Das Internet und die sozialen Medien: Segen und Fluch zugleich. Weitgehend ungefiltert kann hier jede und jeder anonym die eigene Meinung kundtun. Ein falsches Wort – und irgendjemand findet immer etwas falsch – und die nicht mehr aufzuhaltende Hasswelle rollt los. Sie kann den Ruf ruinieren und Karrieren, Opfer in den Suizid treiben und zu physischer Gewalt führen, wenn die virtuelle Hetze die Grenze zur analogen Welt überschreitet. Das ist alles schon vielfach geschehen.
Hass im Netz erfährt auch die Geologin Elena (Peri Baumeister) im TV-Film "Eine bessere Welt" (Regie und Buch: Sebastian Hilger, Koautorin: Nadine Gottmann) am Montagabend im ZDF. Der Titel des sozialkritischen Thrillers ist gleichzeitig der des Buches zur Klimakrise, mit dem Elena in eine Talkshow eingeladen wird. Als Moderatorin tritt in einer Gastrolle die Journalistin Dunja Hayali auf, die selbst schon häufig Ziel von Hass im Netz wurde. Auch Elenas Aussagen in der Sendung bleiben nicht folgenlos.
Massen von Mails legen den Server ihres Uni-Instituts lahm, Elena gerät mitten hinein in einen Online-Shitstorm. Die Hass-Kommentare zielen nicht nur auf ihre Aussagen, sondern auf alles, ihr Alter, Aussehen, Geschlecht. Es folgen Drohungen und drastische Beschimpfungen. Als ihre Hühner plötzlich tot im Garten liegen, ist Elena sicher, dass ihre Hater dahinterstecken, ihr Leben und das ihres Mannes Deniz (Serkan Kaya) und der gemeinsamen Kinder in Gefahr ist.
Keine Einzelfälle, sondern Krieg
Elenas Studentin Lara (Kayla Shyx) wird bereits seit Jahren im Netz tyrannisiert, auch körperliche Angriffe erfuhr sie. Als Elenas Anzeige bei der Polizei im Nichts verläuft, die Drohungen zunehmen und sie jedem zu misstrauen und an sich selbst zu zweifeln beginnt, willigt sie ein, an einer Online-Doku mitzuwirken, in der Cybermobbing-Opfer auf ihre Geschichten aufmerksam machen, sich nicht einschüchtern lassen, ihre Stimmen erheben. Das seien keine Einzelfälle, so Lara, "sondern Krieg". Dabei mache die Psyche der Opfer "keinen Unterschied zwischen digitaler oder analoger Gewalt", erklärt Hauptdarstellerin Peri Baumeister im ZDF-Interview.
Die psychischen Folgen digitaler Bedrohung aufzuzeigen, das ist das Anliegen des ZDF-Films: wie sie "Angst, Selbstzweifel und Selbstgefährdung hervorbringt und wie schnell digitale Gewalt in reale, physische übergehen kann", sagt Drehbuchautorin Nadine Gottmann. Peri Baumeisters Spiel, ihre Mimik, in die sich der Terror und die wachsende Panik meißeln, transportiert das in weiten Teilen äußerst eindringlich.
"Digitale Gewalt wirkt dabei wie ein Brennglas auf die tiefliegende gesellschaftliche Kluft, die wir derzeit erleben", sagt Gottmann. "In einer besseren Welt würden wir faktenbasiert und respektvoll miteinander kommunizieren und Täter würden konsequent zur Verantwortung gezogen."
Im Anschluss an den Film, um 22.15 Uhr, setzt "Hass im Netz: Eine bessere Welt – Die Dokumentation" die Handlung des Spielfilms in den realen Kontext. Zu Wort kommen Cybermobbing-Opfer wie der ehemalige Fußballprofi Kevin Plath sowie Vertreter von Beratungs- und Meldestellen wie HateAid.
"Eine bessere Welt" – Mo. 23.03. – ZDF: 20.15 Uhr