Altersvorsorge Deutsche fühlen sich schlecht informiert


Der Widerspruch könnte nicht größer sein: Obwohl die Deutschen sich zunehmend über ihr finanzielles Auskommen im Alter sorgen, wissen sie wenig über ihre Vorsorgemöglichkeiten Bescheid.

Obwohl die Bundesbürger im internationalen Vergleich überdurchschnittlich viel sparen, hapert es nach wie vor an gezielter Altersvorsorge. Auch 41 Prozent der Berufstätigen selbst halten ihre heutige Altersvorsorge für nicht ausreichend. Zu diesem Ergebnis kommt eine Allensbach-Studie im Auftrag der Postbank. Gleichwohl verzeichnete die Umfrage unter 2052 Bundesbürgern einen deutlichen Popularitätsgewinn für die staatlich geförderte, 2005 entbürokratisierte Riester-Rente.

Vor allem aber bei den unter 30-Jährigen gebe es "eine deutliche Fehleinschätzung der Situation", sagte Postbank-Vorstand Wolfgang Klein. Er beklagte "Unkenntnis und Verunsicherung", auch über gesetzliche Neuregelungen. Um eine Unterversorgung im Alter zu vermeiden, müsse so früh wie möglich mit langfristigem Sparen - verstärkt auch über Betriebsrenten - begonnen werden. Auch kleinere Beträge seien wegen des Zinseszins-Effektes besser als untätiges Abwarten, so Klein weiter. Was in jungen Jahren versäumt werde, könne später nur schwer nachgeholt werden.

Deutsche setzen zu wenig auf langfristige Anlageformen

Nach den Worten von Klein gehören die Deutschen zwar zu den "fleißigen Sparern", sie setzen aber zu wenig auf langfristige Anlageformen. Dies lasse den Schluss zu, dass "andere Sparziele als die Altervorsorge dominieren". Die Menschen seien aber "angesichts der immer noch schwierigen wirtschaftlichen Situation nicht in der Lage (...), gleichzeitig den Konsum anzukurbeln, für den Notfall zu sparen und auch noch langfristig fürs Alter vorzusorgen".

Nach der Studie gehen 64 Prozent der Befragten davon aus, im Alter netto über weniger Geld - im Schnitt rund ein Drittel - als bisher zu verfügen. Laut Studie wünschen sich die berufstätigen Deutschen nach heutiger Kaufkraft im Schnitt rund 2100 Euro im Monat, um im Alter "gut über die Runden zu kommen". Wobei man im Westen 2175 Euro für erforderlich hält, im Osten lediglich 1863 Euro.

Steigende Wertschätzung für die Riester-Rente

In den neuen Ländern ist die gesetzliche Rente für 69 Prozent der Berufstätigen "ideale Form der Altersvorsorge", im Westen sehen das lediglich 58 Prozent so. Dafür erfreut sich die von bürokratischen Vorschriften entrümpelte Riester-Rente deutlich steigender Wertschätzung. Höchste Priorität für den verstärkten Vorsorge-Aufbau genießt allerdings der Kauf einer selbst genutzten Immobilie.

Nach Einschätzung der Befragten sollte man im Durchschnitt monatlich 226 Euro im Monat für einen auskömmlichen Lebensabend zurücklegen. Tatsächlich gespart werden im Durchschnitt 204 Euro im Monat, allerdings mit deutlichen Unterschieden. So sparen junge Berufstätige unter 30 Jahren mit im Schnitt 122 Euro - nur etwa 60 Prozent dessen, was ältere Kollegen zurücklegen (etwa 220 Euro). Auch in Ostdeutschland wird mit durchschnittlich 130 Euro im Monat nur 60 Prozent des West-Wertes erreicht.

DPA/AP


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