Berlin ruft, und Barbara Schöneberger sowie Hazel Brugger haben laute, aber auch "gute" Stimmen. Am hochklassigen Moderations-Duo sollte die Qualität des deutschen ESC-Beitrags am 16. Mai in Wien also nicht scheitern. Doch können auch Songs und Performances mithalten? Für die Show "Eurovision Song Contest 2026 – Das Deutsche Finale", welche in Berlin-Adlershof steigt, wurden vom diesmal federführenden SWR neun Künstlerinnen und Künstler ausgesucht, die sich Hoffnungen auf das Wien-Ticket machen dürfen.
Hört und sieht man sich die Titel an, die sämtlich zumindest in einem Videoausschnitt vorliegen, wird deutlich: Man möchte dem Publikum eine große Vielfalt an Stilen und Interpreten bieten, um nicht Gefahr zu laufen, eine Möglichkeit "zu verpassen". Ob auf diesem Jahrmarkt der Pop-Stile dann tatsächlich auch der eine bärenstarke Song dabei ist, ein Lied, das etwas Besonderes ausstrahlt, ist eine andere Frage. Beim Modus hat man sich 2026 für ein zweistufiges Verfahren entschieden, das offenbar eine internationale Perspektive sicherstellen soll. Wir erinnern uns: Rührten die Deutschen beim Vorentscheid in ihrem eigenen Brei, resultierten daraus zuletzt eher niederschmetternde ESC-Ergebnisse.
So kommt es also, dass nun eine internationale Jury von 20 Musikexperten aus ebenso vielen Ländern im Laufe der Show ihre Top-Drei aus den neun Songs auswählt. Daran schließt sich ein Publikumsvoting an. Per SMS, App oder Telefon kann man abstimmen, welcher der verbliebenen drei Acts Deutschland in Wien vertritt.
Die bekannteste Sängerin im Feld vieler Newcomer dürfte Sarah Engels (33) aus Köln sein, die schon in verschiedenen deutschen Musikshows wie DSDS als Sängerin aktiv war. Von von 2013 bis 2021 trug sie den Namen Sarah Lombardi. Mit "Fire" trägt sie den am deutlichsten am Dance-Pop orientierten Song des Abends ins deutsche Finale. Ebenfalls bekannt aus dem Fernsehen: die sympathisch natürliche Malou Lovis (26, Berlin) sein. Sie gewann die 13. Staffel von "The Voice of Germany" und verbindet in ihrem Song "When I'm With You" eine schöne Soulpop-Hookline mit einem Hauch Max Mutzke-Feeling.
Italo-Discobeats treffen Polska-Pop
Gleich eine ganze Girlband bringen Dreamboys The Band mit ihrem Titel "Jeanie" auf die Bühne. Die vier Berliner Singer-Songwriterinnen setzen auf verträumte Leichtigkeit, Satzgesang und erinnern ein bisschen an die Frauenband HAIM.Ins knapp weiblich (5:4 lautet das Geschlechterverhältnis) dominierte Bewerberfeld sortiert sich auch Laura Nahr aus Magdeburg ein: "Wonderland" ist ein kraftvoller Song über die Schwierigkeiten, erwachsen zu werden, und kommt durchaus mit fordernden melodischen Sprüngen und rhythmischer Vetracktheit daher. Molly Sue aus Laboe bei Kiel sammelte Erfahrungen bei "The Voice Kids" und "DSDS" und bringt mit ihrem Song "Optimist (Ha Ha Ha)" die einzige klassische Ballade des Neunerfeldes auf die Bühne. Dazu erzählt die Mittzwanzigerin die Geschichte ihrer chronischen Krankheit.
Blieben die Herren des Abends: Der 23-jährige Brillenträger Bela aus Berlin erzählt zu modernen Beats in "Herz" von Liebe, Selbstzweifeln und dem Mut, Nähe zuzulassen. Ein leichter Song, der eher gerappt als gesungen ist und auf den Authentizitätsfaktor setzt. Ein Beitrag, der im ESC-Umfeld bestenfalls Außenseiterchancen haben dürfte. Ebenso wie der dramatische Gitarrenpop von wavvyboi (27, Liechtenstein), der mit seinem Song "Black Glitter" auf Androgynität und Drama setzt. Das Angebot komplett machen der 25-jährige Berliner Myle mit "A OK" und der klar komödiantischste Beitrag des Abends, "Ciao Ragazzki". Dessen Interpreten Ragazzki (ebenfalls aus Berlin) sind das Duo Marti Fischer (35) und David "Miirtek" Starosciak (33), die in ihrem bewusst brachialen Beitrag Italo-Discobeats mit Polska-Pop mischen. Sozusagen die "laute" Variante eines ESC-Beitrags. Welche drei Songs in die Endauswahl und damit ins Publikums-Voting kommen respektive welcher davon obsiegen wird – nach drei Stunden werden gegen 23.15 Uhr die Würfel gefallen sein.
Eurovision Song Contest 2026 – Das Deutsche Finale – Sa. 28.02. – ARD: 20.15 Uhr