Als er auf seinem Handy die ersten Meldungen des schweren Zugunglücks las, zögerte Gonzalo Sánchez nicht lange. Der 43-Jährige wohnt in Adamuz, nur zehn Minuten entfernt von der Unglücksstelle, an der ein Zug entgleiste und mit einem anderen kollidierte.
Sánchez begriff, dass im Rahmen seiner Möglichkeiten schnelles Handeln gefragt war. Er griff sich ein paar Werkzeuge und fuhr zum Ort des Geschehens. Dort traf er als einer der ersten ein und wurde Zeuge grauenhafter Bilder. "Man hofft, so etwas nie in seinem Leben zu erleben", sagte er dem Sender Cadena Ser. "Die Bilder sehen im Fernsehen schrecklich aus, aber vor Ort war es noch schlimmer."
Mit seinem Quad fuhr er durchs unwegsame Gelände
Das Gelände machte die Bergung der Toten und Verletzten schwierig, ein Teil des entgegenkommenden Zuges war mehrere Hundert Meter weiter eine Böschung hinabgekippt. Da fiel Sánchez sein Quad ein – ein Fahrzeug, mit dem man sich in unwegsamem Gelände bewegen kann.
Nach Absprache mit den Rettungskräften vor Ort fuhr er sechs Stunden lang Feuerwehrleute, Sanitäter, Polizisten und verletzte Passagiere hin und her. Bei einem kleinen Zusammenstoß mit einem Krankenwagen kam sein Quad zu Schaden, so dass der spontane Helfer gegen zwei Uhr nachts seinen Transport einstellen musste. Für den Fahrer kein Problem: "Der Quad ist kaputt, aber was soll’s? Das lässt sich reparieren, was ich dort gesehen habe, nicht."
Eigentlich verkauft Gonzalo Sánchez Lottoscheine der Lotterie Once, am Abend der Zugkatastrophe wurde er zum Retter für einige der Verletzten. Sein eigenes Engagement möchte er nicht zu hoch hängen. "Ich habe das getan, was jeder in so einer Situation getan hätte", sagte Sánchez der Zeitung "El País". Die Erlebnisse jener Nacht werden ihn aber noch lange begleiten. "Es gibt Bilder, die ich lieber nicht beschreiben möchte, und ich werde sie nie vergessen."
Zugunglück in Spanien: Zahl der Todesopfer steigt auf 42
In den spanischen Medien wird Sánchez als "Quad-Held" gefeiert und gilt als Symbol der Hilfsbereitschaft rund um das verheerende Unglück. Andere Anwohner brachten Decken aus ihren Häusern, um bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Passagiere zu wärmen, manche nahmen sogar unverletzte Fahrgäste vorübergehend in ihren Häusern auf.
Bei dem Zugunglück kamen nach offiziellen Angaben 42 Menschen ums Leben. Eine weitere Person gilt noch als vermisst. Dutzende Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Zur möglichen Ursache sagte der Verkehrsminister, es würden ein Gleisschaden oder ein Fehler an einem der Züge nicht ausgeschlossen. Es seien aber noch "alle Hypothesen offen".
Quellen: Once, Cadena Ser, "El País", "El Mundo"