60 Millionen Kriegstote, sechs Millionen ermordete Juden: Der Spielfilm "Führer und Verführer" rückt wieder die Zahlen in den Vordergrund, die man als normaler Mensch eigentlich gar nicht richtig erfassen oder begreifen kann. Für die filmische Aufarbeitung des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs der Menschheit nimmt der Regisseur Joachim A. Lang vor allem zwei Figuren und deren Beziehung zueinander in den Blick: Adolf Hitler und Joseph Goebbels, verkörpert von Fritz Karl und Robert Stadlober.
Die Handlung von "Führer und Verführer" konzentriert sich auf die Zeit vom "Anschluss" Österreichs im März 1938 bis zu Hitlers Tod im Mai 1945. Joseph Goebbels, seit 1933 Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, gehört schon lange zu Hitlers engsten Vertrauten. Bei einem Besuch der Familie Goebbels, der "Vorzeigefamilie des Reichs", hätschelt Hitler erst die Kinder, die kaum ordentlicher in einer Reihe stehen könnten. Dann eröffnet er Joseph Goebbels: "Ich habe den Entschluss gefasst, Russland anzugreifen." Der Propagandaminister weiß, was das heißt, wird in der Folge zum obersten Scharfmacher. "Wir stimmen ein Höllenkonzert an", schwört er seine Mitarbeiter ein. "Immer weiter hetzen und putschen!"
Das Wechselspiel zwischen Medien und Politik
Joachim A. Lang zeigt, wie Goebbels mit seiner Propaganda-Maschinerie dabei hilft, die Massen zu "verführen", interessiert sich aber auch für die Abläufe hinter den Kulissen und das Wechselspiel zwischen Medien und Politik. "Wir sind so wahrheitsgetreu, wie es uns nützlich ist", erklärt Goebbels, den Stadlober mit verblüffender Detailtreue (inklusive rheinischem Dialekt) spielt, im kleinen Kreis. An anderer Stelle philosophiert der Minister: "Propaganda ist eine Kunst wie Malerei."
Neben Archivaufnahmen und eingestreuten Zeitzeugen-Interviews (unter anderem mit der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer), die ein hohes Maß an Authentizität erzeugen, setzt Joachim A. Lang zum Teil auch auf fiktionalisierte Passagen, die wiederum auf historischen Quellen wie etwa überlieferten Briefen basieren. Eine mutige Herangehensweise an ein komplexes Thema, aber das Ergebnis erntete in internationalen Medien bereits einigen Beifall. Und Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden und bis heute eine der prominentesten Stimmen der jüdischen Gemeinschaft, urteilte: "Ein Meisterwerk!"
Nachdem der Film 2024 erstmals in den Kinos zu sehen war, zeigt das Erste den Spielfilm nun im Free-TV. Ab Samstag, 24. Januar, ist der Film auch in der ARD Mediathek verfügbar.
Führer und Verführer – So. 25.01. – ARD: 23.35 Uhr