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Börsencrash in Frankfurt: Kühlen Kopf bewahren und kaufen

Nur nicht verzweifeln, der Kurssturz an der Börse wird nur von kurzer Dauer sein, meint Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank. Im stern.de-Interview prognostiziert er, wann es wieder nach oben geht und hat einen guten Tipp für Anleger.

Herr Hellmeyer, woher kommt die plötzliche Panik am Aktienmarkt?

Von der Amplitude her könnte man unterstellen, dass es Panik ist. Aber das Grundproblem liegt nicht im Aktienmarkt. Es ist ein strukturelles Problem im Rahmen der globalen Finanzkrise ausgehend von den USA. Ich erwarte nicht, dass sich die Kursentwicklung in diesem Tempo fortsetzen wird.

Also alles nur ein Sturm im Wasserglas?

Aktien sind durch die Bewegung Anfang des Jahres deutlich attraktiver auf dem aktuellen Niveau. Das ist schon eine markante Korrektur. Es wird aber auch deutlich, dass die 8000 Punkte zum Jahresschluss ein wenig der Bilanzkosmetik geschuldet sind. Wir haben jetzt eine Bewegung in Richtung Nachhaltigkeit. Der Katalysator Konjunkturprogramm aus den USA hat den Finanzmärkten deutlich gemacht, dass viele Politiker und auch Zentralbanker kreativ mit der Einschätzung der ökonomischen Lage umgegangen sind.

Dieses Konjunkturprogramm ist Ausdruck dafür, dass die globale Finanzkrise auch reale wirtschaftliche Auswirkungen hat. Ich sehe aber kein Crash-Szenarium, wie zu Beginn des Jahrtausends. Dort war der Grund die Überbewertung der Aktien. Das ist heute nicht der Fall. Ich bin überzeugt, dass es ein Ende der Abwärtsentwicklung gibt und erwarte den Boden der Entwicklung bei 6700 beim Dax.

Das Handeln der Politik in den USA hat den Börsianern die Augen geöffnet?

Genau das. Bisher hatten wir von der politischen Seite eher beschwichtigende Äußerungen und mit diesem Programm gesteht man sich in Amerika ein, dass sich die wirtschaftliche Lage sehr viel schwieriger darstellt als man es sich erhofft hat.

Welche Auswirkungen erwarten Sie für die Konjunktur in Deutschland?

Insgesamt hängt die Weltwirtschaft nicht mehr in dem Maße an den USA wie vor zehn Jahren aber immer noch sind die USA eine bestimmende Kraft. Insofern werden auch wir unsere Wachstumsprognosen nach unten anpassen müssen. Ich erwarte ein Wachstum von 1,5 Prozent. Die deutschen Auftragsbücher sind voll, das ist sehr positiv, aber eine Champagner-Dividende, wie wir sie im letzten Jahr gesehen haben, fällt definitiv aus.

Was raten Sie dem deutschen Anleger?

Er sollte einen kühlen Kopf bewahren. Und nicht nur Angst zu haben und gelähmt zu sein. Er sollte die sich bietenden Gelegenheiten nutzen und jetzt günstige Qualitätswerte kaufen.

Heute noch oder erst morgen oder übermorgen?

Ich halte durchaus das Niveau heute von unter 7000 Punkten für angemessen, um hier aktiv zu werden.

Interview: Markus Baluska
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