Funkkontakt mit Leitstelle Funksprüche dokumentieren die Minuten nach dem Zugunglück in Spanien

Rettungskräfte an der Unfallstelle des Zugunglücks in Spanien
Rettungskräfte an der Unfallstelle des Zugunglücks in Spanien
© Manu Fernandez/AP / DPA
Nach dem schweren Zugunglück in Spanien dauert die Rekonstruktion der Ereignisse an. Funksprüche zeigen: Dass gerade eine Katastrophe passiert war, fiel zunächst nicht auf.

Das Drama spielte sich innerhalb von Sekunden ab: Am Sonntagabend entgleiste in Spanien der hintere Teil eines Hochgeschwindigkeitszuges und geriet auf das Nebengleis. Ein entgegenkommender Zug raste hinein, 45 Menschen starben bei der Kollision.

Ein Protokoll von Funksprüchen aus den beiden Zügen, das die spanische Zeitung "El País" veröffentlicht hat, zeigt, wie das Personal die dramatischen Minuten erlebte. Der Lokführer des entgleisten Zuges Iryo 6189 bemerkte offenbar zuerst nichts von der Entgleisung – und auch nicht das Ausmaß der Katastrophe, die sich hinter ihm abspielte.

Zugunglück in Spanien: Funksprüche zeigen die Verwirrung

Um 19.45 Uhr meldet er der Zentrale, laut "El País" noch mit ruhiger Stimme: "Ich hatte gerade eine Panne in der Nähe von Adamuz." Offenbar geht er nur von einer kleineren Störung aus. Dass die drei hinteren Waggons entgleist sind, hatte er aus seiner Position an der Spitze des Zuges noch nicht bemerkt. Auch von der Kollision, die nach Behördenangaben nur einige Sekunden nach der Entgleistung stattfindet, scheint er zunächst keine Notiz zu nehmen. In der Dunkelheit hat er den entgegenkommenden Alvia-Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe wohl nicht gesehen.

In der Zentrale fällt allerdings auf, dass der Alvia-Zug zum Stehen gekommen ist. Die Leitstelle versucht, den Lokführer zu kontaktieren – dieser ist zu dem Zeitpunkt bereits tot. Um 19.49 Uhr erreichen die Techniker die Zugbegleiterin des Alvia-Zuges und erfahren zum ersten Mal, dass es einen Unfall gegeben hat. "Ich habe auch eine Beule am Kopf. Ich habe Blut am Kopf", meldet die Frau. "Ich habe auch einen Schlag auf den Kopf bekommen." Auch hier ist das Ausmaß des Unglücks noch völlig unklar.

Parallel meldet sich der Lokführer des Iryo-Zuges wieder bei einem anderen Mitarbeiter der Leitstelle, diesmal berichtet er: "Entgleisung und ich befinde mich auf dem Nachbargleis." Eindringlich bittet er darum, den Verkehr auf dem Streckenabschnitt anzuhalten. "Ja, ja, ja… es kommt kein Zug", beruhigt ihn die Zentrale. Der Lokführer meldet Feuer und begibt sich aus seinem Führerstand zur Unglücksstelle. Außerdem fordert er Rettungskräfte an, da es vermutlich Verletzte gebe. 

An dieser Stelle bricht das Gespräch – und immer noch haben die Beteiligten nur ansatzweise begriffen, welche Katastrophe sich gerade auf den Gleisen in der Nähe von Adamuz abgespielt hat. Das gesamte Ausmaß sollte erst klar werden, als die Rettungskräfte vor Ort eintrafen.

Verkehrsminister Puente bestätigte, dass der Lokführer den entgegenkommenden Zug wohl gar nicht wahrgenommen habe. Der Aufprall sei wohl neun Sekunden nach der Entgleisung passiert – "fast gleichzeitig", so der Minister. Deshalb sei auch die Leitstelle davon ausgegangen, dass der Zug aus der anderen Richtung bereits vorbeigefahren sei.

Quellen: "El País" (1), "El País" (2)

epp

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