Ein Jahr ist es her, dass Donald Trump abermals als US-Präsident ins Weiße Haus einzog. "Was ist der Schlüssel zu seinem Erfolg?" fragt die Doku "Donald Trump – Schicksalsjahre eines Präsidenten", die anlässlich des Jahrestages der Amtseinführung im Januar 2025 auf Trumps Aufstieg blickt – vom Milliardenerben und Immobilienmogul zum TV-Star und Realityshow-Host zum Politiker und Präsidenten. In drei Teilen stellt der insgesamt rund einstündige Beitrag die entscheidende Frage: Wie konnte es dazu kommen, dass Trump gewählt wurde – und vor allem, dass sich die Geschichte noch einmal wiederholte?
Anhand von Archivmaterial und ausführlichen Interviews mit Experten und Begleitern porträtiert Filmemacherin Claire Walding, die bereits für die "Schicksalsjahre"-Dokus über Prinz Harry, König Charles und die Queen verantwortlich zeichnete, den mächtigsten Mann der Welt. Bereits während seiner ersten Amtszeit hatte sich die Regisseurin 2019 in ihrem Film "Erzfreunde – Trump & Putin" dem damaligen Präsidenten und dem Verhältnis zu seinem russischen Kollegen gewidmet. Nun hangelt sie sich von den prägenden Jahren ("Money Maker") über den Gang in die Politik ("White House") bis zur überraschenden Wiederwahl ("Comeback").
Emotional kühle Eltern
"Ich liebe es, wenn die Menge jubelt, dass es in meinen Ohren trubelt": Die Botschaft des siebenjährigen Trump würde aber wohl auch das 79-jährige Ich des amtierenden US-Präsidenten unterschreiben. Die Doku setzt in der Kindheit des Republikaners an. Psychiaterin Brandy Lee konstatiert das "Verlangen nach Bewunderung" des jungen Donalds, der allerdings von seinen emotional kühlen Eltern "regelrecht abgeschoben" worden sei in ein Militärinternat.
Nach einem Abschluss in Wirtschaftswissenschaft folgte der Einstieg ins Immobiliengeschäft von Vater Fred. Schnell überflügelte Trump Jr. seinen Vater – und verschrieb sich immer waghalsigeren Projekten. Diese verfolgte er unter den Maximen seines Mentors, des Anwalts Roy Cohn. "Attacke; Attacke. Immer alles abstreiten. Auf jeden Fall nie eine Niederlage eingestehen", zählt Gudrun Engel, ARD-Korrespondentin, dessen Maximen auf.
"Trump duldet keine Schwäche bei anderen"
Doch mit der AIDS-Diagnose Cohns beendete Trump die Männerfreundschaft ebenso plötzlich wie drastisch. "Er wurde zu einer verachtenswerten Figur. Trump duldet keine Schwäche bei anderen, vor allem nicht bei jemandem, den er bewundert", charakterisiert Psychiaterin Lee. Geradezu "primitiv" sei Trumps Herangehensweise an persönliche Beziehungen nach dem Motto: "Erst idealisieren, dann abwerten."
In der Folge streift die sehenswerte Doku Trumps Jahre als Immobilienmagnat mit neuen Betätigungsfeldern – von Casino bis Reality-TV. Jörg Wimalasena, "Welt"-Korrespondent, erkennt in Trumps Genese zum Reality-TV-Star Wesenszüge wieder, die auch dem Präsidenten Trump immanent sind: "Sobald er eine Kamera sieht, schaltet er sofort in den Entertainermodus."
"Trump will gerne mit großen Jungs abhängen"
Der zweite Teil (22.50 Uhr) widmet sich dann Trumps politischen Ambitionen, die Anfang der 2000er-Jahre noch niemand ernst nahm. Doch mit polarisierenden Thesen, Ausländerhass und Verschwörungstheorien bahnte sich der Republikaner den Weg in die Köpfe der US-Amerikanerinnen und -Amerikaner. "Er verschiebt die Grenze des Sagbaren Stück für Stück", sagt Gudrun Engel in der Dokumentation. Damit habe er "einen Nerv getroffen", analysiert Trumps einstiger Sicherheitsberater John Bolton.
Im Wahlkampf 2016 habe er auch von seiner Konkurrentin Hillary Clinton profitiert, gibt Sigmar Gabriel zu Protokoll: "Als ich gesehen habe, wie Clinton ihren Wahlkampf führt, habe ich gedacht: 'Das kann schiefgehen." Das tat es bekanntermaßen, Trump kam trotz "Narzissmus, Soziopathie und paranoiden Zügen" (Brandy Lee) ins Amt.
"Trump will gerne mit großen Jungs abhängen, die nicht durch eine unabhängige Justiz eingeschränkt sind", kanzelt Bolton seinen ehemaligen Boss ab. Ex-Außenminister Sigmar Gabriel bestätigt Trumps US-zentristisches Weltbild: "Die Großen der Welt", gemein sind China, Russland und vor allem die USA – würden "die Dinge bei sich ausmachen und der Rest muss folgen".
Welche Folgen hat Trumps Comeback?
Im finalen Teil (ab 23.15 Uhr) geht es dann um Trumps "Comeback" nach der Wahlkampfniederlage 2020, die er sich weigerte anzuerkennen. Trotz (oder wegen) des Sturms auf das Kapitol und nach dem Attentat auf ihn gewinnt er 2024 erneut die Präsidentschaft, getragen von einer Kampagne, die sich gegen die Politik Bidens sowie gegen Migration, Abtreibungsrechte und Klimaschutz richtete.
Die Doku beleuchtet, wie Donald Trump trotz Verurteilung wieder ins höchste Amt gelangte und ob sich sein Führungsstil in der neuen Amtszeit verändert hat. Deutlich wird, dass er das System inzwischen besser versteht – besonders dessen Schwachpunkte. Die zentrale Frage bleibt auch nach einem turbulenten ersten Jahr als 47. US-Präsident: Welche Folgen hat Trumps Rückkehr für die USA, ihre Verfassung und die internationale Politik?
Donald Trump – Schicksalsjahre eines Präsidenten – Di. 20.01. – 3sat: 22.25 Uhr