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Piech gegen Winterkorn Sechs Baustellen - hier hakt es bei Volkswagen


Firmenpatriarch Piech geht auf Distanz zum Ziehhsohn Winterkorn. Ist VW keine Erfolgsgeschichte? Schon - aber es gibt auch Dauerbaustellen, die dem VW-Chef zum Verhängnis werden könnten.

Volkswagen schreibt eine Erfolgsgeschichte. Die Modelle überzeugen, die Produktion brummt, die Mitarbeiterzahlen steigen. Besser kann es kaum laufen, wie in der Ägide von VW-Chef Martin Winterkorn. Und dennoch demontiert Firmenpatriarch Ferdinand Piech seinen eigenen Ziehsohn in aller Öffentlichkeit. Spricht hier nur die bekannte Bosheit aus Piech oder hat der Alte die Zeichen der Zeit besser erkannt als viele andere? Im Reich von Volkswagen ist jedenfalls nicht alles Gold, was glänzt. Einige Baustellen hat auch der gewaltige Martin Winterkorn nicht aufräumen können.

Baustelle 1: Viel Umsatz, wenig Geld

Grundproblem der Marke VW ist die dauerhafte Ertragsschwäche. Ein Gewinn von 2,5 Prozent ist bedenklich und passt nicht ins Bild des Welteroberers. VW verkauft jede Menge Autos, hat aber wenig davon. Sollte sich die Weltkonjunktur eintrüben, ist der Abstand zu roten Zahlen nicht weit. Erzrivale Toyota erzielt eine Umsatzrendite von stattlichen 8,6 Prozent. Dieser Gewinn macht nicht nur Aktionäre glücklich, er ist der Treibstoff, der Expansion und Neuentwicklungen ermöglicht. Ganz fair sind die 2,5 Prozent von VW wegen der Lastenteilung im Konzern nicht gerechnet. Aber letztlich ist das ein Null-Summenspiel: Wäre VW besser gestellt, würde die Rendite der anderen Töchter entsprechend geringer ausfallen.

Baustelle 2: Die Amerikaner mögen keine Volkswagen

Im US-Geschäft bekommt VW kein Bein auf den Boden. Dabei sind die USA nach China der zweitgrößte Automarkt der Welt. Anders als die deutschen Premiumhersteller BMW, Mercedes und Audi muss sich der Massenhersteller VW auf dem Markt der Standardfahrzeuge messen. Und trifft in den USA auf die brisante Mischung eines sehr niedrigen Preisniveaus mit verwöhnten Kunden. Ein speziell für die USA entwickelter Passat und der VW Jetta sollten die Wende bringen, schafften es aber nicht. Der mächtige Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh nannte das US-Geschäft öffentlich "eine Katastrophenveranstaltung".

Baustelle 3: Kein Billigwagen

Seit Jahren brüten die Gewaltigen bei Volkswagen über dem Konzept eines Billigautos für Schwellenländer. Und kommen zu keinem Ergebnis. Eigentlich sollte die Kooperation mit Suzuki dazu den Weg bereiten. Der Autozwerg ist in Ländern wie Thailand und Indien gut aufgestellt. Das Know-How der Japaner und die Muskeln der Wolfsburger hätten eine schlagkräftige Kombination ergeben. Hätten, denn diese Allianz ist tot. Unklar ist nur, ob die Arroganz von VW oder die Eigenwilligkeit des Firmenpatriachen Osamu Suzuki das Scheitern verursachte. Wäre aus der Kooperation eine echte Vereinigung geworden, dann wäre VW auf einen Schlag die weltweite Nummer Eins geworden.

Baustelle 4: Immer mehr Anlaufschwierigkeiten

Der sogenannte Modulare Querbaukasten, kurz MQB, hat die Herstellung des Pkws revolutioniert. Ganz ähnlich sollte eine standardisierte Autofabrik den Volkswagenkonzern weit nach vorn bringen. Die Realität sieht anders aus als die hochfliegenden Erwartungen. Der MQB hat die Volkswagenmodelle in der Produktion nicht in dem Maße verbilligt, wie erwartet wurde. Und statt reibungslose Anläufe neuer Anlagen dank der hochgradigen Standardisierung muss VW mit dem Gegenteil kämpfen: Die Produktionsanläufe des Konzerns gelten als langwierig und teuer. Müssen wirklich Monate vergehen, bis neue Modelle in perfekter Präzision vom Band laufen, frage Martin Winterkorn im Sommer 2014. Und ergänzte "Wir haben in der Produktivität gegenüber den Kernwettbewerbern unverändert erheblichen Nachholbedarf."

Baustelle 5: Distanzierte Trucker-Ehe

Mit MAN und Scania gibt es im Konzern zwei Lkw-Hersteller. Im Frühjahr 2014 hatte der Volkswagen-Konzern die restlichen Anteile an Scania für 6,7 Milliarden Euro übernommen. Erklärtes Ziel der Elefantenehe ist es, weltweit Nummer Eins bei den Trucks zu werden. Außer einigen Einsparungen durch Synergieeffekte fehlt bislang die große Vision. Vielleicht ist es dafür auch noch zu früh: Der ehemalige Daimler-Manager Andreas Renschler soll im Februar 2016 das Steuer übernehmen.

Baustelle 6: Diktatur der Führungsduos

So absurd es klingt: Das Problem Piech ist eng mit der Person Winterkorn verbunden. Der Patriach und sein Ziehsohn führen Volkswagen streng hierarchisch, alle Entscheidungen liefen bei ihnen zusammen. Für einen Wechsel der Führungskultur weg von einem Alleinentscheider wäre Martin Winterkorn so gesehen der denkbar schlechteste Kandidat.


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