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Mega-Krach der Volkswagen-Bosse VW-Patriarch Piëch schießt gegen Winterkorn


Die beiden mächtigsten Männer des VW-Konzerns liegen im Clinch: Aufsichtsrats-Boss Ferdinand Piëch greift Vorstandschef Martin Winterkorn offen an und blockiert ihn als seinen Nachfolger.

Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch rückt laut einem "Spiegel"-Bericht völlig überraschend ab von Konzernchef Martin Winterkorn. "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Piëch dem "Spiegel". Ein Konzernsprecher wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Die "Spiegel"-Darstellung kommt einem Erdbeben im VW-Reich gleich. Piëch hatte die Konzernspitze vor Winterkorn selber geführt, zu dem er jahrzehntelang ein großes Vertrauensverhältnis besaß. Die Familien Porsche und Piëch besitzen die Stimmenmehrheit bei Volkswagen. Piëch gilt als VW-Machtzentrum. Ohne ihn fällt keine zentrale Entscheidung.

Das Tandem Winterkorn/Piëch galt auch als der Weichensteller für die mittelfristige Zukunft. Winterkorns Vertrag läuft Ende nächsten Jahres aus, dann geht er auf die 70 zu. Piëch wird Ende April 78.

Winterkorn galt als sicherer Nachfolger Piëchs

Konzerninsider berichteten zuletzt stets übereinstimmend, dass Winterkorn Piëch an der Spitze des Kontrollgremiums ablösen dürfte. Nur der Zeitpunkt schien unklar. Im Interview mit dem stern hatte Winterkorn sich kürzlich eine mögliche Vertragsverlängerung als Vorstandschef offen gelassen. Zugleich erklärte er, er könne sich gut vorstellen, in den Volkswagen-Aufsichtsrat einzuziehen. Vor diesem Hintergrund hat nun ein weiterer Satz von Piëch Gewicht. Dem "Spiegel" sagte er: "Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen."

In Verbindung mit der Aussage über die Distanz zu Winterkorn wirbelt das die Perspektiven für die Führungsspitzen des größten Konzerns hierzulande durcheinander. Der "Spiegel" schreibt, dass die Entscheidung, wer Volkswagen in Zukunft lenkt, erst 2017 falle; und zwar "kurz vor meinem Ausscheiden", wie Piëch sagte. Die Kandidaten dafür seien bereits im Unternehmen. In Vorstand und Aufsichtsrat müssten jeweils Techniker die Führung bekleiden, das sei gesetzt.

Hintergrund von Piëchs scharfen Worten dürften die großen strategischen Probleme sein, vor denen Volkswagen seit Jahren steht. Die Gewinnkraft der Kernmarke VW-Pkw hinkt der Konkurrenz beständig hinterher. Daher greift seit vergangenem Sommer ein milliardenschweres Sparprogramm. In den USA fehlen die richtigen Modelle, so dass VW seit Jahren in einem wachsenden Markt - dem zweitgrößten der Welt - Anteile verliert. Und das schon vor Jahren angekündigte Budget-Car, mit dem der Konzern in die jungen Schwellenländer vorstoßen will, ist noch immer nicht da.

bak/DPA DPA

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