Ukrainekrieg
"Kanonenfutter" – Russlands Rekrutierungsnetzwerk in Afrika

Mit lukrativen Arbeitsverträgen werden afrikanische Söldner von Russland an die Front gelockt (Symbolbild)
Mit lukrativen Arbeitsverträgen werden afrikanische Söldner von Russland an die Front gelockt (Symbolbild)
© ZUMA Press Wire / Imago Images
Aus Uganda an die Front: Russland hat in Afrika offenbar ein Rekrutierungsnetzwerk aufgebaut, um Soldaten in die Ukraine zu schicken. Mehrere Länder warnen vor einer "Falle".

Ein schneebedeckter Wald und mittendrin eine Gruppe Soldaten, die ein ugandisches Lied singt – und auf einmal im Hintergrund eine Stimme, die sie auf Russisch als „Kanonenfutter“ bezeichnet: Ein in Online-Netzwerken kursierendes Video hat in Uganda für Empörung gesorgt. Und es brachte ans Licht, dass es neben Kenia und Südafrika offenbar auch in Uganda ein regelrechtes Rekrutierungsnetzwerk gibt, mit dem Männer für die russische Armee an die Front in der Ukraine geschickt werden.

Das afrikanische Land hat während der seit 40 Jahren andauernden Herrschaft von Präsident Yoweri Museveni enge Beziehungen zu Moskau aufgebaut und viel militärische Ausrüstung gekauft. Bei UN-Abstimmungen zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine enthielt sich Kampala demonstrativ der Stimme.

Russland und Uganda pflegen enge Verbindung

Doch die Rückendeckung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin erfolgt offenbar nicht nur stillschweigend. Bereits im März 2023 schrieb Präsidentensohn Muhoozi Kainerugaba in Online-Netzwerken: „Nennt mich ruhig einen 'Putinisten', aber wir, Uganda, werden Soldaten zur Verteidigung Moskaus entsenden, sollte es jemals von den Imperialisten bedroht werden!“ Zum Zeitpunkt dieser Äußerungen war Kainerugaba ein hochrangiger Kommandeur, heute ist er Oberbefehlshaber der Armee.

Uganda ist bekannt für seine gut ausgebildeten und hochqualifizierten Soldaten, sie stellen beispielsweise wichtige Kontingente für die internationale Truppe in Somalia. In der Vergangenheit waren sie in Ländern wie Afghanistan und Irak aktiv, die Veteranen von den dortigen Einsätzen sind kampferprobt.

Ein Vertreter des Veteranenverbandes Special Returnees Association berichtete der Nachrichtenagentur AFP, dass einige ihrer 20.000 Mitglieder zuletzt ins Visier Russlands geraten seien. Ein Anwerber habe Veteranen beispielsweise offiziell Arbeitsverträge in Israel angeboten - um sie dann nach Russland zu schicken.

Er wisse von „mehr als zehn“ Veteranen, die nach Russland gegangen seien, drei von ihnen seien dort ums Leben gekommen, sagte der Veteranen-Vertreter, der anonym bleiben wollte. „Wir haben ihnen gesagt, dass sie mit einer Kugel im Kopf sterben und ihre Leichen im Eis begraben oder den Geiern überlassen werden.“

„Seht nur, wie viel Kanonenfutter es hier gibt“

Ähnlich äußert sich die russische Stimme in dem von einem pro-ukrainischen Konto verbreiteten Video von den singenden Soldaten, wo der Ort unklar ist. Ganz klar aber ist auf Russisch zu hören: „Seht nur, wie viel Kanonenfutter es hier gibt. Und sie singen. Sie sind fröhlich.“ Und weiter sagt die Stimme: „Jetzt gehen sie an die Front und dann singen sie anders.“

Wie viele Ugander für die russischen Truppen in der Ukraine rekrutiert wurden, ist unklar. Offizielle Zahlen dafür gibt es nicht. Allerdings erfuhr AFP aus Geheimdienstkreisen, dass im August neun Männer auf dem Flughafen Entebbe auf dem Weg nach Russland abgefangen wurden. Sie gehörten demnach zu einer Gruppe von mehr als hundert Ugandern mit militärischer Erfahrung, die „verdeckt rekrutiert“ worden und in mehreren Kleingruppen ausgereist seien.

Im Zusammenhang mit den im August festgenommenen neun Männern sei ein russischer Staatsbürger festgenommen worden, hieß es weiter. Er sei aber später freigelassen worden, die Ermittlungen seien ins Stocken geraten. Ansonsten wurden bisher keine Einsätze der ugandischen Behörden gegen mutmaßliche Schleusernetzwerke gemeldet. Aus Sicherheitskreisen hieß es, dass einige ugandische Rekruten nun über Kenia nach Russland ausreisten.

Immer wieder werden afrikanische Söldner an die Front gelockt

Kenia hatte Moskau erst in der vergangenen Woche vorgeworfen, Staatsbürger nach Russland zu locken und als „Kanonenfutter“ an die Front in der Ukraine zu schicken. Südafrikas Regierung hatte wiederum im November erklärt, „Notrufe“ aus der heftig umkämpften ostukrainischen Region Donbass erhalten zu haben. Die Männer im Alter zwischen 20 und 39 Jahren seien „unter dem Vorwand lukrativer Arbeitsverträge“ dazu „verleitet“ worden, sich Söldnertruppen anzuschließen.

In Uganda sorgt derweil das Video von Richard Akantoran für Wirbel, ein Putzmann aus der Hauptstadt Kampala. Er floh nach eigenen Angaben aus seiner russischen Einheit und ist nun in den Händen der Ukraine. In einem von der ukrainischen Armee veröffentlichten Video berichtet er, ihm sei eine Stelle in einem Supermarkt oder als Wachmann in Russland versprochen worden. Dort angekommen, sei er gezwungen worden, einen Vertrag mit der Armee zu unterzeichnen. Ein Soldat habe ihm „eine Waffe an den Kopf gehalten und gesagt: „Unterschreib' diese Papiere“.

Im Februar 2024 hatte die ugandische Regierung im Internet eine Nachricht des russischen Botschafters geteilt, in der es hieß, Russland biete „unbegrenzte Möglichkeiten für junge Menschen“. Akantoran fleht nun: „An meine afrikanischen Landsleute ... tappt nicht in die Falle.“

AFP
pgo / Joris Fioriti

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