunkle Dame und ein großer, gut aussehender Mann, sehr besonders gekleidet. Er trug eine hohe schwarze Pelzmütze und eine kurze Jacke aus braunem Tuch mit Schnurverzierung an den Knöpfen, der man die Pelzfütterung ansah." So unerreichbar schien er ihr damals, dass sie sich jeden Gedanken an ihn verbot. Aber der Fasching führte Franz und Marie zusammen. Sie gaben sich dem Rausch der Bälle hin, und im Februar 1906 lud er sie zu einem Ausflug nach Kochel ein - mit Übernachtung. "Ach, diese Fahrt! Ich war so aufgeregt - so voller Zweifel, ob ich mich in diese - mir ganz aussichtslos erscheinende Verbindung hineinstürzen solle", schreibt sie später. "Das wusste ich ja genau, dass ich ihm ganz verfallen würde, wenn ich nachgab und ihm angehören würde."

Natürlich gibt sie nach und verliebt sich unsterblich. Er dagegen merkt gar nicht, was er da angerichtet hat, trauert Annette hinterher, die ihn verlassen hatte, und schreibt ziemlich rücksichtslos an Marie: "Die Wunde, die mir das Schicksal geschlagen, blutet und blutet; ich fühle es, ich werde noch viele Tränen zwischen deinen treuen, guten Brüsten weinen, und du wirst sie mir vergeben müssen, du Gute."

Ganz schön viel verlangt von einer verliebten Studentin. Franz Marc ist das egal, er will alles und alle: Annette, Marie und auch noch die andere Marie, das "Schnürchen". Den beiden Maries mutet er sogar eine Dreierbeziehung zu. Ein Foto von 1906 zeigt ihn mit den beiden Frauen auf einem Hügel am Kochelsee - alle nackt. Marie Schnür hingegossen wie Venus. Marie Frank zusammengekauert, als würde sie sich genieren, peinlich berührt von dieser Szene, die nun auch noch mit der Kamera für die Ewigkeit festgehalten war. Franz Marc räkelt sich genüsslich und lässt seine schönen Muskeln spielen.

Eigentlich will Marie Frank sich solche Zumutungen nicht mehr gefallen lassen. Aber die Liebe macht sie weich und mürbe. Immer wieder zwingt sie sich, Verständnis für ihren Franz zu haben: "Weiß ich doch, wie Du leidest." Ein Fehler, denn wenige Monate nach ihrem gemeinsamen Bergaufenthalt erklärt Franz ihr, dass er die Rivalin Schnürchen heiraten wird - angeblich, um deren unehelichem Sohn Klaus einen Vater zu geben. Maria ist am Boden zerstört.

"Mein Franz, mein Liebster, Liebster, wie ist mir das Herz heute schwer und wie entsetzlich drückt mich die Einsamkeit und Stille", schreibt sie. "Mutlos und verzweifelt" will sie ihn aber trotz allem "um so tiefer und inniger lieben" und ist doch "so krank am Leben". Unter "Unruhen", "Arbeitsunmöglichkeiten", "Selbst- und Nächstenquälereien" leidet sie. Er dagegen schreibt ihr brutal von Schnürchens "Schönheitsreichtum".

Vielleicht hätte Marie mehr kämpfen müssen. Vielleicht aber sieht sie ein, dass sie ihn nicht zwingen kann. Dass sie ihren Malerfreund laufen lassen muss, um ihn doch noch zu gewinnen. Und tatsächlich: So richtig überzeugt ist Franz nicht von seiner Entscheidung für Schnürchen. Er heiratet sie zwar, fährt aber noch am selben Tag nach Paris, streift "durch diese wunderbare Stadt wie ein Reh durch einen zauberhaften Wald", lässt sich von den Bildern van Goghs und Gauguins betören und spürt zum ersten Mal, "dass doch in mir etwas ist, was sie alle nicht haben, die anderen".

Seine Ehe mit "Schnürchen", so erkennt er bald, ist ein großer Irrtum: "Der Zustand mit ihr ist einfach fürchterlich." Und er hadert: "Wird mir das Schicksal wohl jemals die Dummheit verzeihen, die ich mit dieser Heirat angerichtet habe?" Endlich, weiß er: Marie Frank ist es, die er liebt und mit der er leben will. Alles andere waren nur "romanhafte Defekte".

1908 finden Franz Marc und Marie zusammen. Ihre Liaison ist zwar nicht "schicklich", weil Franz noch verheiratet ist. Aber auf einem Foto, aufgenommen an Maries 32. Geburtstag, sehen sie beide ziemlich vergnügt aus, wie sie da so an der reich gedeckten Kaffeetafel sitzen.

Idylle im Alpenvorland

Franz kommt nun endlich zur Ruhe, kann sich auf seine Kunst konzentrieren und malt Pferde, Pferde, Pferde. Mehr als hundert, große und kleine. Neugierige Fohlen, kraftstrotzende Hengste, müde Arbeitsgäule, sogar ein träumendes Pferd. Immer noch ist er oft unzufrieden mit sich selbst und quält sich, aber es geht voran. Marie versucht es ihm schön zu machen, bringt ihm das Essen in die Natur und nachmittags Kaffee und Kuchen. Mit Kater Rudi und Hund Russi haben sie sich ihre kleine Idylle im Alpenvorland geschaffen. Auch Marie malt wieder: Blumen, Äpfel und Heuhaufen. "Ja, was waren das für glückliche Zeiten, wie ahnungslos ist man gewesen", schreibt sie später, als Franz schon tot ist.

Ihre Eltern missbilligen die "wilde Ehe" und verbieten ihr, nach einem Besuch in Berlin wieder zurück zu Franz Marc zu fahren. Da ist Marie schon 34 Jahre alt, aber sie gehorcht. Er ist empört: "Zu Berlin bist Du ein völlig unnützes Möbel" schreibt er ihr und fleht, sie möge zurückkommen zu ihm, dem "Rittersporn, der sich fleißig nach Dir spornt".

Erst 1913 können sie heiraten, so lang dauert es, bis nach seiner Scheidung die Erlaubnis der Behörden zu einer neuen Ehe kommt. Grade mal ein Jahr bleibt ihnen nun noch, und Marie, die doch glücklich sein könnte, ist geplagt von "bangen Gefühlen", von der "Vorahnung dieser furchtbaren Katastrophe" des Ersten Weltkriegs.

Franz Marc wird an die französische Front eingezogen. Während sie den Krieg von Anfang an hasst, schreibt er am Anfang noch begeisterte Briefe aus dem Krieg. Erst als sein Künstlerfreund August Macke im September 1914 fällt, ist Marc ernüchtert. Freunden berichtet er vom "furchtbaren Fiasko" des Krieges, Marie allerdings beruhigt er: "Sorg Dich nicht; ich komme Dir wieder."

Aber er ist zermürbt. In seinem letzten Brief vom 4. März 1916 beschreibt er die "grenzenlosen, schaudervollen Bilder der Zerstörung, zwischen denen ich jetzt lebe". Der Gedanken an zu Hause hat jetzt "einen Glorienschein, der gar nicht lieblich genug zu beschreiben ist."

Franz Marc kehrt nicht zurück. Am selben Tag noch wird er erschossen - nicht an der Front, sondern bei einem Erkundungsritt auf seinem geliebten Pferd, grade mal ein Jahr nach seiner Hochzeit.

Dem Werk ihres Mannes gewidmet

Marie drängt allen Schmerz weg und stürzt sich in die Vorbereitung einer Franz-Marc-Ausstellung, die erste überhaupt. "Ich verwinde den Tod von Franz niemals", sagt sie, "wenn ich auch - mir selbst unerklärlich - eine merkwürdige Kraft und Stärke habe, das Leben, das ich nun ganz allein lebe, so in die Hand zu nehmen, dass ich weiterbaue - nicht von Erinnerungen zehrend, sondern innerlich zu reifen trachte, wie Franz durch die Erschütterungen des Krieges gereift war."

Marie Marc wird 78 Jahre alt und widmet sich fast nur noch dem Werk ihres Mannes. Dass die blauen Pferde, gelben Kühe und roten Rehe heute jedes Kind kennt, ist auch ein wenig ihr zu verdanken.

Anja Lösel

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18jähriger Kater und Welpe geht das?
Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich eigentlich nicht So gut auf Hunde zu sprechen also wenn ein Hund an seinem Garten vorbeigeht springt er schon hinterm Zaun ein bisschen hoch und fängt an zu fauchen. Denkt ihr nicht das Man wird vorsichtiger Eingewöhnung es schaffen könnte dass die beiden sich verstehen? LG und danke im Voraus