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Vernachlässigt, ausgesetzt und vergessen: Von Menschen, die mit Tieren aufwuchsen

Sie könnten auch als Vorlage für das Dschungelbuch dienen: Immer wieder kommt es vor, dass Personen isoliert von der Zivilisation mit Tieren aufwachsen. Vom Leben mit Affenbanden und Wolfsrudeln - die stern-Fotostrecke zeigt die kuriosesten Fälle.

Marina Chapman, Kolumbien, entdeckt 1959  Sie soll fünf Jahre lang mit Affen gelebt haben: Das erste Foto aus der Reihe verwilderte Kinder erzählt die tragische Geschichte von Marina Chapman, die 1954 im Alter von fünf Jahren in Südamerika entführt und im Dschungel ihrem Schicksal überlassen wurde. Sie schloss sich einer Gruppe Kapuzineraffen an, mit der sie fortan durch die Wildnis zog.  Sie ernährte sich von Beeren, Wurzeln und Bananen, die die Affen fallen ließen. So lernte sie, was essbar war und was nicht. Sie bewegte sich auf allen Vieren und schlief in Baumlöchern. Als sie einmal eine Lebensmittelvergiftung hatte, führte sie ein älterer Affe zu einem Wasserbecken: Nachdem sie getrunken hatte, übergab sie sich und begann sich zu erholen. Als sie fünf Jahre später von Jägern im Dschungel entdeckt wurde, hatte sie ihre Muttersprache komplett verlernt. Daraufhin soll sie von den Jägern in ein Bordell verkauft worden sein, aus dem sie jedoch entkam. Fortan lebte sie auf der Straße. Danach soll sie von einer mafiösen Familie gefangengenommen worden sein, wurde jedoch von einem Nachbarn befreit, der sie an seine Tochter in der Hauptstadt übergab. Marina wurde gemeinsam mit den fünf leiblichen Kindern der Familie großgezogen. Als Teenagerin begann sie dann als Hausmädchen zu arbeiten und zog mit der Familie nach Großbritannien. Sie heiratete und bekam selber Kinder. Gemeinsam mit ihrer Tochter schrieb sie das Buch "The Girl with no Name".

Marina Chapman, Kolumbien, entdeckt 1959

Sie soll fünf Jahre lang mit Affen gelebt haben: Das erste Foto aus der Reihe verwilderte Kinder erzählt die tragische Geschichte von Marina Chapman, die 1954 im Alter von fünf Jahren in Südamerika entführt und im Dschungel ihrem Schicksal überlassen wurde. Sie schloss sich einer Gruppe Kapuzineraffen an, mit der sie fortan durch die Wildnis zog.  Sie ernährte sich von Beeren, Wurzeln und Bananen, die die Affen fallen ließen. So lernte sie, was essbar war und was nicht. Sie bewegte sich auf allen Vieren und schlief in Baumlöchern. Als sie einmal eine Lebensmittelvergiftung hatte, führte sie ein älterer Affe zu einem Wasserbecken: Nachdem sie getrunken hatte, übergab sie sich und begann sich zu erholen. Als sie fünf Jahre später von Jägern im Dschungel entdeckt wurde, hatte sie ihre Muttersprache komplett verlernt. Daraufhin soll sie von den Jägern in ein Bordell verkauft worden sein, aus dem sie jedoch entkam. Fortan lebte sie auf der Straße. Danach soll sie von einer mafiösen Familie gefangengenommen worden sein, wurde jedoch von einem Nachbarn befreit, der sie an seine Tochter in der Hauptstadt übergab. Marina wurde gemeinsam mit den fünf leiblichen Kindern der Familie großgezogen. Als Teenagerin begann sie dann als Hausmädchen zu arbeiten und zog mit der Familie nach Großbritannien. Sie heiratete und bekam selber Kinder. Gemeinsam mit ihrer Tochter schrieb sie das Buch "The Girl with no Name".

Es sind unglaubliche Geschichten, die über die Jahrhunderte in den verschiedensten Kulturkreisen dokumentiert wurden: Menschen, die oft schon in jungen Jahren entweder von ihren Eltern vernachlässigt, ausgesetzt oder zu Weisen wurden - und deshalb mit Tieren aufwuchsen und über längere Zeiträume lebten. Der nicht vorhandene oder mangelnde Kontakt zu Menschen führte zu einer teilweisen oder vollkommenen Verwilderung. Oft nahmen die Kinder Verhaltensweisen ihrer tierischen Vorbilder an: Sie bewegten sich auf allen Vieren, ernährten sich von rohem Fleisch und kommunizierten sogar mithilfe von Tiergeräuschen. 

Die Geschichten erzählen von tragischen Schicksalen, bei denen Eltern ihre Kinder wegen psychischer oder physischer Einschränkungen von sich wiesen. Die Wildnis wurde zu ihrer neuen Heimat. Nur in den wenigsten dokumentierten Fällen, gelang es den Kindern, sich nach ihrer Zeit unter Tieren wieder vollständig an Menschen zu gewöhnen. Auch für Wissenschaftler sind diese überaus seltenen Fälle besonders interessant: Forscher haben versucht, anhand der Fälle neue Erkenntnisse zu den Ursprüngen der Sprache zu gewinnen.

"Als Mutter von zwei Kindern entsetzt und fasziniert"

In einem Fotoprojekt hat sich die Fotografin Julia Fullerton-Batten nun den kuriosesten Fällen gewidmet, diese recherchiert und bildlich nachgestellt. Mit ihrer Serie hat sie es unter die Finalisten der "Magnum Photography Awards 2016" geschafft. "Als Mutter von zwei Kindern war ich gleichzeitig entsetzt und fasziniert, als ich erstmals von Fällen verwilderter Kinder erfuhr", so Fullerton-Batten. Nach dem Unverständnis darüber, wie Eltern ihre Kinder vernachlässigen oder verlieren können, habe sie auch große Bewunderung für die "stärke" der Kinder empfunden, "ihr Leben in völliger Isolation und unter extremen Umständen zu meistern." Jeder einzelne Fall übersteige die Grenzen davon, was vorstellbar sei.

Fullerton-Batten verfolgt mit ihrem Projekt das Ziel, die tragischen Geschichten der Kinder mithilfe emotionaler Aufnahmen darzustellen. Hierbei sei es ihr jedoch nicht darum gegangen, die Fälle möglichst realistisch darzustellen, sondern vor allem die Gefühle und Handlungen der verwilderten Kinder widerzuspiegeln. Der stern zeigt nun Fullerton-Battens Interpretationen dieser kuriosen Fälle - und die dazugehörigen Geschichten.

amt
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