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Geldanlage: Bauen bleibt billig

Nachdem die Europäische Zentralbank die Zinsen leicht angehoben hat, dürfen Banksparer auf bessere Konditionen für ihre Einlagen hoffen. Auch für Bauherren ist die jetzige Zinslage traumhaft. Nur Dispo-Kredit werden womöglich teurer.

Ende 2005 hattte die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsschraube nach zweieinhalb Jahren historischen Tiefstands leicht angezogen: Der Leitzins wurde erhöht, von 2 auf 2,25 Prozent. Nach einhelliger Expertenansicht kommt das aber noch keinem Signal für eine rasche Trendwende in 2006 gleich. "Wir rechnen damit, dass die Kapitalmarktzinsen auf Jahressicht vergleichsweise niedrig bleiben", so die Einschätzung von Volker Hofmann, Volkswirt beim Bundesverband deutscher Banken (BdB).

Bessere Sparzinsen

Für die Kunden von Geldinstituten bedeutet das: In diesem Jahr kann so mancher Bürger wieder auf etwas bessere Sparzinsen hoffen. Wer einen Dispo- oder Verbraucherkredit braucht, wird dagegen womöglich ein wenig tiefer in die Tasche greifen müssen. Und all die, die Baugeld benötigen, stehen keinesfalls unter Druck: Die Zeit der Traumzinsen ist noch nicht vorbei - auch wenn die Konditionen momentan schon nicht mehr ganz auf dem Rekordtiefstand von 2005 liegen.

Günstige Hypothekendarlehen werden auch 2006 noch zu ergattern sein, ist Helga Bender, Sprecherin des Verbandes deutscher Hypothekenbanken, überzeugt. Im Laufe des Jahres sei höchstens mit moderaten weiteren Erhöhungen zu rechnen. "Es geht dabei um Zehntelprozentpunkte." Für große Zinsschritte gebe es aus konjunktureller Sicht keinen Grund. Dennoch könne es sich für Bauherrn, die mittelfristig eine Anschlussfinanzierung brauchen, rechnen, "auf die allgemeine Lage am Zinsmarkt zu achten", meint die Fachfrau.

Dispo wurde teurer

Auch Sebastian Flaith von der Bausparkasse Schwäbisch Hall hält die Bedingungen für Bauwillige und Immobilienkäufer auf Jahressicht weiterhin für ideal. "Ein abruptes Ende der Billig-Zins-Ära ist noch nicht in Sicht." Weniger erfreut dürften Verbraucher gewesen sein, denen die EZB-Entscheidung schon bald danach Mehrkosten im kurzfristigen Darlehensbereich, also beispielsweise bei Raten- oder Überziehungskrediten beschert hat. Erfahrungsgemäß würden Zinsanpassungen zu Lasten der Kunden recht schnell an die Kundschaft weitergereicht, berichtet Josephine Holzhäuser, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Bei Spareinlagen ließen es viele Institute eher langsam angehen. Sparer profitieren daher häufig verspätet von einer besseren Verzinsung.

Obwohl Geldinstitute nicht dazu verpflichtet sind, jeden Zinsentscheid kurzfristig unmittelbar an die Kunden weiterzugeben, haben sich dennoch offenbar zum Jahreswechsel bereits eine ganze Reihe Banken dazu entschlossen, ihren Kunden mehr Zins einzuräumen. Nach einer ersten Marktbeobachtung von "Finanztest" sind die Sparzinsen nach langer Dürre wieder im Steigen begriffen. In Festgeld und andere Sparprodukte sei "frischer Wind" gekommen, heißt es.

Gelder höchstens drei Jahre fest anlegen

Für Anlagen, die ein bis drei Jahre laufen, bekämen Kunden jetzt teilweise schon über drei Prozent Zins pro Jahr, so die Übersicht der Berliner Verbraucherschützer - spürbar mehr als noch im Sommer vergangenen Jahres. Andere Banken dürften ebenfalls bald ihre Zinssätze erhöhen. Ähnlich die Einschätzung von Peter Grieble, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: "Vielleicht setzt jetzt wieder ein neuer Wettbewerb der Geldinstitute um die besten Zinsangebote ein." Vom Wettlauf um ein "paar Zehntel mehr als die Konkurrenz" könnten die Kunden, die sich seit Jahren mit magerer Verzinsung zufrieden geben müssen, nur profitieren.

Richtig fette Guthabenzinsen dürften trotzdem in der nächsten Zeit nichts als Zukunftsmusik sein, ist Grieble sicher. Sein Rat: Wer eine feste Geldanlage sucht, sollte sich derzeit höchstens für drei Jahre binden. Sonst gehen ihm womöglich weitere Zinserhöhungen in den nächsten Monaten durch die Lappen. Als Alternative bieten sich flexible Tagesgeldkonten an. Die seien zwar schlechter verzinst als längerfristige Einlagen, so der Fachmann. Die besten Angebote bringen laut Finanztest momentan bis zu 2,75 Prozent pro Jahr. Der Vorteil sei aber, dass das dort geparkte Geld jederzeit abgerufen und umgeschichtet werden könne, sobald an der Zinsfront weitere Verbesserungen eingetreten seien.

Berrit Gräber/AP / AP