Hervorragende Kritiken, zahlreiche Auszeichnungen – und eine Nominierung bei den Oscars: "Das Lehrerzimmer" zeigte vor wenigen Jahren eindrücklich, was das deutsche Kino zu leisten imstande ist. Mit Leonie Benesch als herausragender Hauptdarstellerin ergründete das Drama, wie sich gesellschaftliche Schieflagen und Konflikte im fragilen Schulsystem spiegeln. ARTE zeigt den bei der Berlinale 2023 uraufgeführten Film von Regisseur Ilker Çatak, der zusammen mit Johannes Duncker auch das Drehbuch erarbeitete, nun zur Primetime als Free-TV-Premiere.
Unter anderem wurde "Das Lehrerzimmer" beim Deutschen Filmpreis mit fünf Lolas prämiert (darunter bester Film, beste Regie und beste weibliche Hauptrolle) und gewann bei den Berliner Filmfestspielen den Arthouse Cinema Award der CICAE. Vor allem aber ging das Drama 2024 ins Rennen um den Oscar für den besten ausländischen Film, wo es sich schließlich Jonathan Glazers "The Zone of Interest" geschlagen geben musste. Die Fachjury von German Films erklärte die Auswahl des "hochaktuellen, universellen Kinofilms, dem man sich nicht entziehen kann" für die Oscars wie folgt: "Ilker Çatak nimmt den Mikrokosmos Schule als Bühne gesellschaftlicher Erosionsprozesse im postfaktischen Zeitalter."
An den eigenen Idealen zerbrechen
Erzählt wird eine ebenso mitreißende wie feinfühlige Geschichte: Carla Nowak (Leonie Benesch, "Der Schwarm") ist ganz neu am Gymnasium, unterrichtet dort Sport und Mathematik. Turnübungen und Rechenaufgaben rücken für sie aber bald in den Hintergrund. Es kommt zu einer Serie von Diebstählen, und weil einer ihrer Schüler verdächtigt wird, beschließt sie, der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Nur mit besten Absichten ausgestattet und voller Elan rennt sie voll gegen die Wand.
Da sind Eltern, die Dinge sagen wie: "Wenn mein Junge klaut, breche ich ihm die Beine." Da sind Schüler, die sich nicht anders als mit Gewalt zu behaupten wissen, und dann sind da eben die Lehrer, die ihre pädagogische Verantwortung im verkrusteten System Schule längst vergessen haben. Am Ende droht Carla an ihren eigenen Idealen zu zerbrechen.
"Das Lehrerzimmer" ist eine dieser Geschichten, aus der am Ende eigentlich niemand ohne Schaden herausgeht. Hinter dem Film steckt einer, der weiß, wie's geht: Regisseur Ilker Çatak inszenierte zuvor unter anderem den gefeierten "Tatort: Borowski und der gute Mensch" (2021, mit Lars Eidinger), davor gewann er mit dem Drama "Es gilt das gesprochene Wort" (2019) den Deutschen Filmpreis. Sein neuer Film "Gelbe Briefe" ist auch bei der diesjährigen Berlinale im Wettbewerb zu sehen.
Das Lehrerzimmer – Mi. 18.02. – ARTE: 20.15 Uhr