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Urteil zu Kreditgebühren: Wie Sie Ihr Geld jetzt zurückbekommen

Der BGH hat entschieden, dass Zehntausende von ihrer Bank Geld zurückfordern können. Viele Kunden müssen aber schnell handeln, sonst droht die Verjährung. So sollten sich Betroffene jetzt verhalten.

Von Joachim Reuter

Wer alte Kreditverträge hat, sollte sich die jetzt genau angucken

Wer alte Kreditverträge hat, sollte sich die jetzt genau angucken

Vermutlich zehntausende von Kunden können von ihrer Bank zu viel gezahlte Gebühren bei ihrem Ratenkredit zurückverlangen. Der Bundesgerichtshof (BGH) kommt mit einem aktuellen Urteil den Verbrauchern entgegen. Er entschied, dass die von den Banken erhobenen Bearbeitungsgebühren unzulässig sind.

Ein bis vier Prozent der Kreditsumme haben Banken und Sparkassen oftmals pauschal von ihren Kunden für Beratung und Bonitätsprüfung verlangt. Für die BGH-Richter ist eine derartige Bearbeitung keine Dienstleistung für den Kunden, sondern sie liege im eigenen Interesse der Bank. Also dürften die Finanzinstitute dafür nicht extra Geld kassieren.

Schon im Mai dieses Jahres hatte der BGH die Unwirksamkeit von Bearbeitungsgebühren erklärt. Bislang stand aber nicht fest, welche Kreditverträge von dem Urteil betroffen sind. Gewöhnlich gilt für Kunden, die Ansprüche anmelden möchten, eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Dass Verbraucher mit Kreditverträgen vom Jahr 2011 sich die Gebühren erstatten lassen können, ist also unstrittig. Überraschend entschied der BGH aber nun, die Frist auf zehn Jahre auszudehnen. Damit können auch Kreditkunden mit Verträgen aus den Jahren 2004 bis 2010 Rückforderungen bei ihrer Bank erheben.

Wir erklären Ihnen, wie's geht.

So sollten sich Kreditkunden nun verhalten

• Zuerst einen Blick in den Kreditvertrag werfen: Ist dort zusätzlich zum Zinssatz eine "Bearbeitungsgebühr" oder "Bearbeitungsentgelt" aufgeführt?

• Stehen diese formularmäßig im Vertrag, kann man diese Gebühr zurückfordern. Die Verbraucherzentralen haben hierzu einen Musterbrief entworfen, den der Kreditnehmer mit seinen individuellen Angaben komplettieren und an die betreffende Bank schicken kann.

• Wer einen Kredit in den Jahren 2012 bis 2014 abgeschlossen hat, kann ohne Zeitdruck seine Ansprüche bei der Bank geltend machen, denn sie sind noch nicht verjährt.

• Schneller handeln sollten Kunden, die ihren Vertrag zwischen 2004 bis 2011 unterschrieben haben. Sie müssen ihre Bank bis zum 31. Dezember 2014 zur Rückzahlung der Gebühren auffordern, rät Britta Beate Schön, Juristin und wissenschaftliche Leiterin beim Online-Verbraucherportal finanztip.de.

• Falls die Banken die Erstattung verzögern, zum Beispiel mit Hinweis auf die ausstehende Urteilsbegründung, empfehlen die Verbraucherzentralen, den Ombudsmann der Banken, der Sparkassen oder gar einen Anwalt einzuschalten. Das würde die Gefahr der Verjährung ausbremsen.

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