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"Allmen und der rosa Diamant": Martin Suters neuer Allmen-Krimi

Der Schweizer Autor Martin Suter hat mit "Allmen und der rosa Diamant" den zweiten Allmen-Band herausgebracht. Darin verspricht sich der Lebemann endlich wieder einen Coup, der seinem notorischen Geldmangel ein Ende setzen soll.

Ist es ausgemachter Blödsinn oder tiefsinniges Lebensmotto, wenn Johann Friedrich von Allmen solche Sätze wie "Mit Geld fällt einem das Reichsein leichter" von sich gibt? Wer den ersten Band von Martin Suters Krimi-Reihe um den Schweizer Lebemann Allmen ("Allmen und die Libellen") gelesen hat, der weiß, dass der verschwenderische, an chronischer Geldnot leidende Gentleman seine lakonische Feststellung durchaus ernst meint. Die Gelegenheit, endlich mal wieder das große Loch in der Kasse stopfen zu können, bietet sich dem Selfmade-Detektiv im zweiten Band "Allmen und der rosa Diamant".

Vergnügliche Lesekost

Martin Suter setzt beim Leser auf Kenntnis des Vorgänger-Buches und verzichtet auf eine Erklärung, wie aus dem charmanten Müßiggänger ein Ermittler geworden ist, der gemeinsam mit seinem Diener, Freund und Partner Carlos eine Detektei für Kunstdiebstahl gegründet hat. Sowohl die Tatsache, dass er "Allmen International Inquiries" angeblich weltweit operieren lässt, als auch sein Motto "The Art of Tracing Art" (Die Kunst der Fahndung nach Kunst) sind bezeichnend für Allmens Großspurigkeit. Sie machen den Mann aber keineswegs unsympathisch - im Gegenteil.

Nun also soll Allmen den millionenschweren rosa Diamanten finden, von dem er zunächst annimmt, dass es sich um ein Schmuckstück handelt. Seine und Carlos’ Ermittlungen bringen ihn auf die Spur des Russen Sokolow, mit dem er sich anfreundet und der tatsächlich im Besitz des "Kleinods" ist. Sokolow wird umgebracht, die Täter und andere undurchsichtige Typen jagen nun Allmen. Alles, was sich nun abspielt, ist leicht verdauliche und vergnügliche Lesekost.

Der wahre Chef

Der Schweizer Erfolgsautor hat mit Allmen einen Typ geschaffen, dem er nicht nur seine eigenen Kenntnisse aus der Welt der Reichen und Schönen vermitteln kann, sondern auch eine ironische Seite verpasst. Zudem vereint der weltgewandte Ermittler Eigenschaften bekannter Figuren aus einschlägiger Kriminalliteratur. So besitzt Allmen die Schlitzohrigkeit eines Arsène Lupin, das Genießer-Gen eines Commissario Brunetti und die Eleganz eines Inspector Lynley.

Gelungen ist auch Allmens Gegenstück Carlos, das Faktotum aus Guatemala. Der ebenso wortkarge wie schlaue Butler, der hier - im Gegensatz zum ersten Band - mehr Kontur erhält und rein finanziell gesehen inzwischen eigentlich der wahre Chef der Detektei ist, entpuppt sich als Computergenie, was für die Lösung dieses Falls ungemein wichtig ist. Die legere, heitere Gangart der beiden macht locker wett, was dem Roman mitunter an Schlüssigkeit und Rasanz fehlt. Man darf sich auf den nächsten Allmen-Band freuen: Dann wird, wie sich bereits andeutet, wohl eine Frau die Dritte im Bunde sein.

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