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Möbeldesigner Full Grown: Wenn aus Bäumen Stühle wachsen

Wie kann man möglichst ressourcenschonend Holzmöbel herstellen? Man lässt Bäume gleich in die richtige Form wachsen. Eine Möbelfarm in England züchtet Stühle, Lampen und Tische. Das Ergebnisse sind immer Einzelstücke.

Das Möbeldesignstudio Full Grown hat sich darauf spezialisiert, Holzmöbel wachsen zu lassen. Das braucht Zeit. Wer jetzt einen dieser Lehnstühle "The Nelson Armchair" bestellt, kann mit einer Lieferung frühestens 2023 rechnen. Mit dem Preis für diesen Stuhl hält sich Full Grown bedeckt..

Was ist das Gegenteil von Ikea? Full Grown. Beim schwedischen Möbelhersteller ist Geschwindigkeit alles, eine Fabrik schafft rund 30 Billy-Regale pro Minute. Die Möbel von Full Grown hingegen benötigen Jahre, bis sie fertig sind. Denn sie werden nicht aus Pressspan und Furnier zusammengeklebt, sondern sie wachsen. Aus der Erde, im Freien, auf einer Möbelfarm mitten in England.

Seit zehn Jahren beschäftigt sich Full-Grown-Gründer Gavin Munro mit der Kunst, Bäume durch geschicktes Binden und Formen so wachsen zu lassen, dass am Ende ein Möbelstück geerntet werden kann. Die Grundidee und die nötige Geduld hat sich Munro nach eigener Aussage bereits in der Kindheit angeeignet. Ein Bonsaibaum im Garten der Eltern, der aussah wie ein Stuhl, habe sich in sein Gedächtnis gebrannt, schreibt Munro auf der Website der Möbelfarm. Eine aufwändige Wirbelsäulenoperation im Kindesalter, in deren Folge sein Kopf mit einer Stützkonstruktion fixiert werden musste, habe ihn außerdem Geduld und Durchhaltevermögen gelehrt. Nach der Schule folgten ein Abschluss in Möbeldesign, eine Lehre bei einem Schranktischler und verschiedene Jobs, in denen Munro mit Naturmaterialien arbeitete. Zum Beispiel Treibholz, aus dem Möbel getischlert wurden. Neben den nötigen handwerklichen Fähigkeiten lernte Munro auch viel über Nachhaltigkeit und die Lebenszyklen von Materialien. „In meinem Studium an der Hochschule für Kunst und Design wurde uns auch beigebracht, darauf zu achten, wo die Materialien, mit denen wir arbeiteten, herkommen und was mit ihnen geschieht, wenn ihre Nutzungsdauer abgelaufen ist“, sagte Munro "The Creators Project". Aus diesem Wissen zog er die Schlussfolgerung: Die beste Möglichkeit, sparsam mit Material umzugehen, ist, das Holz gleich in die richtige Form wachsen zu lassen.

Das Portfolio von Full Grown ist überschaubar. Ein Stuhl, zwei Lampenmodelle und den Prototyp eines Tisches gibt es derzeit. Wer ein Stück kaufen möchte, muss ebenso geduldig sein wie die Macher. Die Warteliste für einen Stuhl reicht bis 2023. Für jetzt bestellte Lampen ist der angepeilte Liefertermin das Jahr 2020. Dann gibt's aber definitiv ein wahres Einzelstück.

san
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