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Ein Plädoyer für Pärchensex: Sind wir ehrlich: Richtig guten Sex hat man nur in einer festen Beziehung

Paare, die schon länger zusammen sind, können gar keinen aufregenden, heißen Sex mehr haben. So lautet zumindest ein gängiges Vorurteil. Unsere Autorin ist der Meinung: Das ist völliger Blödsinn. Richtig guten Sex hat man vor allem in festen Beziehungen. 

von Maren Merken

Ein Paar kuschelt auf der Couch

Kann man richtig guten Sex nur mit seinem festen Partner haben? 

Hach, das Single-Dasein. Da ist alles so leicht und unbeschwert und irgendwie verbindet man Single-Sein auch mit durchtanzten Nächten, aufregenden Flirts und ja, auch mit atemberaubendem, spannendem Sex. Mit solchem Sex, an dem man sich noch nach Jahren erinnert: heiß, häufig, hemmungslos. Aufregend, animalisch, außergewöhnlich.

Obwohl, da war doch was? War der Single-Sex nicht der mit dem Typen, der irgendwie nicht so richtig wusste, wohin mit seinen Händen und der das Wort Klitoris noch nie gehört hatte – oder zumindest noch nicht von der Lokalisierung eben dieser? Oder dieser alkoholgetränkte, der eher einem Stochern als einem rhythmischen Stoßen glich?

Den vertrauten Sex mit dem Partner nimmt man plötzlich als öde wahr

Wenn man länger in einer Beziehung ist, tendiert man dazu, das Single-Dasein und das damit verbundene Kribbeln im Bauch oder in tieferen Regionen zu glorifizieren. Plötzlich haben alle ein aufregendes Leben zwischen spontanen Afterwork-Drinks, aufgeheizten Bar-Talks, ersten Dates und heißen One-Night-Stands – nur man selbst, man selbst ist eben in dieser einen exklusiven, festen Beziehung, in der es im Alltag eher um Wäsche waschen als "an die Wäschen gehen" geht. Und wenn man gerade das Gefühl hat, dass alles so minder aufregend ist, stolpert man online über Titel der großen Frauenmagazine, die statuieren So geht leidenschaftlicher Sex trotz Beziehung! Oder Tipps gegen Flaute im Bett: Gleicher Kerl, besserer Sex! Und schon erwischt man sich bei dem Gedanken, Mensch, ich wäre auch gern mal wieder Single. Den süßen Surferboy vernaschen, der einem hinter der Lieblingsbar immer so süß zuzwinkert, oder dem Tinder-Match von anno dazumal schreiben und schauen, was sich daraus ergibt.

Den wunderbaren, vertrauten Sex mit dem eigenen Partner nimmt man plötzlich als öde wahr und spontane One-Night-Stands laufen – zumindest im Kopf  – außer Konkurrenz. Das ist irgendwie illusionär und unser Hirn spielt uns einen Streich: Natürlich gehört zum Single-Sein auch dieses aufregende Knistern, wenn man jemanden trifft, mit dem es vielleicht mehr als nur ein Plausch an der Bar werden soll. Aber sind wir ehrlich – was danach eventuell folgt, ist im Gros der Fälle eher traumatisch als traumhaft; zumindest war das bei mir bisher so.

Willkürliche One-Night-Stands sind tendenziell eher durchschnittlich

Wenn ich meine eigenen sexuellen Erlebnisse als Single oder auch die von Freundinnen im engeren Dunstkreis analysiere, kann ich sagen: Willkürliche One-Night-Stands sind tendenziell eher durchschnittlich. Es mag zur Entwicklung dazu gehören, sich auszuprobieren, wechselnde Partner zu haben und zu wissen, wie es sich anfühlt, fremde Haut zu spüren, zu riechen, zu schmecken. Mit richtig gutem Sex hat das aber nur in den seltensten Fällen etwas zu tun – das ist zumindest meine Erfahrung. Vielleicht ist es eher das Verruchte, das uns reizt, als der Akt an sich. Sicher, der Typ, der nicht wusste, wo er die Klitoris lokalisieren sollte, hätte sich besser informieren können. Und auch der betrunkene Stocherer hätte sich mehr Mühe geben können – aber auch das wäre nicht unbedingt ein Garant für ein großes Oh gewesen. Man muss den weiblichen Körper kennen, um Genuss zu verschaffen. Und der ist nun mal bei allen Frauen unterschiedlich.

Man muss sich wohl erst drei-, vier-, fünfmal ausprobieren, bevor man weiß, was der andere mag, was ihn anmacht, was ihn oder besser sie zum Kommen bringt. Und diese Testrunden sind bei einem One-Night-Stand schlichtweg nicht eingerechnet. Heißt auch: Am besten kennen wir selbst unseren Körper. Oder halt der langjährige Partner, der ihn über Wochen, Monate, Jahre erforscht hat. Vielleicht gibt es ihn auch: den unbeschreiblich grandiosen One-Night-Stand-Sex, über den man in Hochglanzmagazinen oder auch in manchen Foren liest. Dann bleibt mir nur zu sagen: Ich persönlich habe ihn noch nie erlebt.

Ich finde: Als Frau hat man richtig guten Sex vor allem in Beziehungen

Ich weiß nicht, wann es angefangen hat, dass eine Beziehung plötzlich ein Negativ-Attribut geworden ist. Manchmal wird man ein bisschen naserümpfend angesehen, wenn man sagt, dass man einen festen Partner hat. Männer, die in Männerrunden die eigene Freundin erwähnen, werden belächelt und klar: Der sexuelle Aspekt ist immer großer Teil dieser Vorverurteilung. Es wird gefragt: Wie oft habt ihr denn noch Sex? Aber selten danach, wie gut der Sex ist oder wie zufrieden man damit ist. Denn das Vorurteil Nummer eins ist eigentlich immer Jemand, der in einer langen Beziehung ist, kann partout nicht so guten Sex haben wie jemand, der sich als Single kurzzeitige Befriedigung über One-Night-Stands holt.

Ich persönlich bin mittlerweile der festen Überzeugung: Als Frau hat man richtig guten Sex vor allem in Beziehungen. Heute, mit 30, weiß ich: Bisher kommt nichts dran, an Sex mit aufrichtigen Gefühlen. Auch wenn man dieses Blabla von Vertrauen in seinen Mittzwanzigern uncool fand, ist es doch wahr. Nur wer sich vertraut und nicht mehr in der Position ist, besonders cool sein oder außergewöhnlich gut aussehen zu müssen, kann Sexualität mit allen Sinnen genießen. Menschen lieben Menschen und Menschen lieben Sex – und wenn diese beiden Dinge zusammen kommen, nämlich Sex mit dem Menschen, den man liebt, dann ist das eine unschlagbare Kombination.  

Nach One-Night-Stands weiß man zumindest, was man nicht will

Das hier ist ein Plädoyer für Pärchensex. Der gut ist, wunderbar; ja sogar aufregend, animalisch, außergewöhnlich. Egal, ob sein Image anderes besagt oder man sich manchmal langweilig fühlt, weil man eben nur mit dem oder der einen schläft.

Und auch saloppe One-Night-Stands haben ihre gute Seiten: Nach den meisten weiß man zumindest, was man auf keinen Fall will.


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