Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau
Welterfolg mit Schnittmusterbögen

  • von Jasmin Herzog
Anna Burda (Katharina Wackernagel), die sich später "Aenne" nannte, will Verlegerin werden – und selbstbestimmt ihr Magazin führen.
Anna Burda (Katharina Wackernagel), die sich später "Aenne" nannte, will Verlegerin werden – und selbstbestimmt ihr Magazin führen.
© ZDF/SWR/Hardy Brackmann
Die Mutter des Verlegers Hubert Burda musste sich den Erfolg mit ihrer Modezeitschrift hart erkämpfen – auch gegen Widerstände des eigenen Mannes. Der nun wiederholte Zweiteiler mit Katharina Wackernagel in der Titelrolle zeichnet den Weg ihrer Selbstbehauptung nach.

Eine starke Frau, eine gute Idee und der Wille, in einer Zeit, in der Emanzipation noch ein Fremdwort war, unbeirrt den eigenen Weg zu gehen: Der Zweiteiler "Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau" zeichnet den Aufstieg und den Kampf um Selbstbehauptung einer der beeindruckendsten Verlegerpersönlichkeiten der noch jungen Republik nach. Mit ihrer "Burda Moden"-Frauenzeitschrift und den später auch in Ländern wie Russland stark nachgefragten Schnittmusterbögen zum Nachschneidern toller Kleider legte Anna Magdalene Burda, genannt Aenne, im Film gespielt von Katharina Wackernagel, den Grundstein für den späteren Welterfolg des Burda-Medienkonzerns. Das Drama folgt ihrem steinigen Weg – mit Charme und Modernität, wenn auch oft ein wenig nah am süßlichen Kitsch. 3sat zeigt die beiden Teile nun an zwei aufeinander folgenden Freitagen zur Primetime.

Es muss ein traumatisches Erlebnis für die "reichste Frau von Offenburg", die Verlegergattin Aenne Burda, gewesen sein: Als sie 1949 im wirtschaftlich langsam wieder florierenden Südwesten Nachkriegsdeutschlands ihrem geschäftlich wie privat umtriebigen Gatten, dem Druckereiunternehmer Franz Burda (Fritz Karl), mit ihrem eleganten Käfer-Cabrio spontan hinterherfuhr, um ihm seine in der gutbürgerlichen Familienvilla vergessene Brieftasche hinterherzufahren, deckt sie ein Geheimnis auf. Sie sieht ihn unerwartet am Fenster eines Neubaus – in den Armen einer blonden jungen Frau. Und aus dem Hintergrund begrüßt ihn freudig ein Kind mit "Papa"-Rufen.

Was in der Kleinstadt angeblich schon (fast) alle wussten, wird für Aenne zur schockierenden Gewissheit: Ihr Ehemann, dem sie drei Söhne gebar – darunter den heutigen Burda-Verlagspatriarchen Hubert Burda – führt ein Doppelleben. Und er hat sie gleich in mehrfacher Hinsicht betrogen.

"Ich ändere, was ich ändern kann – mich"

Evelyn Holler (Cornelia Gröschel), Franz Burdas frühere Sekretärin, ist für Aenne gleich in doppelter Hinsicht eine Rivalin: Sie hat mit ihrem Gatten nicht nur heimlich das Bett geteilt, sie durfte mit seiner Erlaubnis auch ein Herzensprojekt verfolgen, von dem die rechtmäßige Ehefrau lange vergeblich geträumt hatte: Holler führt heimlich einen eigenen Klein-Verlag und bringt dort – mit sehr überschaubarem Anklang – eine Modezeitschrift heraus. Dabei hat sie allem Anschein nach fast eins zu eins die Ideen kopiert, die Aenne Burda ihrem Mann eigentlich immer nahegelegt hatte. "Mir fehlen daheim die schönen Dinge des Lebens", klagt die Verlegergattin, wenn sie auf Offenburger Frauen blickt, die sich wenige Jahre nach dem Krieg immer noch in graue, unförmige Militärmäntel aus Wehrmachtsbeständen kleiden müssen. Sie selbst zieht es immer wieder ins mondäne Paris – und in die Welt der feinen Haute Couture.

Kurzerhand ringt sich Aenne, die ihren Lebenswandel selbstbewusst auch durch ihren selbstgewählten neuen Vornamen sichtbar machen möchte, zu einer perfiden Bestrafungsaktion – und der Erfüllung ihrer Wünsche – durch: "Ich ändere, was ich ändern kann – mich", sagt sie. Und dann wirft sie die Rivalin hinaus und übernimmt selbst das Regiment bei dem Modemagazin, das sie mit neuem Konzept, Esprit und Mode-Empfehlungen, die auch für einfache Hausfrauen leicht nachzuschneidern sind, erfolgreich machen möchte.

Doch der Weg zur eigenständigen Verlagsunternehmerin, der mit der Vernachlässigung ihrer Familienpflichten einhergeht, ist ein schwerer. Und bis zuletzt legt ihr Ehemann Franz Steine in den Weg. Doch: "Ich muss selbstständig werden", sagt sich Aenne trotzig. "Ich will keine Almosen." Ihren Willen zieht sie durch.

Mit Hubert Burdas Segen

Schauspielerin Katharina Wackernagel, bekannt aus den erfolgreichen ZDF-"Stralsund"-Krimis oder der ARD-Neuauflage von "Mord mit Aussicht", hat das Wagnis auf sich genommen, in die Schuhe und eleganten Kostüme einer realen Unternehmerpersönlichkeit zu schlüpfen. Und dafür hat sie sich sogar den "Segen" von Aenne Burdas jüngstem Sohn, dem erfolgreichen Burda-Verleger Hubert, geholt.

Das zweiteilige Bio-Pic folgt der Dramaturgie des realen Geschehens und erinnert von fern an die Kostümfilm-Aufsteigerinnengeschichte von Margarete Steiff, der Erfinderin des weltberühmten Teddybären, die mit Heike Makatsch in der Titelrolle ebenfalls einst vom SWR verfilmt wurde.

Regisseurin Franziska Meletzky setzt bei "Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau" das in seinen erzählerischen und filmtechnischen Mitteln sehr konventionelle Drehbuch von Regine Bielefeldt um. Beeindruckend aus heutiger Sicht ist der Kampf um Selbstbehauptung in einer bedrückend Männer-dominierten Nachkriegsgesellschaft. Nicht immer überzeugend ist dagegen die etwas betuliche Erzählhaltung, die doch gelegentlich sehr distanzlos am Idealbild einer "starken Frau" klebt.

3sat zeigt den ersten Teil am Freitag, 13. Februar, 20.15 Uhr. Teil 2 folgt dann eine Woche später, am Freitag, 20. Februar, ebenfalls zur Primetime.

Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau – Fr. 13.02. – 3sat: 20.15 Uhr

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