VG-Wort Pixel

Lebensversicherungen Warum Kunden sich jetzt beeilen müssen


Das Kabinett beschließt Reformen, um die Lebensversicherer zu stabilisieren. Das geht zu Lasten der Kunden, deren Verträge bald fällig sind. Sie müssen jetzt schnell entscheiden, was sie tun wollen.
Von Elke Schulze

Seit geraumer Zeit jammern die Lebensversicherer. Nun hat das Bundeskabinett ein Bündel an Maßnahmen verabschiedet, wie die Branche trotz Niedrigzinsen ihr Überleben sichern soll. Das Nachsehen haben die Kunden der Lebensversicherer und vor allem jene, deren Verträge in Kürze fällig werden.

Hauptpunkt des Maßnahmenpakets ist eine Regelung, wie die Anbieter ihre Kunden an Bewertungsreserven beteiligen. Die beschreiben die Differenz zwischen den Buch- und Marktwerten von Kapitalanlagen. Kauft der Versicherer beispielsweise Aktien für 100 Euro, stehen sie auch Jahre später noch mit 100 Euro in der Bilanz. Steigt der Wert der Aktien an der Börse aber auf 150 Euro, könnte der Konzern sie theoretisch verkaufen und 50 Euro Gewinn machen.

Den Kunden bleibt wenig Zeit, zu entscheiden

Bislang musste der Versicherer den Kunden bei Vertragsende zur Hälfte an dieser Bewertungsreserve beteiligen. Künftig sollen die Kunden auf jeden Fall weniger bekommen. Bei den momentanen hohen Aktienkursen könnte der Verlust mehrere tausend Euro betragen. Da das Gesetz aber mit sofortiger Wirkung noch im Juli verabschiedet werden soll, bleibt den Kunden kaum Zeit, eventuelle Verluste für ihren Vertrag berechnen zu lassen. Es kann nämlich sein, dass es sich durchaus lohnt, Verträge, die ohnehin bald enden, vorzeitig zu kündigen. Das aber können die betroffenen Kunden nur mit fachlicher Beratung entscheiden.

Die Bundesregierung drückt genau aus diesem Grund bewusst auf die Tube, um Massenkündigungen zu vermeiden. Langfristig verfolgt sie vor allem das Ziel, die Zahlungsfähigkeit der Versicherer aufrechtzuerhalten. Die quälen sich mit hohen Zinszusagen herum, die sie ihren Kunden in den 90er Jahren versprachen. Zwischen 1994 und 2000 garantierten sie Zinsen von vier Prozent. Ein schwer zu erwirtschaftendes Niveau, wenn der Leitzins bei nahezu null liegt.

Garantiezins sinkt auf Rekordtief

Gleichzeitig will der Gesetzgeber den Anbietern künftig vorschreiben, dass sie Neukunden ab dem kommenden Jahr nicht mehr als 1,25 Prozent Zinsen versprechen dürfen, bislang sind es 1,75 Prozent. Für die Versicherer ein Signal, das sie nicht senden wollen. Ohnehin schon rechnen die Kunden kaum mehr mit über diese Garantie hinausgehenden Überschusszahlungen. Das Neugeschäft verläuft schleppend, der Kunde weiß, dass von seinen Beiträgen Provisionen und Verwaltungskosten abgehen und nur ein Teil der Prämien in den Spartopf wandert. Bei den niedrigen Zinsen stellt er sich zurecht die Frage, ob eine Lebensversicherung noch eine lohnende Geldanlage sein kann.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker