Gardasee Alte Liebe rostet nicht

Er ist nicht der schönste See Italiens. Trotzdem war er das Sehnsuchtsziel der Fünfziger: der Gardasee. Höchste Zeit, ihm einen Besuch abzustatten.
Von Gesine Unverzagt

Am Gardasee hat der Fremdenverkehr eine lange Tradition. Schon im 19.Jh. war der See beliebtes Ziel wohlhabender Mailänder, reicher Österreicher und gestresster Deutscher. Das milde Klima, die feinen Hotels und die Heilquellen lockten nicht nur betuchte Familien hierher, Dichter und Denker lobten die Schönheit der Landschaft, allen voran Goethe, der von der "Anmut" des Gardasees schwärmte. Der englische Schriftsteller D.H. Lawrence bezeichnete den Gardasee gar als die "schönste Landschaft der Welt."

Eine Bootsfahrt auf dem Lago ist die beste Art, sich den ersten Überblick zu verschaffen. Am Pier von Bardolino wartet Aldo Giarbini, ein Klischee von einem Italiener: silbergraues, gegeltes Haar, schwarze Sonnenbrille, ein Blouson in hellgelb, hochgeschlagener Kragen. So steht er am Quai, milde lächelnd. Der Beau ist Kapitän eines 1926 erbauten, hölzernen Segelboots, das auf einen Segeltörn auf dem Lago di Garda hinausfahren wird. Mit dabei ist sein Bootsjunge Alessandro. Bis zu zwanzig Personen haben Platz auf dem Oldtimer, um bei einer Tagestour auf dem mit 370 Quadratkilometern größten italienischen Binnengewässer eine Bootstour zu genießen. Der Ausblick auf die herrliche Landschaft, auf prächtige Villen und Herrenhäuser in Rot und Gelb, auf prunkvolle Hotels, malerische Ortschaften und Hafenbecken voller Atmosphäre ist großartig. Im Norden ist der See eingerahmt von steilen Bergen und Felsen, im Süden umgeben von mediterraner Landschaft mit Palmen, Pinien, Zypressen, Olivenbäumen und Weinreben.

Traumberuf: Capitano

Sein ganzes Leben hat Aldo hier verbracht, er kennt sich aus und ist mächtig stolz auf seine Heimat. "In der roten Villa dort lebte die Geliebte von Mussolini", erzählt er und zeigt auf ein rotes Herrenhaus direkt am See. Er kommentiert jedes Haus, kennt die Besitzer und deren Geschichten. Mit einer wahren Engelsgeduld erklärt er den Kindern wie das Segel gehisst wird, wie die Winde stehen müssen und was es bedeutet, ein großer Kapitän zu sein. "Der See ist sehr tief, an manchen Stellen bis zu 350 Meter", sagt er einem staunenden Jungen, der sich für den Beruf des Capitano zu begeistern scheint. "Im Hochsommer, wenn zu viele Touristen hierher kommen, ist es auf dem See sehr voll. Dann kann es gefährlich werden, wenn Windsurfer mit hoher Geschwindigkeit den See durchkreuzen."

Heute jedoch ist es friedlich, die Segler genießen den lauen Wind und den Blick auf die mit Zypressen gespickte Landschaft am Hang. Es geht vorbei an Garda mit dem venezianischen Palazzo di Capitani, vorbei an der Landzunge der Punta San Vigilio, mit aus dem See ragenden Klippen, der vornehmen Villa Guarienti di Brenzone und der hübschen Kapelle San Vigilio. Besonders malerisch ist die kleine Isola di Grada, im Privatbesitz des Fürsten Borghese-Cavazza, mit einem venezianisch-neogotischen Schloss. Der hübsche Ort Salò liegt in einer hufeisenförmigen Bucht am Westufer. "Salò war einige Jahre Amtssitz der faschistischen Regierung Mussolinis", weiß Aldo zu berichten. "Heute ist der Ort beliebter Erholungsort italienischer Prominenz."

Land des Genießens

Nach einiger Zeit auf dem See, taucht Schiffsjunge Alessandro aus dem Bauch des Schiffes auf und offeriert köstliche Antipasti. Während das Schiff lautlos über das Wasser gleitet, genießen die Besucher Schinken und Melone, Insalata Caprese, gebratene Auberginen und Zucchini und gewürzte Hähnchenkeulen. Das Essen dieser Region ist leicht und bekömmlich. Italiener achten beim Essen weniger auf den Preis, Qualität ist wichtig. Die feineren Lokale sind eher am Westufer des Sees zu finden, dafür gibt es im östlichen Teil Trattorien und preiswerte Pizzerien, besonders beliebt bei Kindern. Die Oliven- und Zitronenhaine, die Weinberge sind exemplarisch für die kulinarischen Genüsse diese Region. Regionale Spezialität ist die Gardasee-Forelle.

Noch heute ist der Gardasee beliebtes Reiseziel. Hervorragendes Essen und Hotels aller Kategorien machen das Gebiet zum geschätzten Feriengebiet für die ganze Familie. Wer mit seinen Kindern oder Enkelkindern anreist, dem bieten sich zahlreiche Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung, wie zum Beispiel das Gardaland, ein riesiger Vergnügungspark mit einer Robben- und Delphinshow. Auch der Aqua Paradise Park mit Wasserrutschbahnen, Wellenbad und Pool mit konstanten 25 Grad begeistert Groß und Klein.

Genießen wie Goethe

Eine wunderbare Art, den See zu entdecken, ist mit einem gemieteten Fahrrad auf dem Radweg entlang der Seepromenade. Zahlreiche Eiscafés locken mit köstlichen Gelati. Samstags ist Wochenmarkt in Bardolino. Beim Schlendern über den Markt kann man Käse probieren, Kräuter und Honig kaufen und über den touristischen Kitsch staunen, der in Mengen angeboten wird.

Nach einer Fahrradtour ist das Hotel Cæsius Thermæ und Spa in Bardolino der richtige Ort, um sich verwöhnen zu lassen. Das Haus mit eigener Mineralwasserquelle hat zwei Swimmingpools mit Kinderbecken und einen großen Gesundheits- und Wellnessbereich. Auf 3000 Quadratmetern findet der Gast Entspannung im Wellness-, Thermal- Ayurvedazentrum und Beautyfarm. Besonders beliebt ist das Hotel wegen der Trinkkuren mit dem Heilwasser aus eigener Quelle. Die Kinder sind im Schwimmbad bestens aufgehoben, während Mama ein Gesichtspeeling erhält und Papa in der Sauna schwitzt.

Und was gibt es Schöneres, als es am Ende des Tages Goethe gleichzutun und am See zu entspannen, die flanierenden Menschen zu beobachten, die Sonne zu genießen und sich am Flair Italiens zu erfreuen.

Allgemeine Reiseinformationen
Der Gardasee im Internet
www.gardainforma.com
www.lagodigarda.it
www.agriturismovacanze.com
Anreise
Mit der Lufthansa oder mitRyanair ab Franfurt-Hahn und Bremen nach Verona odermit eigenem Auto.
Reiseführer
Marco Polo "Gardasee" 8,95€
Merian live "Gardasee" 7,95 €
DUMONT richtig reisen "Oberitalien" € 24,95
Buchungen:
Der Gardasee ist ein Ziel für jeden Geschmack und für jeden Geldbeutel. Wohnen in Villen ist ebenso möglich wie im gemütlichen Familienhotel. Auch der Campingplatz mit Blick auf den See ist eine Alternative.
Die Hotelgruppe Europlan hat in sieben verschiedenen Ortschaften rund um den Gardasee Hotels unterschiedlicher Kategorie im Programm. Neben denKinderermäßigungen, werden dort ein Kinderfrühstücksbuffet und Kindermenüs angeboten. Einige der Hotels haben Kinderspielplätze und Kinderpools. www.europlan.it
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