Ozempic, Wegovy und Co.
Wird die Abnehmspritze deutlich günstiger?

Abnehmspritzen
Viele Patienten feierten mit Abnehmspritzen wie Ozempic bereits große Erfolge
© Anja Uhlemeyer-Wrona / imageBROKER / Imago Images
Abnehmspritzen wie Ozempic und Wegovy könnten bald erschwinglicher werden. Das besagt zumindest eine neue Studie zu den Herstellungskosten. 

Spritze rein – schlanker sein. Das versprechen Abnehmspritzen wie Wegovy oder Ozempic. In den vergangenen Jahren haben die Medikamente einen wahren Hype ausgelöst – auch wenn sie ursprünglich eigentlich nur für die Behandlung von Adipositas beziehungsweise Diabetes konzipiert wurden. 

Viele normalgewichtige Promis und Hollywoodstars greifen dennoch zum Wirkstoff Semaglutid – da können Mediziner vor möglichen Nebenwirkungen warnen, wie sie wollen. Zu groß scheint die Verlockung, abzunehmen, vermeintlich ohne etwas dafür tun zu müssen. Und das hatte bereits Folgen: Zeitweise kam der Hersteller Novo Nordisk kaum mit der Produktion hinterher. Oft guckten die Patienten, für die die Medikamente eigentlich entwickelt worden waren, in die Röhre. Und das, obwohl die Preise für die Spritzen schnell in die Tausende gingen. 

Ozempic, Wegovy und Co.: Kosten für Abnehmspritzen könnten auf unter drei Euro fallen

Doch das könnte schon bald Geschichte sein. Wie unter anderem der britische „Guardian“ berichtet, könnten Ozempic und Co. zukünftig deutlich günstiger werden. Ein Forscherteam der Universität Liverpool hat kürzlich im Rahmen einer Studie herausgefunden, dass die Herstellungskosten von Semaglutid-Spritzen auf Preise unter drei Dollar (2,60 Euro) pro Monat sinken könnten. Bislang ist diese Forschungsarbeit nur als Pre-Print erschienen.

Der Grund für den möglichen Preissturz: Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Kernpatente von Semaglutid in zehn Ländern bereits zum 21. März auslaufen. Darunter Brasilien, China, Indien, Südafrika, Türkei, Mexiko und Kanada. In 150 weiteren Staaten seien gar keine Patente angemeldet worden, so die Forscher. In diesen 160 Ländern lebten 69 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes und 84 Prozent der Menschen mit Adipositas, heißt es in dem Paper weiter. 

Ein Co-Autor der Studie, François Venter von der Witwatersrand-Universität in Johannesburg, erklärte: „Medikamente zur Behandlung von HIV, Tuberkulose, Malaria und Hepatitis sind in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu Preisen erhältlich, die nahe an den Produktionskosten liegen. Dadurch werden Millionen von Menschenleben gerettet, während Generikaunternehmen ausreichende Gewinne erzielen können, um eine nachhaltige Versorgung sicherzustellen.“ Eine solche Erfolgsgeschichte könnte mit Semaglutid wiederholt werden, so Venter. 

Niedrigere Preise würden vielen Menschen Zugang zu Semaglutid ermöglichen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte Semaglutid bereits im vergangenen September als unverzichtbares Medikament ein. Viele Experten warnten jedoch, dass hohe Preise den Zugang zu den Präparaten einschränkten. Einer der Studienautoren, Andrew Hill, von der pharmakologischen Abteilung der Universität Liverpool, sagte: „Diese niedrigen Preise öffnen die Tür für den weltweiten Zugang zu einem lebenswichtigen Medikament.“

So rosig die Aussichten auch erscheinen – die Forscher warnten, dass billigere Behandlungen die strukturellen Ursachen von Fettleibigkeit, „einschließlich Ernährungsunsicherheit, Armut, Urbanisierung und kommerzieller Lebensmittelumgebungen“, nicht beseitigen würden, und betonten, dass koordinierte Maßnahmen und Beschaffungsplanung erforderlich seien, um die Vorteile zu realisieren.

Trotzdem würde die Nachfrage nach den Medikamenten durch niedrigere Preise wohl explodieren. Laut Nomathemba Chandiwana, wissenschaftliche Leiterin der Desmond Tutu Health Foundation in Südafrika, erfüllen derzeit rund 27 Prozent aller Menschen auf der Erde Kriterien für Medikamente wie Semaglutid. Die meisten davon lebten in Ländern mit mittleren oder niedrigen Einkommen, wo der Zugang zu Ozempic und Co. extrem eingeschränkt sei.

Bislang müssen Patienten Abnehmspritzen selbst zahlen

Forscher sehen in Semaglutid die Möglichkeit, starkem Übergewicht entgegenzuwirken und so Folgeerkrankungen wie Herzerkrankungen, Diabetes, Schlaganfällen oder Krebs vorzubeugen. Jährlich sterben etwa 3,7 Millionen Menschen an den Folgen von starkem Übergewicht. Die Fallzahlen von Diabetes explodierten laut WHO in den vergangenen 30 Jahren. Während 1990 noch etwa 200 Millionen Menschen davon betroffen waren, waren es 2022 830 Millionen weltweit. 

Die Preise für Medikamente wie Ozempic oder Wegovy variieren von Land zu Land. Laut „Apotheken-Umschau“ kostet eine Behandlung in Deutschland, je nach Dosierung, bis zu 300 Euro pro Monat. Bislang müssen die Patienten diese selbst zahlen. Experten gehen aber davon aus, dass die Kosten für eine Diabetes- oder Adipositas-Behandlung in näherer Zukunft von den Krankenkassen übernommen werden.

pgo

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