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Joop Swart Masterclass: Interview mit Samantha Appleton

Samantha Appleton wuchs im US-Bundesstaat Maine auf. Nach einem Studium der Fotografie arbeitete sie zunächst als Assistentin von James Nachtwey bevor sie sich selbständig machte.

Hallo Samantha, können Sie uns sagen, wie Sie zur Fotografie kamen?
Ich wusste eigentlich schon als Teenager, dass ich Journalistin werden wollte. Ich las schon früh die "New York Times", interessierte mich sehr inbesondere für humanitäre Themen. Ich begann zu schreiben und arbeitete auch zeitweise bei Dokumentarfilmen mit. Mein Ansatz war aber eigentlich immer mehr der journalistische

und erst dann der fotografische. Irgendwann ging ich dann nach New York und wurde Assistentin von James Nachtwey und von da an ging es immer weiter. Verfolgen Sie mir ihrer Fotografie ein übergeordnetes Ziel?
Zu allererst muss ich sagen, ich mag die Idee der "Massenmedien". Ich halte es nicht für sinnvoll, meine Bilder nur in einer Galerie zu sehen. Massenmedien eignen sich perfekt, Menschen einen Zugang zu meinen Fotos zu verschaffen, die sie normalerweise nicht sehen würden. Darüber hinaus möchte ich Geschichten erzählen, die überraschen und anders sind. Es sind Schicksale, die man vielleicht nicht so oft hört und sieht, die aber sehr wichtig sind. Ich möchte diesen Menschen, denen ich begegne, auch die Möglichkeit geben, sich zu äußern und mich als Sprachrohr zu benutzen, da sie ansonsten ungehört bleiben.
Gibt es einen Moment oder eine Begegnung in Ihrer fotografischen Arbeit, der sie besonders berührt hat?
Ja, das war im März 2004 in Kerbala im Irak. Dort explodierten während einer religiösen Feier sechs Bomben vor einer Moschee. Es war morgens, ich kam gerade von einem Nachteinsatz mit einem anderen Fotografen und wollte natürlich sofort vor Ort sein. Wir schnappten uns unsere Kameras und wollten raus aus dem Hotel. Aber vor dem Eingang kam uns eine aufgebrachte Traube von Menschen entgegen, die uns attackierten und versuchten, unsere Kameras zu stehlen. Wir flüchteten auf das Dach des Hotels und konnten nichts machen. Wir sahen von oben, wie sie die Leichen wegtrugen und wir konnten nichts machen. Wir wollten vor Ort sein und fotografieren, aber es ging nicht. Das war vielleicht mein schmerzlichster Moment in meiner Arbeit, nicht meinen Job machen zu können.
Könnten Sie sich vorstellen, beruflich etwas anderes zu machen?
Das einzige, was ich mir vorstellen könnte, wäre vielleicht, als Arzt oder ähnliches zu arbeiten. In meiner Arbeit begegne ich oft Menschen, die krank oder verletzt sind oder gar sterben. Mein natürlicher Impuls ist dann zu helfen. Manchmal kann ich es mit meiner Kamera, weil ich den Menschen und deren Schicksal damit Aufmerksamkeit verschaffen kann. Manchmal packe ich aber auch einfach nur an, bin einfach nur Mensch und helfe in der größten Not, mit den Mitteln, die ich als Nichtmediziner zur Verfügung habe.

Vielen Dank für das Gespräch

www.samanthaappleton.com

Dirk Claus
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